Pinneberg
Jacobs-Brand

Jetzt gibt es wieder Kaffee aus Elmshorn

Foto: Florian Geiss / HA

Einen Monat nach dem Großbrand nimmt das Jacobs-Werk die Produktion auf. Technischer Defekt löste laut Polizei das Feuer aus.

Elmshorn.  Einen Monat nach dem verheerenden Großbrand nimmt der Kaffeehersteller Jacobs in seinem Elmshorner Werk die Produktion wieder auf. „Wir fahren die Anlage langsam hoch, sodass Ende Juli alles wieder funktionieren wird“, sagt Dirk Friedrichs, der Unternehmenssprecher von Jacobs Douwe Egberts.

Die Kripo hat die Ermittlungen zur Brandursache beendet. „Ein technischer Defekt hat das Feuer ausgelöst“, erklärt Polizeisprecher Nico Möller auf Abendblatt-Anfrage. Die Höhe des Schadens könne nicht beziffert werden. Auch Unternehmenssprecher Friedrichs will sich in diesem Punkt nicht festlegen. „Angaben zur Gesamtschadenhöhe können noch nicht gemacht werden.“

Am 26. Juni waren gegen Mittag die Lüfter auf dem 33 Meter hohen Dach des Produktionsgebäudes am Lönsweg in Brand geraten. Eine riesige schwarze Rauchwolke stand über dem Gebäude und breitete sich schnell über große Teile der Stadt aus. Anwohner wurden aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Mehr als 240 Einsatzkräfte bekämpften stundenlang die Flammen. Weil normale Feuerwehrdrehleitern für diese Höhe nicht ausreichen, mussten die Airbus-Werksfeuerwehr sowie Kollegen aus Rendsburg mit zwei Teleskopmasten anrücken. Erst sechs Stunden nach Ausbruch des Feuers konnten die Einsatzkräfte wieder abrücken. Nach dem Ende der Löscharbeiten war klar, dass die Kühlanlage auf dem Dach der Fabrik komplett zerstört worden ist. Mehrere Schornsteine waren regelrecht in sich zusammengefallen.

Provisorisches Kühlsystem auf dem Dach installiert

Weitere Teile des Gebäudes wurden jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen. „Nach dem Abschluss der Aufräumarbeiten wurden vorübergehende Kühlsysteme auf dem Dach sowie zwischen den Produktionsgebäuden installiert“, berichtet Friedrichs. Dazu baute der Kaffeehersteller extra einen großen Kran am Lönsweg auf, um die benötigten Teile auf das Dach hieven zu können. Der Kran wird auch in den nächsten Wochen benötigt. „Im Laufe des August wird dann das neue Kühlsystem auf dem Dach des Werks installiert“, erläutert der Firmensprecher. Die Teile würden per Tieflader nach Elmshorn gebracht. Nach der Fertigstellung des neuen Kühlsystems würden die provisorisch aufgebauten Aggregate wieder entfernt.

Das Kaffeewerk am Lönsweg wurde bereits 1957 vom amerikanischen Konzern General Foods (GF) eingeweiht, der später unter Kraft Foods und 2012 nach einer Aufspaltung als Mondelez International firmiert. In seinen Glanzzeiten Ende der 70er-Jahre arbeiteten fast 1000 Mitarbeiter in dem Kaffeewerk. In den Folgejahren verlor der Standort die Forschungs- und Entwicklungsabteilung und die Verwaltung, zudem wurde die Produktion immer stärker automatisiert. Nach einer Neustrukturierung gilt Elmshorn als führend bei der Produktion von löslichem Kaffee. Dort wurde die größte Einzel-Gefriertrocknungsanlage der Welt aufgebaut. In Elmshorn wird gemahlener und gerösteter Kaffee gefriergetrocknet und dann an andere Standorte des Großkonzerns geliefert, an denen das Pulver fertig gemischt und portioniert wird.

Vor allem das Werk in Bremen-Hemelingen wird aus Elmshorn beliefert. 2014 hieß es in Berichten, in Elmshorn würden täglich 13 Millionen Tassen löslichen Kaffees produziert. Das will das Unternehmen nicht bestätigen. Sicher ist dagegen, dass der Ausfall in Elmshorn keine Beeinträchtigungen für die Kaffeeproduktion bei Jacobs bedeutet hat. Bereits in den Tagen vor dem Großfeuer wurde in der Krückaustadt nicht produziert. „Wir befanden wir uns in einer mehrwöchigen geplanten Wartungs- und Überholungsphase“, sagt Friedrichs. Zum Zeitpunkt des Feuers sei nur ein Drittel der ansonsten 100 Mitarbeiter im Einsatz gewesen. Die übrigen Mitarbeiter hätten sich im Urlaub oder in schichtbedingten Freiwochen befunden. In der Regel arbeiten sie im Schichtbetrieb rund um die Uhr.

Unternehmenssprecher Dirk Friedrichs ist es außerdem ein Anliegen, sich bei der Stadtverwaltung und auch der Polizei für die umfangreiche und schnelle Unterstützung beim Wiederaufbau zu bedanken. Friedrich: „Die bisher für unsere Arbeiten notwendigen Genehmigungen wurden nach eingehender Prüfung sehr schnell bearbeitet und erteilt, das hat uns sehr geholfen.“