Pinneberg
Kreis Pinneberg

Gaffer – das neue Problem für die Feuerwehren

Ein Post mit dem Schriftzug „Schämt Euch“ steht auf der Facebookseite der Polizei Offenburg (Baden-Württemberg). Er richtet sich an Schaulustige

Ein Post mit dem Schriftzug „Schämt Euch“ steht auf der Facebookseite der Polizei Offenburg (Baden-Württemberg). Er richtet sich an Schaulustige

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Großfeuer in Schenefeld wirkt nach: Schaulustige waren penetrant wie nie zuvor. Feuerwehr ist machtlos, Polizei muss helfen.

Kreis Pinneberg.  Weltweit war im Internet zu lesen, was die Feuerwehrleute in Schenefeld so sehr beschäftigte, dass sie ihre Arbeit nur unter sehr erschwerten Bedingungen erledigen konnten: Die Landespolizei hielt es für dringend notwendig, während des Großfeuers in Schenefeld vor gut zwei Wochen über den Kurznachrichtendienst Twitter Zuschauer zur Ordnung zu rufen. „Brand in #schenefeld: Schaulustige erschweren die Arbeit der Einsatzkräfte. Unbeteiligte bitten wir, sich aus dem Bereich zu entfernen“, schrieb die Landespolizei wörtlich. Besonders schlimm: Eine Wirkung hatte das offenbar nicht. Das ist für die Feuerwehrleute eine neue Qualität.

Dennis Fuchs, Pressesprecher der Schenefelder Feuerwehr, erinnert sich: Zuerst hätten es die Feuerwehrleute mit Gesprächen versucht. Doch 40 bis 50 Schaulustige wollten keinen Platz machen. Also musste die Feuerwehr die Polizei um Unterstützung bitten. Am Ende war nicht nur die Schenefelder Polizei mit einem Wagen sowie einer Fahrradstreife vor Ort, um die Gaffer unter Kontrolle zu halten. Auch Beamte aus dem ganzen Kreis Pinneberg, der Bundespolizei und Kollegen aus Hamburg waren nötig, um den rund 300 Einsatzkräften zu ermöglichen, ungestört ihrer schwierigen Arbeit nachzugehen.

„Die ,Generation Smartphone‘ macht den Rettungskräften die Arbeit immer schwer“, sagt Nico Möller, Pressesprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg. Jeder wolle der Erste sein, der ein Filmchen ins Internet stellt. Dazu drängelten sich die Schaulustigen so nah wie möglich ran an das Geschehen. Immer häufiger werde die Polizei von der Feuerwehr gerufen, um unbeteiligte Zaungäste in ihre Schranken zu weisen, die die Arbeit der Kameraden behindern. Eine Statistik wird dazu jedoch nicht geführt. Noch nicht.

Sogar Rentner wollen Internetfilmchen machen

Die Gruppe der filmenden Gaffer beschränkt sich nach Möllers Auskunft nicht nur auf Jugendliche, die besonders internetaffin sind. „Das zieht sich durch alle Altersgruppen bis zu den Rentnern“, sagt der Beamte. In Schenefeld sei es mehrfach zu Auseinandersetzungen mit uneinsichtigen Bürgern gekommen. In einem besonders heftigen Fall musste ein Platzverweis ausgesprochen werden.

Im Fall des Brandes des Schenefelder Tennis- und Fitnesscenters haben sich die Gaffer auch noch selbst in Gefahr gebracht. Sie standen direkt in der Richtung, in der die dicken Rauchschwaden abzogen. Die schwarzen Wolken zogen über ihre Köpfe hinweg. „Ein, zwei Atemzüge – dann kann es schon gefährlich werden“, sagt Dennis Fuchs. Nicht ohne Grund hätten die eingesetzten Feuerwehrleute in diesem Bereich unter vollem Atemschutz gelöscht.

Zu den Aufgaben eines Feuerwehr- Pressesprechers gehört es auch, die sozialen Netzwerke zu durchsuchen. Von dem Schenefelder Großbrand sind nur kurze Filmschnipsel im Internet aufgetaucht. Ausnahme ist ein 35-minütiger Beitrag auf der Plattform Youtube, der den wesentlichen Teil des Feuerwehreinsatzes dokumentiert. Der allerdings wurde offensichtlich vom Osterbrooksweg aus gefilmt, von dem aus die Wehren nicht behindert werden konnten.

Die Feuerwehren könnten nichts anderes tun, als mit den Menschen zu reden, die die Arbeiten behindern, sagt Kreisbrandmeister Frank Homrich – und, falls das keine Wirkung zeige, die Polizei zu rufen. Der erfahrene Feuerwehrmann kennt allerdings einen Trick, der manchmal funktioniert. Die Schaulustigen werden gebeten, sich an der Arbeit der Feuerwehr zu beteiligen und zu helfen. „Dann sind die Gaffer oft ganz schnell weg“, sagt Homrich.

Bisher sei es im Kreis Pinneberg allerdings relativ selten zu Problemen wie in Schenefeld gekommen. Anderenorts hätten die Kameraden schlimmere Erfahrungen machen müssen, etwa bei schweren Autobahnunfällen. Mit Unbehagen sieht Homrich der Fertigstellung der A 7 bei Quickborn entgegen. Wenn die Autobahn von vier auf sechs Spuren verbreitert worden ist, kann schneller und risikoreicher gefahren werden. „Mal sehen, was dann passiert“, sagt er.

Lieber denkt der Kreisbrandmeister an ganz anders gestrickte Beobachter der Feuerwehrarbeit. „Gerade in den kleineren Gemeinden passiert es immer wieder, dass Menschen die Feuerwehrleute Getränken versorgen und Stullen vorbeibringen.“