Pinneberg
Gleichstellung

So will Elmshorns Verwaltung die Sprache verändern

Heidi Basting (56) ist neue Gleichstellungsbeauftragte in Elmshorn

Foto: Celine Leib / HA

Heidi Basting (56) ist neue Gleichstellungsbeauftragte in Elmshorn

Heidi Basting, die neue Gleichstellungsbeauftragte der Krückaustadt, setzt sich für geschlechterneutrale Formulierungen ein.

Elmshorn.  Elmshorns neue Gleichstellungsbeauftragte Heidi Basting will das Rednerpult abschaffen. Zumindest sprachlich. Mit dem Ziel, geschlechterneutrale Sprache in der Verwaltung einzuführen, plant sie einen Leitfaden mit Beispielen für die richtige Formulierung. "Ich befasse mich mit der Frage: Wie können wir geschlechtergerecht schreiben, ohne die Sprache zu verkomplizieren?", sagt Basting. Damit ist sie die erste Gleichstellungsbeauftragte im Kreis Pinneberg, die Veränderungen der Sprache anstrebt.

Ihre Kollegen finden die Idee gut. "Wir nehmen Gleichstellung sehr ernst, und eine solche Umstellung kann unsere Verwaltung in dem Punkt nur noch verbessern", sagt Stadtrat Dirk Moritz.

Orientieren kann sich Basting zum Beispiel an dem bereits vorhandenen Leitfaden "Geschlechtergerechte Sprache" der Landesarbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten in Schleswig-Holstein. Der listet verschiedene Varianten auf, um etwa aus der unleserlichen Paarform "Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter..." eine geschlechterneutrale Variante wie "Liebe Mitarbeitende..." zu machen. Doch auch Begrifflichkeiten wie eben das Rednerpult, die suggerieren, dass nur Männer angesprochen sind, will Basting abändern.

Bei Bezug auf Gesetze ist Vorsicht geboten

Ihre vorgeschlagene Variante "Redepult" steht allerdings nicht im Duden. Ein Problem? Überprüft werden müsse bei einer Sprachänderung auf jeden Fall die rechtliche Lage. Stadtrat Moritz gibt zu bedenken: "Bei jeder gesetzlichen Verordnung steht in den ersten Paragrafen eine Begriffsbestimmung. Hier werden Begriffe definiert, und da dürfte dann natürlich nichts verändert werden". Bei Verordnungen des Kreises gebe es keine rechtlichen Bedenken, sagt Kreissprecher Oliver Carstens. "Wir achten bisher schon auf die Verwendung der Paarform und können uns vorstellen, auch in Zukunft noch mehr auf die Formulierungen zu achten." Grundsätzlich gelte: Jede Wortänderung müsse einzeln begutachtet und geprüft werden. Carstens: "Mit dem Wort Redepult sollte es aber keine Probleme geben."

Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Pinneberg, Tinka Juliane Frahm, ergänzt: "Wir wollen ja auch keine neuen Wörter erfinden."

In Elmshorn setzt Stadtrat Moritz auf interne Fortbildungen und umfassende Begleitprogramme, um die Belegschaft von der Notwendigkeit geschlechterneutraler Sprache zu überzeugen. Die beste Vorgabe sei Einsicht. Alle müssten verstehen, warum sie etwas anders schreiben sollten. "Dann kann das zur Normalität werden," sagt Moritz. Zusätzlich stellt er die Aufklärungsarbeit beim Empfänger in den Vordergrund: "Wir müssen vorher deutlich machen, weshalb die Änderungen notwendig sind, und uns erklären."

Für Aufklärung setzt sich auch Heidi Basting ein. In ihrer vorherigen Stelle im Frauenbüro der Stadtverwaltung Neumünster habe sie bereits, um ihre Kollegen von ihren Ideen zu überzeugen, außer dem Leitfaden einen handliches, verständliches Faltblatt verfasst – mit Erfolg, wie sie sagt.

Änderung von Vordrucken könnte viel Geld kosten

"Nach einiger Zeit der Umstellung war es für viele einfach normal", sagt Basting. Dass dies aber nicht von heute auf morgen umsetzbar ist, sei ihr bewusst. Das Ganze sei ein sehr zeitaufwendiges Unterfangen, meint auch die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Frahm. "Wenn man jeden Vordruck, jedes Dokument und alle Schreiben abändern möchte, ist das ein enormer Zeit- und Arbeitsaufwand", sagt sie. Und womöglich auch mit sehr hohen Kosten verbunden, wie der Kreissprecher Oliver Carstens ergänzt. Denkbar wäre eine Umstellung nach seiner Einschätzung am ehesten, wenn sie nach und nach erfolgte.

Spannend findet Elmshorns Stadtrat Moritz die Frage, ob die Sprachänderung irgendwann bundesweit realisiert wird: "Zwar wäre auch die lediglich kreisweite Umsetzung zunächst machbar, aber auf lange Sicht irritiert es den Empfänger, wenn es keine einheitliche Variante gibt". Er bezieht sich damit beispielsweise auf die Wahlunterlagen zur Bundestagswahl, in denen von den Ländern keine Änderungen vorgenommen werden dürfen. Steht darin nur "Wähler" statt "Wählende", müsste sich auch die Gleichstellungsbeauftragte Heidi Basting damit abfinden. In diesem Punkt baut sie auf die Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Gleichstellungsbeauftragten.

Auch das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Städteverbands Schleswig-Holstein, Jochen von Allwörden, hat schon von dem Vorstoß der Gleichstellungsbeauftragten gehört. Der Verband stehe der Modifikation zur Geschlechterneutralität grundsätzlich positiv gegenüber, sagt von Allwörden. Und da seit Anfang April dieses Jahres in jeder Kommune mit mehr als 15.000 Einwohnern eine Gleichstellungsbeauftragte in Vollzeit tätig sein muss, gebe es genügend Fürsprecher – oder Fürsprechende? –, die dieses Projekt gemeinsam vorantreiben und auf eine höhere, übergreifendere Ebene heben könnten.

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