Pinneberg
Pinneberg

Warum dieser Mann für Pinneberg kämpft

Foto: Philipp Wenzel / HA

Der Pinneberger Niels Jonas lehnt sich seit Jahren gegen Nörgler und Miesepeter auf, die seine geliebte Wahlheimat schlechtreden.

Pinneberg.  Pinneberg in der Werbung – ein Schnapshersteller hat es 2016 vorgemacht. Natürlich auf Kosten der Kreisstadt: „Endlich wirst du befördert. Und versetzt nach Pinneberg. Life is bitter“, hieß es in der Kampagne. Der Spruch reiht sich ein in eine Liste von Witzen über Pinneberg. Wer hier wohnt, lebt damit, als „Provinzidiot“ verhöhnt zu werden. Dagegen anzugehen lohnt nicht? Doch, sagt Niels Jonas. Er kämpft seit Jahren. Für sein verkanntes Pinneberg. Ehrenamtlich.

Dabei ist der 74-Jährige kein gebürtiger Pinneberger. 1976 von Hamburg-Eppendorf an die Pinnau gezogen, hat er sich in den vergangenen vier Jahrzehnten immer wieder stark gemacht. Als bürgerliches Mitglied im Finanzausschuss, als Mitstreiter der so genannten Pinosaurier, einer Bürgerinitiative gegen Kinderarmut. Und als Vorstandsmitglied im Förderverein der Landdrostei, der das Kreiskulturzentrum 2005 vor dem Aus bewahrte: Damals plante der Kreistag, seine jährlichen Mittel in Höhe von 150.000 Euro zu kappen.

Als zweiter Vereinsvorsitzender half Jonas bei Spendenaktionen, 40.000 Euro kamen zusammen. „Das reichte aber hinten und vorn nicht.“ Schließlich kam Jonas die Idee, ein Buch über die Geschichte der Drostei herauszugeben. Die Politiker sollten sich über die Historie der „Urzelle dieses Kreises“ bewusst werden. „Die Veröffentlichung war ein Wendepunkt“, ist sich Jonas heute sicher. Auch wenn sich strukturell einiges geändert hat, die Drostei als Kulturzentrum wird seitdem nicht mehr infrage gestellt. In diesem Jahr wird das Haus 250 Jahre alt.

Kultur, Natur, Geschichte – eine Stadt mit vielen Vorzügen

Jonas hat sein Amt im Förderverein kürzlich niedergelegt. „Ich möchte Platz für junge Menschen machen“, sagt er. Das kulturelle Angebot der Drostei wird er weiterhin wahrnehmen. „Die Stadt ist so vielfältig“, sagt er, „hier gibt es eine Menge schöner Dinge. Man muss sie nur wahrnehmen.“ Der zweifache Familienvater hat Vieles schätzen gelernt. Den Rosengarten und den Stadtwald Fahlt, der mit Hamburger Parks durchaus mithalten könne. Auch den Wochenmarkt („Dreimal wöchentlich ein frisches Angebot - wo bekomme ich das anderswo?“), oder die attraktive Stadtbücherei („Meine Enkel sind vorhin mit zehn ausgeliehenen Exemplaren nach Hause gekommen.“). Pinneberg sei zudem ein Ort mit erlebbarer Geschichte, betont der studierte Rechts- und Staatswissenschaftler: „Es gab hier mal ein Schloss und eine Burg.“ Im Museum in der Dingstätte würde die Stadtgeschichte wunderbar aufbereitet. „Aber viele Pinneberger wissen das gar nicht.“

Geht es um Pinnebergs Zukunft, ist Jonas im Gegensatz zu ewigen Nörglern optimistisch: „Diese Stadt hat einen langfristigen Zukunftsplan“, sagt er. Das werde derzeit greifbar: „Die Westumgehung kommt, neue Wohngebiete entstehen.“ Auch bei Ansiedlungen von Firmen gehe es voran, so Jonas. Wäre er selbst Bürgermeister, würde er mit einer Karte durch die Stadt laufen und sie den Menschen zeigen: „Das hier ist das Pinneberg von morgen, da möchte ich hin. Ihr könnt mich unterstützen.“

Bürgermeister war er nie, die Politik aber prägte den Lebensweg des Juristen: Angezogen von Willy Brandts Aufruf „Mehr Demokratie wagen“ trat Jonas 1970 in die SPD ein, „die Nahtstelle zwischen Politik und Verwaltung“ wurde sein Fachgebiet: Von 1979 bis 1983 leitete er die Präsidialabteilung der Hamburger Wirtschaftsbehörde. „Alle Kommunikationsstränge zwischen etwa 4.000 Mitarbeitern und dem Wirtschaftssenator liefen über meinen Schreibtisch“, erinnert sich der Sozialdemokrat. Als Leiter der Hamburger Landesvertretung in Bonn (1985 bis 1989) sorgte er für die Bewilligung von 20 Millionen Euro, um den Hamburger Hafen durch ein verbessertes Kommunikationssystem wettbewerbsfähig zu halten. „In dieser Zeit habe ich eins gelernt: Sie können die besten Ideen haben, damit allein kommen Sie nicht weit. Sie benötigen Partner.“

So ist Niels Jonas zum Netzwerker geworden, dem es gefallen hat, im Schatten der politischen Spitzenkräfte zu agieren: Von 1989 bis 1995 kehrte er schließlich ins Hamburger Rathaus zurück, als Leiter des Planungsstabs von Hamburgs Erstem Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) hat er Investitionsprojekte mitvorbereitet, zum Beispiel den Unger-Bau der Kunsthalle.

„Hast Du schon die Maut bezahlt?“ Diese und andere Bemerkungen von Kollegen musste sich der Wahl-Pinneberger während seiner insgesamt 23 Jahre im Hamburger Staatsdienst gefallen lassen. Jonas nahm es gelassen: „Was für Hamburg Pinneberg ist, heißt in Berlin Marzahn und in Kiel Ellerbek. Der Mensch braucht wohl ein Synonym für etwas, das er nicht mag.“ Schon in Schleswig, wo er aufgewachsen sei, habe man schlecht über umliegende Dörfer gesprochen.

Positiv herumgesprochen hat sich die Broschüre „Pinneberg gefällt mir“. Dort hatten Jonas und sechs Mitstreiter auf 45 Seiten notiert, was die so oft geschmähte Stadt liebenswert macht. Das Heft im Scheckkartenformat wurde 5.000-mal verteilt und erntete viel Lob. „Ich kann mir eine Weiterentwicklung dieser Idee vorstellen“, so Jonas.