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Kreis Pinneberg

Radschnellweg 2025 fertig – Wende in der Verkehrspolitik

Sie sind bereit für den Radschnellweg von Elmshorn nach Hamburg: Landrat Oliver Stolz (v.l.), Kreisplaner Hartmut Teichmann sowie die Abgeordneten Ulrich Rahnenführer und Helmuth Ahrens

Sie sind bereit für den Radschnellweg von Elmshorn nach Hamburg: Landrat Oliver Stolz (v.l.), Kreisplaner Hartmut Teichmann sowie die Abgeordneten Ulrich Rahnenführer und Helmuth Ahrens

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Die 32 Kilometer lange Strecke von Elmshorn über Tornesch und Pinneberg bis nach Hamburg wird jetzt genau geplant.

Kreis Pinneberg. Startschuss für ein neues Infrastrukturprojekt, das eine Wende in der bisherigen Verkehrspolitik darstellt: Kreise in vier Bundesländern, die der Metropolregion Hamburg angehören, haben am Freitag den Auftakt der wissenschaftlichen Untersuchung von acht Radschnellwegen markiert. Darunter ist auch die etwa 32 Kilometer lange Trasse von Elmshorn nach Hamburg für den Kreis Pinneberg, der bei diesem Projekt die Federführung hat. „Wir schreiben jetzt die acht Machbarkeitsstudien für alle Partner europaweit aus“, sagt Regionalplaner Hartmut Teichmann aus der Kreisverwaltung.

Bau des Radschnellweges soll rund 30 Millionen Euro kosten

Etwa 1,2 Millionen Euro werden diese Untersuchungen kosten. Für den schnellen Radweg durch den Kreis Pinneberg fielen zunächst 100.000 Euro für diese Planung an, wovon der Kreis Pinneberg 20.000 Euro übernehmen müsse. Der Bau der „Radautobahn“ selbst werde rund 30 Millionen Euro kosten, sie könnte bis 2025 fertiggestellt sein, schätzt Teichmann. „Dies ist ein Projekt, das alle beteiligten Kreise und Bundesländer einhellig unterstützen.“ Darum dürfte es aus heutiger Sicht keine Klagen geben, die den Bau verzögern könnten.

Die Umsetzung, die Kosten und die genaue Strecke sollen jetzt mit der Machbarkeitsstudie abgeklopft und detailliert geplant werden, kündigt Teichmann an. Fest stehe bislang nur der Trassenverlauf von Elmshorn über Tornesch, Prisdorf, Pinneberg und Halstenbek nach Hamburg, vermutlich weitestgehend entlang der Bahnstrecke. Am Freitagmittag traf sich Landrat Oliver Stolz mit Helmuth Ahrens (CDU) und Ulrich Rahnenführer (SPD) aus dem Kreisverkehrsausschuss mit dem Tandemrad an der A 23 hinter Teppich Kibek, wo der erste Radschnellweg beginnen könnte. Die Hoffnungen der Städte Quickborn und Wedel auf eine Anbindung an eine solche „Radautobahn“ müssten auf später verschoben werden, sagte Landrat Stolz. Jetzt habe man sich zunächst auf die wichtigsten Verbindungen in acht verschiedenen Regionen geeinigt.

„Es ist gut, dass der Kreis Pinneberg mit den höchsten Pendlerströmen nach Hamburg, der sich von Anfang an dafür stark gemacht hat, vorn mit dabei ist“, sagt Landrat Stolz und freut sich über diese Entscheidung. „Wir haben einen großen Schritt gemacht, um den Wechsel zu umweltfreundlichen Verkehren einzuleiten.“

Jetzt komme es darauf an, dass die Radschnellstraßen auch zügig gebaut würden, wenn die Untersuchungen voraussichtlich Ende nächsten Jahres vorlägen. Dabei könnten das Verfahren und der Bau erheblich beschleunigt werden, wenn die notwendige Bauleitplanung länderübergreifend vollzogen würde. Dafür müsste allerdings in Schleswig-Holstein das Straßen- und Wegerecht entsprechend geändert werden. „Damit könnte die Metropolregion Hamburg zeigen, dass sie sich als Einheit versteht.“

Der Verkehrsausschussvorsitzende Ahrens zeigte sich überrascht, wie schnell die beteiligten Kreise dieses Pilotprojekt innerhalb von nur zwei Jahren auf den Weg gebracht hätten. „Dies ist eine Maßnahme, die zu einer erheblichen Verbesserung der heutigen Verkehrssituation führen wird“, sagte er. Vor allem der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxides und des gesundheitsgefährdenden Feinstaubes könnte begrenzt oder reduziert werden, wenn ein Großteil der heute 40.000 Berufspendler aus dem Kreis Pinneberg vom Auto auf das umweltfreundliche Fahrrad umstiegen.

Allerdings werde der Radschnellweg nicht von überall her zu erreichen sein, sagte Kreisplaner Teichmann. Dafür werde es wie bei Autoschnellstraßen regelrechte Zufahrtswege geben müssen, um Unfälle mit schnellen E-Bikes und Rennrädern zu vermeiden. Um ins Bundesförderprogramm für den Bau von Radschnellwegen zu kommen, müssten 0,3 Prozent der Menschen, die in einem Radius von 3,5 Kilometer entfernt wohnen, diesen auch benutzen. Teichmann: „Das wären für die Strecke Elmshorn–Hamburg, wo 700.000 Menschen in diesem Umkreis leben, 2000 Radfahrer am Tag.“

Der Radschnellweg soll vier Meter breit sein und möglichst keine Hindernisse, Ampeln oder Anhaltepunkte auf der Strecke haben. Die Zeitersparnis für einen Radfahrer betrüge von Elmshorn nach Hamburg etwa eine halbe Stunde, hieß es bei einer Voruntersuchung der TU Harburg. Danach würden zusätzlich etwa 20.000 Menschen im Kreis Pinneberg ihren Arbeitsplatz und etwa 50.000 Schüler ihre Schule innerhalb einer Viertelstunde mit dem Rad erreichen können.

Landrat Stolz hat die Vision, dass der Radschnellweg auch noch überdacht wird und mit Solarzellen dafür sorgt, dass er nachts beleuchtet ist. „Aber das ist wohl noch Zukunftsmusik.“