Pinneberg
Quickborn

Ermittlungen gegen TuS-Vorstand eingestellt

Der Trainer des Quickborner Vereins wurde 2016 vom Landgericht Itzehoe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

Der Trainer des Quickborner Vereins wurde 2016 vom Landgericht Itzehoe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

Foto: Carsten Rehder / picture alliance / dpa

Staatsanwaltschaft hält Vorwürfe, dass die Spitze des Quickborner Vereins Missbrauchstaten eines Trainers vertuschte, für unbegründet.

Quickborn.  Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat die Ermittlungen gegen Verantwortliche des TuS Holstein Quickborn wegen der Missbrauchstaten eines Jugendtrainers eingestellt. „Wir sehen keinen hinreichenden Tatverdacht“, bestätigt Peter Müller-Rakow, der Sprecher der Anklagebehörde.

Die Mutter eines der betroffenen Kinder hat die Vereinsspitze im vorigen Jahr angezeigt. Sie ist der Meinung, dass die Machenschaften des Trainers Kai H. zumindest teilweise hätten verhindert werden können, wenn die Vereinsführung eher reagiert hätte. Die Vereinsführung hatte derartige Anschuldigungen stets vehement zurückgewiesen.

Laut Müller-Rakow hat die Mutter gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft inzwischen Beschwerde eingelegt. „Wir warten derzeit noch auf die Begründung, um sie prüfen zu können“, so Müller-Rakow weiter. Sollte die Anklagebehörde bei ihrer Haltung bleiben, erfolge eine weitere Überprüfung durch die Generalstaatsanwaltschaft.

„Es überrascht mich nicht, dass die Ermittlungen eingestellt worden sind“, sagt TuS-Holstein-Vereinschef Jürgen Sohn auf Abendblatt-Anfrage. Es habe in dem Verfahren keine neuen Erkenntnisse gegeben, so Sohn weiter. „Wir sind heilfroh, dass die Sache jetzt vom Tisch ist“, sagt Sohn.

Kai H. war im Februar 2016 vom Landgericht Itzehoe zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten verurteilt worden. Er hatte eingeräumt, sich zwischen 2013 und 2015 an drei seiner Schützlinge – zur Tatzeit fünf, sechs und neun Jahre alt – sexuell vergangen zu haben. Das milde Urteil hatte die Eltern der betroffenen Kinder empört. Außerdem beklagten sie, dass der Vorstand schon lange vor Bekanntwerden der Missbrauchsserie vom übergriffigen Verhalten des Jugendtrainers Kenntnis hatte und nichts unternommen habe.

Vereinschef Sohn und sein Stellvertreter Hartmut Leutner hatten stets betont, erst im Juli 2015 von den schwerwiegenden Vorwürfen erfahren und Kai H. daraufhin sofort gefeuert zu haben. Zwar sei schon 2014 ein Vorfall auf einer Fußballausfahrt beim Vorstand gemeldet worden. Dort sei es jedoch nicht um einen eventuellen sexuellen Missbrauch gegangen, und Kai H. habe den Vorwurf glaubhaft widerlegen können.

Der 43-jährige Ex-Trainer wird sich möglicherweise erneut vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat gegen ihn im März diesen Jahres Anklage wegen 27 weiterer Taten erhoben. Die Vorfälle sollen sich im Jahr 2013 abgespielt haben. Kai H. stehe unter Verdacht, einen ihm anvertrauten Jungen bei diversen Gelegenheiten befummelt zu haben.

Dem früheren Trainer droht eine Gefängnisstrafe

Nach Abendblatt-Informationen war das Opfer zum Zeitpunkt der Übergriffe sechseinhalb Jahre alt. Das Kind zählte bereits auch zu den drei Opfern der Taten, um die es im ersten Gerichtsverfahren gegen Kai H ging. Während des Verfahrens hatte sich das Kind seiner Mutter offenbart und von weiteren erheblichen Übergriffen des Trainers berichtet. Das Landgericht hat die neue Anklage gegen Kai H. noch nicht zur Verhandlung zugelassen. Eine Entscheidung darüber sei erst im Herbst zu erwarten, teilte das Gericht mit. Eine eventuelle Hauptverhandlung werde nicht vor November erfolgen. Weil die Bewährungsstrafe im Falle eines Schuldspruchs mit in das Urteil einbezogen werden würde, droht Kai H. diesmal der Gang hinter Gitter.

Sein Ex-Verein hat sich laut Vereinschef Sohn inzwischen von dem Skandal erholt. „Wir haben damals zwei Mannschaften verloren. Inzwischen haben wir im Jugendfußballbereich annähernd die gleichen Mitgliederzahlen wie vor der Sache.“ Der Verein habe zudem bereits im Herbst 2015 mit Karin Leutner die Position einer Kinderschutzbeauftragten geschaffen.