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Elmshorn

Protest gegen den Kahlschlag bei Telekom

Die Betriebsräte Heiko Siemann (v.l.), Michael Heuer und Sönke Krombach fordern einen Sozialplan für die Elmshorner Mitarbeiter

Die Betriebsräte Heiko Siemann (v.l.), Michael Heuer und Sönke Krombach fordern einen Sozialplan für die Elmshorner Mitarbeiter

Foto: Andreas Daebeler / HA

Das Unternehmen verlässt die Stadt Elmshorn. Beschäftigte fürchten Versetzung nach Hannover. Betriebsrat fordert Sozialplan.

Elmshorn.  Jede Menge Grün, die Krückau gleich um die Ecke. An der Heinrich-Hertz-Straße in Elmshorn geht’s eher beschaulich zu. Nicht so am Dienstag. Da wurde es laut. Weil die Gewerkschaft Verdi mobil gemacht hatte. Grund einer spontanen Protestaktion mit 100 Teilnehmern: Ein Kahlschlag bei der Telekom, die hier, am Rande Elmshorns, seit Jahrzehnten ein Technikzentrum unterhält.

Spätestens im September 2019 sollen die Lichter ausgehen, womöglich sogar schon 2018. Das hat die Unternehmensspitze den etwa 500 Beschäftigten mitgeteilt. „Ein Schock für die Mitarbeiter“, sagt Michael Heuer vom Betriebsrat. Er fordert einen vernünftigen Sozialplan. Einen mit Job-Alternativen, die den in der Region verwurzelten Menschen eine lebenswerte Zukunft bieten. Zwar sei den Beschäftigten mitgeteilt worden, dass jeder seinen Job behalte. Allerdings sei für viele eine Versetzung nach Hannover vorgesehen – weit weg vom bisherigen Lebensmittelpunkt im Kreis Pinneberg. „Geht gar nicht“, sagt Heuer. Er fordert Verhandlungen.

Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen Telekom

Sönke Krombach steht vorm Tor zum Betriebsgelände, ein Protestplakat im Anschlag. Er kennt das idyllisch gelegene Betriebsgelände wie seine Westentasche. „Ich habe 1985 hier gelernt“, sagt der Betriebsrat, der wie viele andere künftig in Hamburg am Überseering arbeiten soll. Was das für ihn bedeute? „Jeden Morgen und jeden Abend im Stau und zwei Stunden bis zum Arbeitsplatz“, antwortet der 49-Jährige, der in Glückstadt lebt. „So sind Familie und Beruf nicht zu vereinbaren.“

Gegenüber dem Abendblatt zeigen sich Mitarbeiter geschockt: „Die Telekom nimmt auf persönliche Bedürfnisse keine Rücksicht. Es geht nur ums Kapital“, sagt Heiko Siemann (56), der das Vorgehen seines Arbeitgebers nicht nachvollziehen kann. „Viele Mitarbeiter werden im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleiben.“

Offenbar versuche das Bonner Unternehmen gezielt, mit der Schließung Mitarbeiter aus ihren Verträgen zu drängen. Denn während viele Bereiche der Telekom bereits auf moderne Arbeitskonzepte zurückgriffen, werde den Elmshornern eine Möglichkeit wie etwa Home-Office gar nicht erst angeboten. „Man treibt die Leute bewusst in den Vorruhestand“, sagt Siemann. Auswirkungen auf die alltägliche Arbeit habe die angekündigte Schließung zwar noch nicht. Doch es sei wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich die Unsicherheit bemerkbar mache. „Viele von uns haben doch noch gar nicht realisiert, dass hier bald Schluss ist“, sagt Thomas Hausmann, der seit 37 Jahren am Elmshorner Standort beschäftigt ist.

Hatje: Ein Jobangebot in Hannover ist nicht zumutbar

Klar ist: Die Stadt Elmshorn verliert einen wichtigen Arbeitgeber. Bürgermeister Volker Hatje kann das nicht gefallen. „Von der Telekom bin ich nicht informiert worden“, so der Rathauschef am Dienstag. 2015, als der Standort schon einmal in die Diskussion geraten war, habe es zuletzt einen Austausch mit dem Unternehmen gegeben.

Hatje zeigt wenig Verständnis für den Kahlschlag – vor allem, weil den Beschäftigten mit einer Versetzung nach Hannover ein fragwürdiges Job-Angebot gemacht werde: „Nicht nachvollziehbar, so etwas ist doch gar nicht zumutbar“, findet Hatje klare Worte.

Ihr Gelände an der Heinrich-Hertz-Straße hat die Telekom bis Mitte 2018 gepachtet, mit Option für ein weiteres Jahr. Auf die Frage, was daraus nach Abwanderung der Unternehmens werden soll, hat Elmshorns Bürgermeister noch keine Antwort. Das Areal, das dem Bauunternehmer Semmelhaack gehört, sei „ein schwieriges Grundstück“ in einem sensiblen Landschaftsschutzgebiet. „Da müssen wir erstmal abwarten“, so Hatje.

Von der Konzernzentrale der Telekom in Bonn war am Dienstag trotz mehrfacher Anfragen keine Stellungnahme zu bekommen. Die geschockten Mitarbeiter in Elmshorn werden jetzt abwarten müssen, was bei den für Anfang Juli geplanten Verhandlungen von Unternehmensspitze und Betriebsrat herauskommt. Nach der Hiobsbotschaft hoffen sie auf bessere Nachrichten, die verkündet werden können – auf dem Telekom-Gelände, unweit einer Straße, die den Namen Katastrophenweg trägt.