Pinneberg
Jugendarbeit

Rellingen holt sich Studenten ins Rathaus

Jan Fasel arbeitet künftig im Amt von Silke Mannstaedt für die Gemeinde Rellingen und studiert in Hamburg

Jan Fasel arbeitet künftig im Amt von Silke Mannstaedt für die Gemeinde Rellingen und studiert in Hamburg

Foto: Andreas Daebeler / HA

Die Gemeinde kooperiert mit Hamburger Privatuni und schlägt so dem Fachkräftemangel im sozialen Bereich ein Schnippchen

Rellingen.  Ein bisschen bieder sieht’s ja aus im Rellinger Rathaus. Verwaltung pur halt. Junge Menschen erwartet man hier nicht unbedingt. Jan Fasel ist jung – und trotzdem da. Er arbeitet seit kurzem für die 15.000-Einwohner-Gemeinde. Mit Aktenstaub und Amtsschimmel hat sein Job wenig zu tun. Fasel unterstützt die Gemeinde bei der offenen Jugendarbeit. Und er hat ein Kontrastprogramm an der Uni – denn der 21-Jährige ist zugleich Student. Der erste einer neuen Art im Kreis Pinneberg.

Fasel wird an einer Hamburger Privatuniversität im neuen Fach Soziale Arbeit ausgebildet. Dreieinhalb Jahre lang. Die Gemeinde Rellingen bezahlt ihm das Studium, die Gebühr liegt bei etwa 700 Euro im Monat. Für den jungen Mann, der in Hamburg-Schnelsen lebt, gibt’s zudem ein Taschengeld. Rellingen kann seine Arbeitskraft dafür regelmäßig einplanen. Studium und Praxis wechseln im sich Wochenrhythmus ab.

Für Silke Mannstaedt, die im Rathaus Chefein von Jan Fasel ist, ist das „eine Win-Win-Situation für beide Seiten“. Sie setzt den Studenten bei der Ortsjugendpflege, in der Schulsozialarbeit und im Bereich der offenen Ganztagsschule inklusive der Betreuungsgruppen ein. Rellingen schlägt dem akuten Fachkräftemangel im sozialen Bereich ein Schnippchen. Die Gemeinde sorgt mit der Initiative selbst für kompetenten Nachwuchs.

Jan Fasel war im Sommer über eine Zeitarbeitsfirma bei der Ortsjugendpflege in Rellingen gelandet. Er überzeugte Ortsjugendpfleger Daniel Mietz auf Anhieb. Und zwar so sehr, dass die Gemeindeverwaltung der Rellinger Politik im September Möglichkeiten der Kooperation mit der in Hamburg beheimateten International University of Applied Sciences aufzeigte. Ohne viel Diskussion stimmten die Parteien dem Modellversuch zu. Mietz freut das: „Jan ist jung, dynamisch und voller Ideen. Das ist ein großer Gewinn für uns.“ Nicht zuletzt, weil der 21-Jährige neueste Studieninhalte von der Uni direkt in den Arbeitsalltag mitbringen werde. Das könne befruchten.

Wenn Fasel sein Studium erfolgreich beendet hat, wird er einen staatlich voll anerkannten Bachelorabschluss in der Tasche haben, der über Inhalte üblicher Sozialpädagogik hinausgeht. Zu seinen Studieninhalten gehören auch Elementeder Psychologie und der Medizin. Jura spielt ebenfalls eine Rolle. „Ich wollte immer mit Kids arbeiten“, sagt der 21-Jährige, der in der Freizeit gern Snowboard fährt, zu seinen Beweggründen, den Gang in einen neuartigen dualen Studiengang zu riskieren.

Mannstaedt spricht von einem „völlig neuen Weg“, der sich den Kommunen eröffne. „Wir halten die Investition in so ein duales Studium für eine Maßnahme gegen den Fachkräftemangel im Bereich der sozialen Berufe. Diese Studienform bietet einem jungen Menschen gute Grundlagen für seinen Beruf und dem späteren Arbeitgeber eine praxisnah ausgebildete Fachkraft“, sagt sie.

Eine Verpflichtung für die Zeit nach dem Studium geht Fasel zwar nicht ein. Dass er Rellingen auch nach den dreieinhalb Jahren treu bleibt, ist aber nicht unwahrscheinlich.