Pinneberg
Kreis Pinneberg

Kreis baut Kinderschutz-Haus auch für Babys

Sorgen sich um Kinderschutz: Helga Kell-Rossmann, Christoph Helms, Eckbert Jänisch und Grit Feller

Sorgen sich um Kinderschutz: Helga Kell-Rossmann, Christoph Helms, Eckbert Jänisch und Grit Feller

Foto: Burkhard Fuchs

Trägerverein investiert 900.000 Euro in neue Einrichtung mit sieben Plätzen. Der Bedarf wächst, Aussschuss über Ausmaß schockiert.

Kreis Pinneberg.  Die Kinder, die das Kreisjugendamt in akuten Notfällen zu deren eigenen Schutz aus den Herkunftsfamilien herausholen muss, werden immer jünger. Voriges Jahr waren es bereits 46 Kleinkinder, darunter auch Säuglinge, die der Betreiberverein Perspektive vorübergehend in sein Kinderschutzhaus in Elmshorn aufnehmen musste, das mit seinen 18 Plätzen eher für ältere Kinder und Jugendliche gedacht ist. Darum wird jetzt ein zweites Kinderschutzhaus in Seeth-Ekholt eingerichtet, das bis zu sieben Säuglingen und Kleinstkindern Platz bietet, kündigt Perspektive-Leiter Eckbert Jänisch an. Es ist erst die zweite Einrichtung dieser Art in Schleswig-Holstein. „Wir wollen es im Oktober eröffnen.“ Der Trägerverein, der es betreibt, investiere 900.000 Euro in das neue Schutzhaus für Kleinstkinder.

„Wir waren alle sehr schockiert im Jugendhilfeausschuss, als wir davon erfuhren, dass ein solches Heim für Säuglinge notwendig ist“, sagt dessen Vorsitzende Helga Kell-Rossmann. „Aber diese Kinder brauchen so viel Zuwendung, das können normale Pflegefamilien gar nicht leisten.“ So gebe es Fälle, in denen das Jugendamt quasi schon vor der Geburt der Kinder eingreifen müsse, weil die Mütter hochgradig drogenabhängig seien und das Kindeswohl akut gefährdet wäre, wenn die Babys bei den Müttern blieben, erläutert Grit Feller.

Insgesamt 248 akut gefährdete Kinder sind im vorigen Jahr vom Kreisjugendamt in Obhut genommen worden. Das waren zwar 47 weniger als im Jahr davor. Aber da hatte der Kreis auch vermehrt mit geflüchteten Kindern zu tun, die ohne Eltern und Verwandte hierher nach Deutschland geflüchtet sind, erklärt Jugendamtsleiter Christoph Helms. Nun habe sich die Zahl wieder etwa auf dem Niveau der Vorjahre eingependelt. Die Inobhutnahmen seien aber das letzte Mittel, betont Helms.

Immer mehr Kinder bleiben länger im Kinderschutzhaus

Der Kreis Pinneberg versuche, den Kindern und Familien möglichst mit ambulanten Hilfen zur Seite zu stehen, damit es gar nicht erst zur stationären Aufnahme kommt. Gleichwohl seien die Jugendhilfekosten inzwischen auf 42 Millionen Euro im Jahr angestiegen. „Im Hamburger Umland ist der Bedarf erheblich größer als im ländlichen Raum.“

Im Durchschnitt bleiben diese Kinder aus den zerrütteten Familien 22 Tage im Kinderschutzhaus, erklärt Perspektive-Leiter Jänisch. Aber der Betreuungszeitraum steigt. Immer mehr Kinder müssten länger im Kinderschutzhaus untergebracht werden. Aktuell sei ein 15 Jahre altes Mädchen seit 14 Monaten im Kinderschutzhaus und ein etwa gleichaltriger Junge seit zehn Monaten dort. „Es fehlt leider an speziellen Wohngruppen, die diese Kinder aufnehmen können“, erklärt die Jugendamts-Mitarbeiterin. Die Betroffenen, die oft Gewalt und sexuellem Missbrauch in ihren Familien ausgesetzt waren, seien so traumatisiert von diesen Erlebnissen, dass sie psychisch erkranken, die Schule verweigern, straffällig werden.

Ziel sei es, die in Obhut genommenen Kinder möglichst wieder in die Familien zu integrieren, erklärt Grit Feller. Doch das gelingt nur in jedem dritten Fall. Meist müssten die Kinder in anderen Heimen untergebracht werden, für die es oft Wartelisten gebe. „Wir versuchen, die Kinder inzwischen bundesweit unterzubringen“, sagt Helms.

Gerade für kleinere, akut gefährdete Kinder sei es besser, wenn sie in Bereitschafts-Pflegefamilien leben könnten, sagt Helms. Doch gebe es nur elf Familien im ganzen Kreis Pinneberg, die dazu bereit seien und 16 Plätze anböten. Viele Familien schreckten vor dieser anstrengenden Betreuung zurück, die ihre Aufmerksamkeit rund um die Uhr verlange. „Wir suchen weitere Pflegefamilien“, sagt Jänisch. Interessierte mögen sich direkt an den Trägerverein Perspektive wenden, Telefon: 04121/26 14 30.