Pinneberg

Diese Ampel zeigt Fahrradfahrern immer Rot

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Mirjam Rüscher
Eine Fahrradfahrerin wartet an der Ampel am Ende der Fahrradstraße am Westring in Pinneberg an der Kreuzung zur Langen Twiete

Eine Fahrradfahrerin wartet an der Ampel am Ende der Fahrradstraße am Westring in Pinneberg an der Kreuzung zur Langen Twiete

Foto: Mirjam Rüscher / HA

Realer Irrsinn in Pinneberg: Kontaktschleife in Fahrradstraße reagiert nicht auf Fahrräder. Eine Lösung gibt es bisher nicht.

Pinneberg.  Die Minuten vergehen, doch nichts passiert. Die Ampel am Ende der Fahrradstraße zeigt Rot. Andere Radfahrer fordern einige Meter weiter an einer Fußgängerampel ein Signal an. Sie bekommen Grün, überqueren dann eigentlich nicht regelkonform die Straße. Doch was sollen sie anderes machen? Radfahrer, die an der Kreuzung Westring/Lange Twiete in Pinneberg auf ein grünes Signal hoffen, können sonst nämlich lange warten. Denn am Ende der Fahrradstraße aus Richtung Appen wechselt die Ampel nie die Farbe. Sie ist immer Rot, weil die Kontaktschleife im Boden vor der Ampel einfach nicht auf Fahrräder reagiert.

„Viele Schüler fahren hier, die wissen das und benutzen die Fußgängerampel“, sagt Ulf Brüggmann, Sprecher des ADFC Pinneberg. Am Wochenende jedoch seien immer wieder Ausflügler zu beobachten, die ordnungsgemäß vor der Ampel warteten. „Vergeblich. Das Gewicht von Fahrrädern reicht einfach nicht aus. Bei einem Auto würde die Anforderungsschleife ausgelöst werden“, erklärt Brüggmann. Doch auf der Fahrradstraße sind Autos bis auf land- und fortwirtschaftlichen Verkehr verboten. „Es ergibt keinen Sinn, dass die Ampel nicht auf Fahrräder reagiert“, meint Brüggmann.

Seine Mitstreiter vom ADFC und er kennen das Problem schon länger, und sie haben es der Pinneberger Stadtverwaltung nach eigenen Angaben mehrfach gemeldet. Das Problem wird bereits im Protokoll einer Radtour mit Bürgermeisterin Urte Steinberg am 22. Juni 2014 benannt. Es habe einen Vorschlag seitens der Stadtverwaltung gegeben, um die Situation zu verbessern. „Der lautete, man könnte ein Schild an der Kreuzung aufstellen, auf dem Radfahrer gebeten werden, die Fußgängerampel zu benutzen“, sagt Brüggmann.

Ein Vorschlag, den er klar ablehnt. „Wir können doch nicht überall Bedienungsanleitungen aufstellen. Der Verkehr an einer Kreuzung muss von allein funktionieren“, so Brüggmann. Die einzig zweckmäßige Lösung sei die Anpassung der Kontaktschleife.

Das Problem ist auch Stadtsprecherin Maren Uschkurat bekannt. Sie sagt: „Wir nehmen das Thema sehr ernst und suchen derzeit nach einer sinnvollen Lösing.“

Flyer soll das Abbiegen in Thesdorf erklären

Bedienungsanleitungen, um Fahrradfahrern die Verkehrsführung zu erklären – das ist in Pinneberg nicht nur an dieser Stelle nötig. In der Pestalozzi­straße beispielsweise gibt es unter dem Tempo-30-Schild für Autofahrer einen Hinweis, dass das Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt ist – dabei ist das in 30er-Zonen ohnehin der Fall. „Auf Beschluss der Ratsversammlung wurden sechs solcher Schilder für die Stadt angeschafft“, berichtet Brüggmann.

Und dann wäre da der Thesdorfer Weg. Die Straße wurde aufwendig neu gestaltet, Fahrbahn, Radwege, Kreuzungsbereiche. Nach einer mehrmonatigen Bauphase ist die Straße fertig, doch auch hier erklärt sich die Verkehrsführung nicht von allein. Gerade ist die Stadt Pinneberg dabei, einen Flyer zu erstellen, der an Schüler der Theodor-Heuss-Schule und Anwohner verteilt werden soll. Das Infoblatt erklärt, wie Radfahrer an den Kreuzungen An der Raa/Richard-Köhn-Straße und Datumer Chaussee/Manfred-von-Richthofen-Straße abbiegen sollen.

In dem Flyer heißt es, die Radverkehrsführung sei im Zuge der Neugestaltung des Thesdorfer Wegs verbessert worden. „Für die linksabbiegenden Radfahrenden wird das indirekte Linksabbiegen realisiert“, steht in dem Infoblatt. Diese Form des Abbiegens ist auf den Straßen immer häufiger zu finden. Dennoch fragt sich Brüggmann: „Wieso hat man den Radweg nicht so gebaut und beschildert, dass man ihn nicht extra erklären muss?“

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