Pinneberg
Wirtschaft

Reisemobile aus Elmshorn für Globetrotter

Mit den robusten Fahrzeugen aus Elmshorn geht es auch über Stock und Stein. Die Sonderanfertigungen sind auf eine Million Kilometer ausgelegt

Mit den robusten Fahrzeugen aus Elmshorn geht es auch über Stock und Stein. Die Sonderanfertigungen sind auf eine Million Kilometer ausgelegt

Foto: Jörn Kerkamm / HA

Kerkamm Feuerwehr Sicherheit Technik GmbH – Weltreisemobile baut an der Werner-von-Siemens-Straße einen neuen Firmensitz.

Elmshorn.  Fremde Kulturen erkunden, dabei im eigenen Bett schlafen und immer eine saubere Toilette sowie ein kühles Getränk im Kühlschrank vorfinden. Jörn Kerkamm weiß, wie man Weltreisende glücklich macht. Der Elmshorner Unternehmer stellt Weltreisemobile her und das so erfolgreich, dass er nun expandiert.

Mehrere Millionen Euro investiert er in den neuen Firmensitz seines Unternehmens Kerkamm Feuerwehr Sicherheit Technik GmbH – Weltreisemobile an der Werner-von-Siemens-Straße in Elmshorn, gleich neben der Autobahnzufahrt. Hier sollen ab März 2018 die speziellen Weltreisemobile gefertigt und vertrieben werden. Verwirklicht wird ein großer Ausstellungsraum mit Glasfront, modernen Büros und Sozialräumen. Auch Multivisionsshows über Reisen sollen dort regelmäßig gezeigt werden. Die zweite Hälfte der Grundfläche ist der Werkstatt und dem Service vorbehalten. Durch sechs große Tore und modernste Werkstattausrüstung wird ein rationeller Arbeitsablauf sichergestellt.

Mittlerweile kommen die Kunden aus ganz Europa, aber auch aus Übersee nach Elmshorn. Es sind ein wenig in die Jahre gekommene Backpacker, die auf ihren Reisen inzwischen etwas mehr Komfort zu schätzen wissen. Dank WLAN seien aber nicht nur Pensionäre an den Weltreisemobilen interessiert, sondern auch Jüngere, die von unterwegs arbeiten würden, so Kerkamm. Die Fahrzeuge seien sinnvoll ausgestattet, wenn gewünscht sogar mit Waschmaschine. „Alles wird individuell an die Wünsche des Kunden angepasst.“

Das hat seinen Preis. Zwischen 200.000 und 500.000 Euro kosten die Weltreisemobile. Zehn pro Jahr verkauft Kerkamm derzeit durchschnittlich, Tendenz steigend. „Wir sind ein kleines Unternehmen“, so der Elmshorner. Zwölf Mitarbeiter beschäftigt Kerkamm, er sucht aber noch weitere Techniker für den Bau und den 24-Stunden-Service für alle Expeditionsfahrzeuge aller Fabrikate.

Der 68-Jährige hätte sich längst zur Ruhe setzen können, aber mit dem Bau der neuen Halle verwirklicht er sich einen Traum. Angeboten werden kompakte Weltreisemobile bis hin zu riesigen Lkw-Allrad-Fahrgestellen mit Wohnmobil-Aufbauten für den extremen Einsatz. Hierfür nutzt Kerkamm auch gern ältere Lkw-Fahrgestelle mit überschaubarer und robuster Technik. „Wer bleibt schon gerne mitten in Afrika oder Südamerika mit einer defekten High-Tech-Elektronik liegen, die vor Ort kein Mechaniker reparieren kann“, sagt er. Vor dem Aufbau der modernen Wohnkabinen, die auf Wunsch mit allem ausgestattet werden, was es heute an Technik und Komfort gibt, wird das Lkw-Fahrgestell komplett überholt. Riesige Wassertanks und leistungsstarke Solaranlagen sorgen für Autonomie.

In der Tischlerei entstehen die kompletten Möbel und Innenausbauten an modernen computergesteuerten Sägeanlagen und Frästischen. „Auf Schnickschnack verzichten wir allerdings“, sagt Kerkamm. Wichtiger seien Details wie eine feste Wand zwischen Fahrerhaus und Wohnaufbau. Das ist klimatisch sinnvoller und schützt bei der Verschiffung vor Diebstählen. Nur für den Fall der Fälle, denn eigentlich ist die Welt gut, so Kerkamms Erfahrung.

Er weiß, wovon er redet. Schließlich war er selbst schon auf Weltreisen: monatelang durch Nord- und Süd-Amerika sowie Nord-Afrika. Die letzte große Fahrt dauerte 15 Monate und führte auf dem Landwege nach Australien. Dabei durchquerten er und seine Frau Kathrin Griechenland, Türkei, Georgien, Armenien, Iran, Pakistan, Indien, Bangladesch, Nepal, Myanmar, Bhutan, Laos China, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Singapur und Indonesien. 70.000 Kilometer legten sie gemeinsam mit 23 anderen Kundenfahrzeugen zurück. „Vier Jahre Vorbereitungszeit stecken in der Reise“, sagt Kerkamm.

Kerkamms arbeiten mit dem Reiseunternehmen SeaBridge zusammen, einem Spezialisten für organisierte Wohnmobiltouren und Verschiffungen. „Sie sind Vorreiter und haben zum Beispiel eine Öffnung Myanmars für den Tourismus überhaupt erst möglich gemacht“, so Kerkamm. Nicht immer gibt es eine reguläre Fähre zwischen zwei Ländern, wie zum Beispiel zwischen Timor und Australien. Ohne das diplomatische und organisatorische Geschick der Reiseleiter hätten die 260 Kilometer Wasserweg zwischen Timor-Leste und Darwin mit den Fahrzeugen nicht überwunden werden können.