Pinneberg
Elmshorn

Spektakulär wohnen im Kibek-HochhausBeinahe Kreishaus

Das Bauunternehmen Semmelhaack weiht 151 neue Wohneinheiten in Elmshorn ein, davon 58 im ehemaligen Teppich-Geschäft

Elmshorn. Es war ein schwindelerregender Anblick: Zwei Tänzerinnen seilten sich mit akrobatischen Einlagen vom Dach des Kibek-Hochhauses rund 50 Meter in die Tiefe ab. Schließlich war es am Dienstag keine gewöhnliche Hauseinweihung. In Elmshorn lud die Baufirma Semmelhaack dazu ein, sich die fertigen Wohnungen im komplett sanierten Kibek-Hochhaus anzuschauen. Das 1958 gebaute, stadtbildprägende Haus gilt als Wahrzeichen der Stadt. Es war zu seiner Zeit das höchste Geschäftsgebäude in Schleswig-Holstein und ist nun ein Kulturdenkmal. Viele Elmshorner verfolgten die Komplettsanierung mit großem Interesse.

Im Hochhaus sind noch 17 Wohnungen frei

Das neue Quartier besteht aus fünf Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 151 Wohneinheiten. 17 Wohnungen im Hochhaus sind noch nicht vergeben, davon sieben aber reserviert. Die beiden 174 Quadratmeter großen Penthouse-Wohnungen im obersten Geschoss sind übrigens noch nicht vermietet, aber reserviert. In den vier neugebauten Wohnblocks sind dagegen alle Wohnungen vergeben. 26 Wohnungen wurden öffentlich gefördert.

Die Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen haben Größen von 50 bis 68 Quadratmetern, sind barrierearm, mit Einbauküche, hochwertigen Bodenbelägen und bodengleichen Duschen ausgestattet. Ein Aufzug ist in allen Gebäuden vorhanden. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Spielplatz. Am Eingang des Hochhauses wurde das bunte Mosaik erhalten, das eine orientalische Szene in Anlehnung an den früheren Teppich-Handel zeigt.

Das Unternehmen Semmelhaack hatte den seit 2006 leerstehenden Komplex Anfang 2014 von Frank Sachau, Inhaber von Teppich-Kibek, gekauft, um auf dem knapp 10.000 Quadratmeter großen Areal 151 Wohnungen zu bauen, davon 58 im Hochhaus selbst. Bis dahin galt die Industriebrache neben den Knechtschen Hallen als Schandfleck. Das Haus musste zunächst komplett entkernt werden. Am Ende wurde es teurer als geplant. 30 Millionen Euro hat Semmelhaack investiert, sechs Millionen Euro mehr als zunächst kalkuliert.

Der Umbau des Hochhauses war eine Herausforderung

„Nicht zuletzt aufgrund der Brandschutzauflagen. Die waren exorbitant“, sagt Projektleiter Hartmut Thede. Das Hochhaus habe eine Fülle an technischen Überraschungen bereitgehalten und für manche Sorgenfalte auf schweißnasser Stirn gesorgt.

Die Sanierung und Umgestaltung eines überwiegend gewerblich genutzten Hauses in ein Wohnhaus sei ein nicht alltägliches Thema für die Fachleute und deutlich spannender und komplexer als der normale Wohnungsbau. Am Ende seien alle Herausforderungen gemeistert worden, auch dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt. „Außergewöhnliche Projekte lassen sich nur realisieren, wenn alle Beteiligten außergewöhnlich gut zusammen arbeiten“, sagt Thede.

Der Kibek-Umbau schmiss alle Pläne für den Stadtumbau um

Auch für Bürgermeister Volker Hatje war es kein alltägliches Bauprojekt. „Die Nachricht, dass Semmelhaack das Kibek-Hochhaus sanieren wird, war die erste öffentliche Mitteilung, die ich als Bürgermeister verkündet habe“, sagte er auf der offiziellen Einweihungsfeier. Es war der 6. Januar 2014, und für die Mitarbeiter im Amt für Stadtentwicklung begann damals eine heiße Phase.

Die Entwicklung des Kibek-Areals sollte – anders als geplant – nämlich der Startschuss werden für den umfangreichen Stadtumbau im Gebiet Krückau und Vormstegen. Drei Jahre Planungen wurden über Nacht auf den Kopf gestellt. „Doch die Kollegen in der Stadtentwässerung passten die Planungen innerhalb von zwei Wochen an und zogen die Planungen für das sogenannte Haus der Technik vor“, sagt Bürgermeister Hatje. Das erste sichtbare Prestigeprojekt des Stadtumbaus hält er für mehr als gelungen. Nun muss die Stadt nachziehen.

Im Jahr 2009 gab es Überlegungen, die Kreisverwaltung ins Kibek-Hochhaus zu verlagern. Frank Sachau, Inhaber von Teppich-Kibek, bot in seiner ehemaligen Firmenzentrale an der Reichenstraße 16.400 Quadratmeter sanierte Büroflächen für eine Jahresmiete von knapp 1,3 Millionen Euro an. Dieses Angebot wurde aus formalen Gründen im Auswahlverfahren nicht berücksichtigt.