Pinneberg
Ellerhoop

„Wir alle müssen die Grünflächen in der Stadt verteidigen“

Frank Schoppa (v.l.), Axel Huckfeldt (beide BdB) sowie Claus Heller und Jan-Peter Beese (beide Landwirtschaftskammer)

Frank Schoppa (v.l.), Axel Huckfeldt (beide BdB) sowie Claus Heller und Jan-Peter Beese (beide Landwirtschaftskammer)

Foto: Burkhard Fuchs

Bei Holsteiner Baumschultagen werden 2500 Fachbesucher in Ellerhoop erwartet. Experten warnen vor Baumsterben und Flächenverbrauch.

Ellerhoop.  Für die nächsten Tage schaut die nationale Gartenbau-Branche nach Ellerhoop. Bis zum 25. August laufen hier im Gartenbauzentrum die ersten Holsteiner Baumschultage unter dem Titel Florum, die am Mittwoch mit 200 Gästen eröffnet wurden.

Der Veranstalter, der Bund deutscher Baumschulen (BdB), erwartet bis zu 2500 Fachbesucher aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Skandinavien, die sich hier austauschen, über neueste Forschungsergebnisse informieren und die 75 ausstellenden Betriebe besuchen können, sagte BdB-Landesgeschäftsführer Frank Schoppa.

Die Florum-Messe, die 2019 mit der ebenfalls in Ellerhoop stattfindenden Messe für Baumschultechnik zusammengelegt wird, solle sich als bundesweite „Informations- und Weiterbildungsstätte für Pflanzen-Profis“ etablieren.

Ein Kernproblem sei dabei der zunehmende Flächenverbrauch in den immer mehr wachsenden Städten, sagte Gastredner Professor Dirk Dujesiefken vom Hamburger Institut für Baumpflege. Er forderte Baumschuler und Gartenbauer, aber auch Städteplaner in den Rathäusern auf, „Grünflächen zu verteidigen, neue auszuweisen und Bäume zu schützen“ sowie für eine Pflanzenvielfalt zu sorgen und die zunehmende Vertrocknung des Straßengrüns endlich zu bekämpfen. Dies seien angesichts des Klimawandels und der weltweiten Landflucht „existenzielle Probleme“, die dringend gelöst werden müssten.

Wenig Einsicht in Politik und Verwaltung zur Problematik

Was Schoppa bestätigte: Der Verband mit seinen 300 Baumschulbetrieben allein im Kreis Pinneberg, die eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschafteten, würde den Stadtplanern diese Forderungen „seit Jahren ins Stammbuch schreiben“. Allein die Einsicht in Politik und Verwaltung in diese Zusammenhänge sei eher als „rudimentär“ zu bezeichnen, ist die Erfahrung von Dujesiefken. „Was jetzt in der Stadt an Grünflächen für Wohnungs- und Straßenbau überplant wird, ist ein für allemal weg.“ Da gelte es, für den Erhalt der Umwelt dieser „Salami-Taktik, jeden Tag geht ein Stück Grünfläche verloren“, endlich Einhalt zu gebieten.

Die Entwicklung zu Lasten der Natur und der Existenzfrage des Gartenbaus sei noch nie so dramatisch wie jetzt gewesen, so der Hamburger Experte. So führe die offenbar unaufhaltsame Urbanisierung dazu, dass im Jahr 2030 drei von vier Menschen auf der Welt in der Stadt lebten, während dies 1950 noch umgekehrt zu Gunsten der Landbevölkerung der Fall gewesen sei.

Die Hansestadt Hamburg werde bis 2030 die Zwei-Millionen-Einwohner-Grenze überschreiten, was Wohnungen, Infrastruktur und Straßen für 200.000 zusätzliche Menschen bedeute. „Dieser Flächenverbrauch wird das gesamte Stadtbild verändern“, warnte Dujesiefke. Der Umbau der Verkehrsinfrastruktur, der den Individual- in öffentlichen Verkehr umwandeln solle, ändere an dieser Entwicklung zunächst nichts. „Auch die Busspuren und Radwege brauchen Platz.“

Und beim Straßenbau falle das Straßengrün immer mehr hinten runter, sagte ein Vertreter des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr. Die neue Abblendtechnik in den Fahrzeugen und andere Schutzplankensysteme machten grüne Mittelstreifen zunehmend unnötig. „Es gibt keine Flächen mehr, um zu pflanzen.“

Der Eröffnungstag der Florum-Messe zeigte, dass zurzeit sehr viel für Natur, Mensch und grüne Branche auf dem Spiel steht. Die Fachmesse läuft noch bis zum 25. August.