Pinneberg
Kreis Pinneberg

Pilotprojekt: A23 ist jetzt eine Ampelautobahn

Sobald die A23 zu voll wird, regeln wie hier an der Auffahrt Halstenbek-Rellingen Ampeln den Zufluss auf die Autobahn

Sobald die A23 zu voll wird, regeln wie hier an der Auffahrt Halstenbek-Rellingen Ampeln den Zufluss auf die Autobahn

Foto: Burkhard Fuchs

Signalanlagen regeln an drei Auffahrten im Kreis Pinneberg den Zufluss auf die A23, um Staus zu verhindern.

Kreis Pinneberg.  Berufspendler, die heute früh mit dem Auto über die A 23 zur Arbeit nach Hamburg fahren, werden eine Premiere erleben. An den drei Auffahrten Pinneberg-Mitte, Halstenbek-Rellingen und Halstenbek-Krupunder regeln jetzt bei dichtem Verkehr Ampeln an den Auffahrten die Zufahrt auf die Autobahn.

Wenn der Verkehr auf der A 23 ins Stocken gerät, schalten die Ampeln automatisch für wenige Sekunden auf Rot und nur noch ein Fahrzeug kann dann in den fließenden Verkehr einfädeln. Mit diesen landesweit bisher einmaligen sogenannten Zufluss-Regelungsanlagen soll der allmorgendliche Stau auf der A 23 in Richtung Hamburg zumindest entzerrt werden, begründete Torsten Conradt vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) diese neue Verkehrsregelung. Insbesondere im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen sorge sie an 90 Stellen für Entlastung und mehr Verkehrssicherheit, so der Chef des Landesbetriebes.

Bis zu 4200 Fahrzeuge pro Stunde drängeln sich auf A 23

Hintergrund dieser Maßnahme sind die alltäglichen Staubildungen vor allem morgens und abends, erläutert LBV-Abteilungsleiter Christian Herrlich. Mit bis zu 90.000 Fahrzeugen jeden Tag sei der südliche Abschnitt der A 23 vor dem Autobahnkreuz Hamburg-Nordwest in Eidelstedt, wo sich die Blechlawine mit der aus dem Norden von der A 7 trifft, enorm belastet. Die Berufspendler erfahren das tagtäglich, indem sie plötzlich auf die Bremse treten müssen oder sich nur noch mit waghalsigen Fahrmanövern in die kaum noch vorhandenen Lücken in den sich stauenden Verkehr auf der A 23 einfädeln können.

Das soll sich jetzt mit den Ampeln ändern, die durch mehrere Induktionsschleifen auf der Autobahn und den Auffahrten ständig je nach Verkehrsdichte geregelt werden, erklärt Herrlich deren Funktionsweise. Erst wenn der Verkehr auf der A 23 fast zum Erliegen komme, schalteten diese Ampeln automatisch auf Rot. „Wir gehen davon aus, dass dies vor allem morgens zwischen
6 und 8 Uhr der Fall sein wird.“ Ansonsten sind die Ampeln ausgeschaltet, es sei denn, es bildeten sich auch zu anderen Tageszeiten Staus aufgrund von Unfällen oder Baustellen.

Die Rot-Phasen der Ampeln seien je nach Verkehrsdichte zwischen zwei und sechs Sekunden lang, erläutert der LBV-Mitarbeiter. In der Regel sei dies bei einer Verkehrsdichte von mehr als 3000 Fahrzeugen pro Stunde auf der A23 und mehr als 800 Fahrzeugen pro Stunde auf den Auffahrten der Fall. Dann springen sie auf Grün und sofort wieder auf Rot, damit nur ein Fahrzeug auf die Autobahn auffahren kann. „Das muss man sich so ähnlich vorstellen wie in einem Parkhaus, wo die Schranken auch immer nur jeweils ein Fahrzeug ausfahren lassen“, erklärt Herrlich.

Aktuelle Verkehrszählungen hatten ergeben, dass diese Kapazitätsgrenzen in Stoßzeiten weit überschritten werden. In Höhe der Anschlussstelle Krupunder wurden nach Angaben eines beauftragten Ingenieurbüros schon 4200 Fahrzeuge pro Stunde in Fahrtrichtung Hamburg gemessen.

Diese Menge führe unweigerlich zum Stau, weil es die Aufnahmemöglichkeit der beiden Fahrspuren weit überschreite, so LBV-Chef Conradt. Wenn der Abstand zwischen den Fahrzeugen unter 30 Meter auf dem Hauptverkehrsstreifen sinke, könne sich kein Auto mehr dazwischen drängeln.

Auf keinen Fall aber solle durch diese Ampelsteuerung der Stau auf die untergeordneten Zufahrtsstraßen in Pinneberg-Mitte (Damm und Hauptstraße in Rellingen), Halstenbek-Rellingen (Hartkirchener Chaussee und Halstenbeker Weg) sowie Krupunder (Altonaer Straße) verlagert werden, versichert der Verkehrsexperte: „Bevor das passiert, ist die Ampel ausgeschaltet.“ Sobald sich die 120 bis 180 Meter langen Auffahrten zu sehr füllten, was ständig von den Induktionsschleifen gemessen und berechnet werde, schalteten sie automatisch ab.

Allerdings müsse sich dieses System jetzt noch in den nächsten Wochen und Monaten im Praxistest einspielen, erklärt Hans-Joachim Wendt von der Firma Siemens, die nun erstmals auch im Norden solche Zuflussregelungsanlagen eingebaut hat. „Die Anlage muss lernen, wie der Verkehr hier ist und sich entwickeln. Jeder Verkehr ist anders, und auch das Fahrverhalten ist überall individuell.“ Diese Nuancen, wann genau auf Rot gestellt wird und wie lange dies der Fall sein soll, könnten dann noch besser aufeinander abgestimmt werden.

Aber auch die Autofahrer müssen die Nutzung der ungewohnten Signalanlagen auf den Autobahnzufahrten noch erlernen. Bei der Pressevorführung am Donnerstag überfuhren zahlreiche Autofahrer das rote Haltesignal auf den Auffahrten. Wobei ihr offensichtliches Fehlverhalten dabei von zahlreichen Fernsehkameras und Pressefotografen sowie zwei Dutzend Zeugen festgehalten und bemerkt wurde. Aber es wird wohl keine ordnungsrechtlichen Konsequenzen für sie haben.

Gut 300.000 Euro hat Schleswig-Holstein jetzt in diese neuen Signalanlagen an den drei Autobahnauffahrten investiert. Wenn die vorhandenen vier einmal um zwei weitere Fahrspuren auf der A 23 erweitert werden, müssten sie wieder abgebaut werden, sagt Conradt. „Aber weil der Ausbau nicht morgen zu erwarten ist, machen wir das ja hier.“