Pinneberg
Barmstedt/Hamburg

Die Qual der Wahl einer Kuratorin

Die Entscheidung ist gefallen: Kuratorin Karin Weißenbacher (l.) und Künstlerin Jana Osterhus zeigen zwei der ausgesuchten Bilder – links: „Affenschaukel“, rechts: „Erlösung“ – in der Kulturbotschaft in Hamburg

Foto: Elvira Nickmann / HA

Die Entscheidung ist gefallen: Kuratorin Karin Weißenbacher (l.) und Künstlerin Jana Osterhus zeigen zwei der ausgesuchten Bilder – links: „Affenschaukel“, rechts: „Erlösung“ – in der Kulturbotschaft in Hamburg

Galerie- III-Chefin Karin Weißenbacher sucht gemeinsam mit Künstlerin Jana Osterhus Werke für Ausstellung in Barmstedt aus.

Barmstedt/Hamburg.  "Lunático" hat es in die Auswahl geschafft. Jana Osterhus' Bild mit dem spanischen Titel, der laut Malerin so viel wie mondsüchtig oder verrückt bedeutet, wird ab Sonnabend, 23. September, in ihrer Ausstellung "Hinterm Happy End" im Barmstedter Galerie-Atelier III gezeigt. Dass vor der Schau mit der Auswahl der Arbeiten ein künstlerischer Prozess des intensiven Austauschs über das jeweilige Werk steht, dürfte jedoch nur wenigen Besuchern beim Betrachten der Arbeiten bewusst sein.

Sechs Wochen vor der Vernissage hat Jana Osterhus in ihrem Hamburger Atelier Besuch aus Barmstedt. Galerie- III-Chefin Karin Weißenbacher mustert jedes Bild genau. Die beiden sind per Du, die Atmosphäre ungezwungen, aber konzentriert. Keiner kennt die Räumlichkeiten, für die diese Schau zusammengestellt wird, besser als Weißenbacher. Die Kuratorin weiß genau, welche Formate an welche Wand, welche Werke ins Ausstellungskonzept passen, sieht vor ihrem inneren Auge, an welcher Stelle ein Übergang zwischen Themenkomplexen geschaffen werden kann.

Tänzer sind auf allen Bildern des Tangozyklus

Für einen hat sie sich bereits entschieden. "Die Tangobilder werden in der Amtsstube hängen", erklärt Weißenbacher und zeigt auf einige Bilder, die bereits zu einer Gruppe zusammengestellt an einer Wand stehen. Alt und Jung, Gegenwart und Vergangenheit seien darin enthalten – und die für die Arbeiten der Künstlerin so typischen Träume und floralen Verzierungen. Inzwischen sucht Osterhus nach einem weiteren Bild und zieht es schließlich hinter einem Stapel hervor: "Liebe in Budapest" präsentiert ein tanzendes Paar, das Osterhus mit Acryl, Tusche, Edding auf Leinwand verewigt hat. "Hier findet sich ein herrlich purpurfarbener Bogen, der sich auch durch die anderen Bilder zieht", ist Weißenbacher begeistert und sortiert dafür ein anderes Werk aus.

Tänzer sind auf allen Bildern des Tangozyklus zu entdecken, auch auf "Gestern, wenn der Apfelbaum blüht" dreht sich ein Paar im Kreis. "Ein herrlicher Komplex", findet die Kuratorin, die gerade eine Plastik in Augenschein nimmt: "Sehnsucht" heißt die Statue. "Zwischen den Fenstern in Raum 2 ist so viel Platz, da passt sie hin", ist sich Weißenbacher sicher, die ebenso wie Osterhus ein Auge darauf hat, dass die Werke Bezug auf den Ausstellungstitel "Hinterm Happy End" nehmen.

Dass viele Bilder der Malerin großformatig sind, mache das Kuratieren nicht schwerer – im Gegenteil. Diese wirkten wie ein Fenster und seien oft ein Zeichen für Können, so Galeristin Weißenbacher. Bei der Auswahl spiele auch eine gewisse Exklusivität des Gezeigten eine Rolle.

Das Publikum solle auch dann Neues entdecken können, wenn es bereits andere Ausstellungen des Künstlers besucht habe. Wie die Kartenbilder, bei denen Osterhus alte Landkarten als Untergrund benutzt, teilweise übermalt, aber auch in die Gestaltung miteinbezieht.

"Bring am besten mal alle Wandkarten mit, wir müssen mal sehen", sagt Weißenbacher, manches müsse auch vor Ort entschieden und die gerollten Karten könnten leicht transportiert werden. Anders ist das bei den gerahmten Bildern wie den sakral anmutende Abbildungen mit Affen, ein weiterer Komplex, der gezeigt werden soll. Weißenbacher wirft einen Blick auf ein großes Hochformat, das eine Frau mit Fischen zeigt, und seufzt: "Ich finde sie toll, aber wir müssen uns leider entscheiden."

Nach ein paar Stunden ist es geschafft, die Wahl getroffen. Für die Qualität einer Schau ist es ideal, wenn das wie in diesem Fall auf einer gemeinsamen Ebene von Kurator und Künstler stattfinden kann.

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