Pinneberg
Kreis Pinneberg

Katzen werden zunehmend zu einem Problem

Wildlebende Katzen stellen ein Problem für heimische Arten dar, vermehren sich schnell und sind anfällig für Krankheiten. Tierschützer fordern daher eine Kastrationspflicht

Wildlebende Katzen stellen ein Problem für heimische Arten dar, vermehren sich schnell und sind anfällig für Krankheiten. Tierschützer fordern daher eine Kastrationspflicht

Foto: Jens Büttner / dpa

Viele herrenlosen Tiere: Aus dem Kreis Pinneberg gibt’s erste Rufe nach Kastrationspflicht, Freilaufverbot und einer Katzenteuer.

Kreis Pinneberg.  Sie gehören zu den liebsten Haustieren der Deutschen: Katzen. Doch nicht jeder ist Fan der pelzigen Vierbeiner. Harald Körber aus Prisdorf zum Beispiel: „Katzen bedrohen unsere heimischen Arten“, sagt er und fordert daher ein komplettes Freilaufverbot für Katzen. Doch damit nicht genug: „Ich bin auch für die Einführung einer Katzensteuer.“

Körber züchtet seit 60 Jahren Vögel, die Voliere in seinem Garten hat er mit einem Elektrozaun gesichert. Doch nicht nur seine Ziervögel, auch die einheimischen Vogelarten sieht der 66-Jährige gefährdet, denn „eine Katze folgt ihrem Jagdinstinkt, sie unterscheidet nicht, ob ein Vogel geschützt ist oder nicht“.

Dem kann Peter Dorendorf, Vorsitzender des Pinneberger Tierschutzvereins, nur bedingt widersprechen. Nicht die Katzen an sich, sondern ihre schiere Masse sei das Problem. „Es gibt eine Überpopulation. Das führt zu einer Verelendung und hat Einfluss auf die einheimischen Arten“, sagt Dorendorf. Eine Abgabe für Katzenhalter hält er für nicht durchführbar. Der Pinneberger setzt sich deshalb für eine Registrierungs- und Kastrationspflicht für Katzen ein. Diese Forderung hat Dorendorf bereits an Gemeinden im Kreis Pinneberg herangetragen – ohne Erfolg.

Körber will eine Debatte über die Katzen anstoßen

Dabei wäre eine solche Pflicht wichtig. Eine grobe Schätzung aus dem Jahr 2014 geht von ungefähr 75.000 frei lebenden Katzen in Schleswig-Holstein aus. Als frei lebende Katzen gelten ausgesetzte Tiere und deren Nachkommen. Sie sind oft weder kastriert noch geimpft. Die Zahl der Straßenkatzen und damit ihr Elend wächst, weil auch viele Hauskatzen nicht kastriert sind, oft aus Kostengründen.

Wie groß das Elend der Tiere im Kreis Pinneberg ist, weiß auch Anke Darius. „Das sind teilweise Zustände wie in Südeuropa“, sagt die Leiterin des Elmshorner Tierheims. In der Einrichtung leben derzeit 60 Katzen, zur Ferienzeit werde diese Zahl auf etwa 140 Tiere steigen. Eine Katzensteuer nennt Darius „entsetzlich“. Die Zahl der ausgesetzten Katzen würde sich drastisch erhöhen, sollte eine solche Steuer kommen, so die Tierheimleiterin. „Viel wichtiger ist eine Kastrationspflicht.“

Um die Zahl der frei lebenden Katzen einzudämmen, hat das schleswig-holsteinische Umweltministerium 2014 das Projekt „Gegen das Katzenelend“ gestartet. Durch Spenden, Honorarverzicht von Tierärzten, Geld des Deutschen Tierschutzbundes und Mittel des Landes konnten seitdem mehr als 10.000 Katzen kastriert werden. Im Kreis Pinneberg waren es im vergangenen Herbst 93 Tiere. Erste Kommunen berichten laut Umweltministerium von Populationsrückgängen. Für die nächste Aktion im Herbst 2017 stellt die Landesregierung wieder 180.000 Euro bereit.

„Dieses Projekt geht in die richtige Richtung“, sagt Ursula Krause. Sie ist Vorsitzende der Bürgerinitiative Katzenschutz Halstenbek und kümmert sich seit 20 Jahren gemeinsam mit Helfern ehrenamtlich um etwa 120 wild lebende Katzen im Kreis Pinneberg. Eine etwaige Steuer hält auch Krause für kontraproduktiv. „Die Menschen haben doch oft noch nicht einmal genug Geld, um ihre Katzen kastrieren zu lassen. Woher soll da das Geld für eine Steuer kommen?“ Krause kann bestätigen, dass die Kastrationsaktionen Wirkung zeigen: „Wir haben deutlich weniger Jungtiere.“ Ihr geht das Projekt aber nicht weit genug. Auch sie fordert eine Kastrationspflicht für Katzen.

Dass es bislang keine solchen Regelungen gibt, liegt an den Zuständigkeiten. „Pauschale Regelungen des Landes zum Schutz frei lebender Katzen wären rechtlich nicht zulässig“, heißt es im Landestierschutzbericht 2016. Allerdings hat das Umweltministerium den Kommunen die Möglichkeit gegeben, Schutzgebiete auszuweisen, in denen Halter nur kastrierte Katzen ins Freie lassen dürfen. Nur sind weder dem Umweltministerium noch der Kreisverwaltung Kommunen aus dem Kreis Pinneberg bekannt, die derartige Gebiete ausgewiesen haben.

Denn es gibt hohe Hürden: Regelungen, die den unkontrollierten freien Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen verbieten oder beschränken, sind erst zulässig, wenn Einfangen, Versorgen und Kastrieren nicht zu einer Verbesserung geführt haben. Einfacher ist es, Kennzeichnungs- und Registrierungspflichten für alle frei laufenden Katzen in einem Gebiet anzuordnen.

Eine Regelung, die Katzenhalter in die Pflicht nimmt, wünscht sich auch Harald Körber. „Ich möchte niemandem die Katze wegnehmen.“ Aber er wolle eine Debatte über die Tiere anstoßen, denn eine Katze sei kein Kuschel-, sondern ein Raubtier. Auch wenn manch ein Katzenhalter das wohl anders sieht.

Was denken Sie? Ist eine Katzensteuer sinnvoll? Schreiben Sie uns an pinneberg@abendblatt.de