Pinneberg
Serie „Steinalt“

Warum die Elmshorner ihre Kirche lieben

Pastorin Antje Eddelbüttel (l.) und Rosmarie Lehmann, Vorsitzende des Kirchengemeinderates, vor dem Eingangstor der Elmshorner St. Nikolaikirche

Pastorin Antje Eddelbüttel (l.) und Rosmarie Lehmann, Vorsitzende des Kirchengemeinderates, vor dem Eingangstor der Elmshorner St. Nikolaikirche

Foto: Sarah Stolten

In unserer Serie stellen wir jede Woche die ältesten Gebäude in den Kommunen vor. Heute: die Elmshorner St. Nikolaikirche.

Elmshorn.  „Die Elmshorner hängen an ihrer Kirche“, sagt Antje Eddelbüttel. Mit ihrer Kirche meint die Pastorin die St. Nikolaikirche, die sich mitten im Herzen Elmshorns befindet. Das Gebäude in der Fußgängerzone ist das älteste der Stadt. Vor 356 hat das Volk das historische Gotteshaus eingeweiht.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde ein sogenanntes „Kirchspiel Elmshorn“ in einem Kaufvertrag der Herren Raboysen mit dem Kloster Uetersen bereits viele Jahre zuvor um 1362, dabei handelt es sich allerdings um einen Vorgänger der heutigen Kirche.

„Das Gotteshaus ist eine Bürgerkirche. Die Elmshorner haben hier ihre Spuren hinterlassen und sie zu ihrer eigenen Kirche gemacht“, sagt Antje Eddelbüttel. Sympathisch findet die Pastorin, dass die Bürger das historische Bauwerk nach ihrem eigenen Geschmack gestaltet haben. Doch über Geschmäcker lässt sich bekanntlich streiten.

Die Einrichtung und der südliche Anbau der einschiffigen Kirche stammten zum Teil aus der Barockzeit. Das fanden die Kirchenältesten Anfang des 20. Jahrhunderts so gar nicht mehr schick, sagt Rosmarie Lehmann, Vorsitzende des Kirchengemeinderats. „Barock war zu der Zeit total altmodisch.“ 1910 sollte das steinalte Gotteshaus deshalb abgerissen werden und einem zeitgemäßen Neubau weichen. Es sei ein Wunder, dass das historische Bauwerk überhaupt noch in dieser Form existiert. Der Abriss war bereits genehmigt worden. „Zuerst wurde die Kirche als nicht erhaltungswürdig eingestuft“, sagt Rosmarie Lehmann. Der Kirche fehlte am Ende jedoch das Geld für einen Neubau. Ein zweiter Gutachter kam zum Entschluss, dass das Gebäude doch von besonderer Bedeutung sei.

Schließlich wurden der Kirche Zuschüsse für eine Sanierung und Umgestaltung genehmigt. Ein Glück, wie die Vorsitzende des Kirchengemeinderates sagt: „Wenn heute unsere Rucksacktouristen kommen und sagen: Wow, sowas hätten wir in Elmshorn nicht erwartet, dann ist das in tolles Gefühl. Unsere Enkel und Urenkel sollen die Kirche auch noch sehen können.“

Die Geschichte des Elmshorner Gotteshauses zeigt, dass es Jahre gedauert hat, bis die Kirche so aussah, wie sie die Leute heute kennen und lieben. Angefangen hat alles im 17. Jahrhundert. 1657 wurden der Ort Elmshorn und der Vorgänger der heutigen St. Nikolaikirche während des Ersten Nordischen Krieges durch Truppen des Karl X. Gustav von Schweden zerstört. Bereits drei Jahre später startete der Reichsgraf Christian zu Rantzau einen Spendenaufruf für den Wiederaufbau des Gebäudes. 1661 feierte das Volk die Einweihung des neuen Gotteshauses, damals noch ohne Orgel und ohne Gestühl.

Elmshorn wuchs schnell, der Platz in der Kirche reichte nicht mehr aus. 1733 wurde ein Anbau an die Südseite des Langhauses errichtet. Bis dato hatte die Kirche keinen Turm. Der kam erst 1881 dazu. Der neogotische Kirchturm wurde nach einem Entwurf Eberhard Hillebrandts gebaut. Zwischen den Jahren 1912 und 1913 wurde das Gotteshaus vom Architekten Jürgen Kröger zur neubarocken Kirche umgestaltet. Professor August Oetken war für die Ausmalung verantwortlich. Dem Zweiten Weltkrieg hielt die Kirche stand. Geschädigt wurden das Dach und die Fenster.

Das Besondere an der Elmshorner St. Nikolaikirche sind für Rosemarie Lehmann nicht nur das Alter und die Schönheit des Bauwerks, sondern es ist auch die Ruhe, die die Menschen im Gotteshaus finden können. „Wenn ich vom Einkaufen herkomme, meine zwei Beutel abstelle und die drei Stufen herunter in die Kirche gehe, dann kann ich mein Leben hinter mir lassen“, sagt die Elmshornerin. „Dann bleibt die ganze Welt da draußen.“

Doch die Ruhe sollte nicht ewig anhalten. Denn ein unangemeldeter Störenfried hat sich im historischen Gotteshaus eingenistet: der Hausschwamm. Eigentlich sollten vor sieben Jahren nur zwei Fenster erneuert werden, doch dann entdeckte der Restaurator den lästigen Pilz. Wie sich herausstellte, hatte sich der Hausschwamm bereits in sämtlichen Mauern und im Dachbereich der Kirche ausgebreitet. Ein Schock für die Kirchengemeinde.

Ein riesen Sanierungsprojekt in vier Bauabschnitten wurde gestartet. Der letzte beginnt noch in diesem Jahr. Mit weit mehr als einer halben Million Euro Kosten musste die Kirchengemeinde planen. Das meiste Geld zahlt der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf. Viel Geld für die Kirche, aber eine lebensnotwendige Sanierungsmaßnahme für das älteste Gebäude der Stadt.