Pinneberg
Autohandel

Von Dönerverkäufern zu Großinvestoren

15 Jahre lang betrieben Namid (l.) und Savas Ardic den Grillimbiss Mevlana in Pinnebergs City. 2011 verkauften sie und stiegen in den Handel mit Fahrzeugen ein. Jetzt bauen die Brüder für fünf Millionen Euro ein XL-Autohaus an der Mühlenstraße – nicht ihre einzige Investition im Stadtgebiet

15 Jahre lang betrieben Namid (l.) und Savas Ardic den Grillimbiss Mevlana in Pinnebergs City. 2011 verkauften sie und stiegen in den Handel mit Fahrzeugen ein. Jetzt bauen die Brüder für fünf Millionen Euro ein XL-Autohaus an der Mühlenstraße – nicht ihre einzige Investition im Stadtgebiet

Foto: Andreas Daebeler / HA

Namid und Savas Ardic standen einst in Pinneberg am Grillspieß, nun bauen die beiden Brüder das größte Autohaus der Region.

Pinneberg. Der Bagger frisst sich in den Untergrund. Meter für Meter wird abgetragen. Savas Ardic steht nur ein paar Schritte entfernt, das Handy am Ohr. Einmal am Tag lässt er sich
auf der Baustelle an der Mühlenstraße blicken. Hier, auf einem seit Jahren brach liegenden Gelände in Pinneberg, will Ardic gemeinsam mit seinem Bruder Namid ab 2018 Fahrzeuge verkaufen. Auf 15.000 Quadratmetern, die bis 2014 vom Kabelhersteller Höhne genutzt wurden, entsteht der größte Gebrauchtwagenhandel der Region. Ein Millionen-Projekt. Was kaum jemand weiß: Die Erfolgsstory der Brüder Ardic nahm an einem Grillspieß ihren Anfang. In einem kleinen Pinneberger Dönerladen.

Knuspriges Fladenbrot, Salat und Kalbfleisch: Zutaten einer Geschichte, die an den amerikanischen Traum erinnert. 15 Jahre lang haben die Brüder mitten in der Kreisstadt türkische Leckereien aufgetischt, bevor der Imbiss 2011 schließlich verkauft wurde. Den Erlös nutzten Savas und Namid, um in den Autohandel einzusteigen. Offenkundig eine gute Idee.

„Vom Tellerwäscher zum Millionär“, zitiert Savas Ardic ein jenseits des Atlantiks so beliebtes Klischee. Dass er das nicht ganz ernst meint, schiebt er gleich hinterher. Klar, eine finanzielle Basis habe man sich in den vergangenen Jahren geschaffen, aber natürlich werde das Projekt an der Mühlenstraße nicht mal eben aus der Portokasse bezahlt, sondern von Banken finanziert.

„Bis zu 600 Autos werden hier stehen, so etwas gibt es im Kreis Pinneberg noch nicht“, sagt Savas Ardic nicht ohne Stolz. Fünf Millionen Euro würden an der Mühlenstraße investiert, zwei Hallen hochgezogen. Wenn die verantwortlichen Architekten Ümit und Turgay Erdogan vom Hamburger Büro e+e Architekten fertig sind, können potenzielle Kunden nicht nur Autos der Marken Audi, Mercedes und VW begutachten. Auch eine Werkstatt sowie eine Autoaufbereitung werden dann an der Mühlenstraße beheimatet sein.

Angesichts derartiger Pläne rückt die Zeit hinterm Tresen des Grillimbisses Mevlana in weite Ferne. Vergessen haben Brüder Ardic ihre Zeit als Gastronomen jedoch keineswegs. 1996 waren sie gestartet, noch ohne die große Konkurrenz, die in Sachen Döner heute herrscht. „Die ganze Familie hat mitgearbeitet“, sagt Savas. Und mit Blick auf seinen Bruder: „Er sogar schon mit 13 Jahren.“

An der Bundesstraße in Kummerfeld starteten sie nach dem Abschied von der Gastroszene mit dem An- und Verkauf von Autos. „Erstmal nur mit zwei Wagen“, erinnert sich Savas. Ihr Büro richteten die Brüder sich im Keller des benachbarten Wohnhauses ein. Später ging das Geschäft sprichwörtlich durch die Decke. Ein Wachstum, das in Kummerfeld an Grenzen stieß. „Wir haben mit der Gemeinde über Möglichkeiten der Erweiterung gesprochen, aber das ist gescheitert“, sagt Savas.

Statt ihr Geld anzuhäufen, setzen die Brüder nun auf Investitionen in der Kreisstadt. So haben sich Savas und Namid ganz nebenbei auch noch das Pinnau-Center an der Dingstätte geleistet. Sie wollen den wenig ansehnlichen Bau, der seit Jahren ein Schattendasein fristet, entkernen, die Fassade auffrischen und mit 14 Wohnungen ausstatten. Im Erdgeschoss könnte gar ein Supermarkt einziehen. Nach der Sanierung sollen dort 800 Quadratmeter Verkaufsfläche bereitstehen. Rund eine Million Euro lassen sich die Brüder das Projekt Pinnau-Center kosten. „Anfang 2018 legen wir los, im Sommer 2018 wollen wir fertig sein“, sagt Savas.

Und er berichtet von einem weiteren Großprojekt. So seien mittlerweile zwei Grundstücke am Rübekamp im Besitz der Familie. „Wir bauen ein neues Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen und Büroflächen“, sagt Savas Ardic. „Der Bauantrag ist bereits gestellt.“ Darüber hinaus ziehen die Geschäftsleute an der Koppelstraße ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohneinheiten hoch.

Das Handy von Savas Ardic klingelt. Er geht ran, brüllt gegen den lärmenden Bagger an. Erreichbar sein – für den Großinvestor unerlässlich. Schließlich muss der Betrieb bei Yaans Automobile an der Bundesstraße in Kummerfeld weitergehen. Bis 2018 wird dort noch mit aufbereiteten Fahrzeugen gehandelt, dann wird der aktuell 300 Wagen umfassende Fuhrpark nach Pinneberg verlagert. Und auf 600 verdoppelt. Autos im Wert von sechs Millionen Euro werden dann an Pinnebergs Mühlenstraße stehen.