Pinneberg
Elmshorn

Gestatten: Robert, der Europa-Entdecker

In der Serie vor Anker erzählen wir Geschichten über interessante Menschen in den Sportboothäfen. Heute vom Wassersportverein Elmshorn.

Hier im Wassersportverein Elmshorn nennen ihn alle einfach nur Robert. Robert, der öfter verreist, als zu Hause ist. Robert, der die Gegend entweder mit dem Boot oder dem Wohnmobil unsicher macht. Robert, der Europa-Entdecker. Die anderen Vereinsmitglieder bekommen den gebürtigen Elmshorner eher selten zu Gesicht. Und das ist auch gut so, findet der Motorbootbesitzer, der mit vollständigen Namen Robert Gabriel heißt, 70 Jahre alt ist und sein Rentnerdasein in vollen Zügen genießt. Über 50.000 Kilometer legte er mit seinem selbstgebauten Boot, das er nach seinem Sohn Jan benannt hat, in 33 Jahren zurück. Er ist durch den Göta-Kanal in Schweden gefahren und auch die Strecke Elmshorn-Oslo angegangen. Robert Gabriel träumt nicht nur davon – er lebt die Freiheit auf seiner Shetland 536. „Ich bin ein Reisevogel“, sagt er.

Über 2000 Kilometer fuhr Gabriel bei der jüngsten Tour

Der gelernte Tischler hat auf Reisen schon ziemlich viel erlebt. Ob Windstärke 7 auf dem Schweriner See, Notankern mitten auf der Elbe oder traumhafte Sonnenuntergänge vor schwedischen Schären. Zuletzt sorgte ein Zettel für einen Lacher bei seinen Kollegen im Wassersportverein. Auf seiner jüngsten Tour hat Robert Gabriel tatsächlich sein erstes Knöllchen kassiert. Richtig, auch Motorbootfahrer müssen für das Falschparken in die Tasche greifen.

„Seit Jahren fahre ich diese Strecke und noch nie ist mir das passiert“, so Gabriel. Sechs Mal war er schon mit seinem Boot in Berlin, immer am gleichen Liegeplatz. „Dieses Jahr war vor Ort eine Baustelle, aber kein Schild, dass das Anliegen verboten ist“, erinnert sich der Elmshorner. Nachdem er mit seinen Reisebegleitern von einer Erkundungstour durch die Hauptstadt zurückkam, wehte ihm schon der Strafzettel entgegen. „Wenig später schickte mir meine Frau kommentarlos ein Bild per WhatsApp“, sagt der 70-Jährige. „Es war der Brief. 55 Euro waren fällig“.

Anfang Mai stach Robert gemeinsam mit zwei Freunden vom Verein mit ihren Booten „Miss Elly“, „Meerzeit“ und „Jan“ zuletzt in See. Der Tourplan der Männer führte sie von Elmshorn aus die Krückau hinunter bis in die Elbe. Es ging zur Elde-Müritz-Wasserstraße zur Müritz, weiter über die Mecklenburgische Seenplatte, um dann das nächste Ziel Berlin anzusteuern. Über den Oder-Havel-Kanal fuhren die Männer in die Oder nach Stettin und später weiter über die Ostsee unter anderem nach Swinemünde, Rügen und Warnemünde. Schließlich ging es durch den Elbe-Lübeck-Kanal wieder in die Elbe und die Krückau zurück Richtung Heimat. Angekommen sind sie im Juli. „Pro Stunde habe ich nur eineinhalb Liter verbraucht“, sagt Gabriel. „Das können die meisten immer gar nicht glauben.“

Angefangen hat Gabriels Leidenschaft, als er sich vor 33 Jahren in den Kopf setzte, sein eigenes Boot zu bauen. Zwei Jahre hat der 70-Jährige an seinem Boot in einer Scheune gewerkelt. Viele Feierabende und einen Urlaub hat er für seinen Traum geopfert. „Das alles zu finanzieren war die größte Herausforderung“, sagt Gabriel. „Erst habe ich Abfallholz verwendet, später dann Mahagoniplatten.“ Der Elmshorner hätte nie damit gerechnet, mit seinem selbstgebauten Schiff einmal große Touren zurückzulegen. Die erste Reise machte der Bootsbauer mit seiner damaligen Frau und seinem Sprössling durch den Elbe-Lübeck-Kanal zur Ostsee. Drei Wochen waren sie unterwegs. Seit zehn Jahren ist Gabriel Rentner, und jetzt dauern seine Touren auch mal drei Monate lang. „Die Jahre habe ich voll ausgenutzt, ich möchte möglichst viel sehen von der Welt“, so der Bootsliebhaber. Seine Fahrten plant der Besitzer im Winter. Von Mai bis September werden sie umgesetzt, entweder mit Kumpels vom Verein oder mit der Ehefrau.

Geht etwas kaputt – Gabriel kann schon nicht mehr zählen, wie oft das passiert ist – repariert er es selbst. „Bei meinem Auto gehe ich nicht ran, aber bei meinem Boot habe ich keine Probleme.“ Schließlich kennt er jede Schraube seiner Shetland. Das Boot werde mit ihm alt. Solle „Jan“ dann irgendwann doch nicht mehr fahrtüchtig sein, lasse er es einfach im Hafen des Elmshorner Wassersportvereins liegen. „Dann nutze ich es als Gartenlaube“, so Robert Gabriel. 1986 ist der Rentner in den Verein an der Krückau eingetreten. Er ist am längsten von allen Mitgliedern im Vorstand, seit 19 Jahren. Wenn er mal nicht unterwegs ist, oder Pflegearbeiten machen muss, kommt er hier zur Ruhe. Bis das nächste Abenteuer auf ihn wartet.