Pinneberg
Wirtschaft

Kreis soll attraktiver für innovative Köpfe werden

Sie sehen Verbesserungspotenzial für Firmengründer im Kreis: Kai Teute (l.), Birte Glißmann und Michael von Abercron.

Sie sehen Verbesserungspotenzial für Firmengründer im Kreis: Kai Teute (l.), Birte Glißmann und Michael von Abercron.

Foto: Fabian Schindler / HA

Region hat bei Start-Up-Firmen bislang das Nachsehen. Gründerzentren und Kooperationen könnten helfen

Kreis Pinneberg.  Berlin oder Hamburg sind begehrte Städte für Unternehmensgründer. Dort ist eine lebendige Start-Up-Szene entstanden. Hunderte junger Unternehmer entwickeln dort neue Produktideen und Firmenkonzepte. Im Kreis Pinneberg sieht die Lage hingegen deutlich anders aus.

„Es gibt nach unserer Kenntnis keine Zahlen über Start-Ups im Kreis“, sagt Birte Glißmann, Vorsitzende der Jungen Union im Kreis Pinneberg. Auch eine echte Start-Up-Szene fehle. Das überrasche, denn der Kreis grenzt direkt an Hamburg an. Und dort wird fleißig gegründet. Daher hat die Junge Union am Montagabend zu einer Diskussion zum Thema Start-Ups im Norden nach Elmshorn eingeladen. Was fehlt im Kreis und was für Chancen gibt es für Jungunternehmer?

Kai Teute, Geschäftsführer der Equity Seven Beteiligungsgesellschaft in Hamburg, Glißmann und der CDU-Bundestagskandidat Michael von Abercron, der ein Medizin-Logistikunternehmen mitgegründet hat, machen eine Vielzahl an Gründen aus, die im Kreis Pinneberg eine Rolle dafür spielen, dass dort noch keine Start-Up-Szene vorhanden ist. Einer der Gründe ist das Fehlen von Gründerzentren, wie sie andernorts Usus sind. Die Vernetzung von Menschen sei bei Firmengründungen immer wichtig, sagt Teute, der derzeit an neun Unternehmen beteiligt ist.

Gerade abseits der großen Städte könnten Gründerzentren und andere Austausch- oder Kooperationsmodelle gut funktionieren, weil die Hürden für eine Firmengründung oft geringer sind als in großen Städten. „Kleinere Kommunen haben ein Interesse an Gewerbeansiedlungen“, sagt Teute. Weniger Anträge, weniger Auflagen, das sei eine Chance. Zudem sei ein besserer persönlicher Kontakt zu Behörden auf dem Land möglich.

Ebenso wichtig sei, so von Abercron, die Geldfrage. Und da ist die Lage problematisch. Viele Firmengründer nehmen bei der Familie einen Kredit auf, um zu starten. Andere kämpften sich durch den Dschungel der vielen Förderprogramme – und die seien mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden. Sinnvoll, so von Abercron, sei es daher, die Strukturen zu straffen, zu vereinfachen. Je einfacher ein Fördersystem sei, desto eher würde dies Firmengründern nützen. Teute sieht noch eine andere Option. Die bestehe darin, dass der Staat es Bürgern und Firmen erleichtere, in neue Firmenideen zu investieren. Die Wirtschaft müsse frei vom Staat selbst Dinge anstoßen können. In den USA sei dies üblich. Deutschland habe da noch Nachholbedarf.

Ein Mehr an Start-Ups im Kreis sei langfristig denkbar. Gute Voraussetzungen seien gegeben, etwa die Nähe zu Hamburg. Es gebe zudem im Kreis viele Firmen, die neues Knowhow bräuchten oder generieren könnten. Mit den Hochschulen und Akademien gebe es Orte, die Fachwissen und Ideen generieren könnten. Doch für einen neuen Gründergeist sollten gemeinsam Gründerzentren eingerichtet und gefördert werden.