Helgoland

Die jungen Lummen sind auf dem Sprung

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Stephanie Lettgen
Die Jungtiere

Die Jungtiere

Foto: Lilo Tadday

Von den Klippen der Insel Helgoland stürzen sich die Jungtiere jetzt wieder wagemutig in die Tiefe. Ein einzigartiges Schauspiel.

Helgoland.  In wenigen Tagen können Besucher auf der zum Kreis Pinneberg gehörenden Insel Helgoland wieder ein ganz besonderes Naturschauspiel beobachten: Die drei Wochen alten Küken der Trottellummen springen aus 40 Metern Höhe von einem Felsen ins Meer.

„Es muss jeden Tag losgehen“, sagt der Leiter der Helgoländer Außenstelle des Instituts für Vogelforschung, Jochen Dierschke. Der Lummenfelsen sei der einzige Ort in Deutschland, an dem man dieses Naturspektakel erleben kann. Bis Anfang Juli dauert der Lummensprung, der Höhepunkt liegt erfahrungsgemäß zwischen dem 15. und dem 25. Juni.

„Das ist ein Highlight, dann wird es voll auf der Insel sein“, berichtet der Tourismusdirektor Klaus Furtmeier. Naturliebhaber und Vogelkundler aus ganz Europa würden dann auf Deutschlands einziger Hochseeinsel erwartet. Vom 20. bis 23. Juni werden auf der Insel die sogenannten Lummentage veranstaltet – mit vielen Führungen und Vorträgen zum Thema.

Rund 3000 Lummen-Paare brüten derzeit auf der Felseninsel, die Zahl ist in den vergangenen 20 Jahren gestiegen. „Die Alttiere haben etwas von einem Pinguin, ein schwarz-braunes Gefieder mit einem ganz weißen Bauch“, sagt Dierschke. Jedes Paar legt nur ein Ei, einfach auf den blanken Felsen.

Doch warum springen die Jungtiere – angelockt von den Rufen der Eltern – überhaupt ins Wasser? „Die Trottellumme ist ein energetisch sehr schlechter Flieger“, erklärt Dierschke. „Die Nahrungsgründe liegen teilweise bis zu 40 Kilometer weg von hier. Sie können aber immer nur einen Fisch transportieren.“ Wenn der Jungvogel immer größer werde, brauche er mehr Nahrung. „So hat es sich dann in der Evolution herausgebildet, dass die Jungvögel herunterspringen und von den Altvögeln in die Nahrungsgründe geführt werden.“

Wer den Lummensprung genau beobachten will, braucht vor allem eines: Geduld. „Die Tiere springen in den späten Abendstunden, weil Möwen beispielsweise dann nicht mehr aktiv sind, die auch gerne junge Lummen fressen“, sagt der Experte Dierschke. Und er fügt hinzu: „Der Vogel springt meist nicht sofort, sondern trippelt hin und wieder zurück und überlegt es sich dann vielleicht doch wieder anders.“ Das Fotografieren ist wegen der Dunkelheit nicht leicht. Warme Kleidung empfiehlt sich für die Beobachter auch jetzt im Sommer, denn an den Klippen kann es häufig sehr windig sein.

Der Sprung der noch flugunfähigen Jungvögel im Daunenkleid in die Nordsee oder bei Niedrigwasser ins Felswatt hört sich gefährlich an, doch nur selten stirbt einer der Vögel dabei. „Sie sind vom Körperbau her gut angepasst“, sagt Dierschke. Die Mitarbeiter der Vogelwarte Helgoland und des Vereins Jordsand fangen jährlich rund 200 bis 300 Lummen, die es nicht direkt ins Wasser schaffen, für kurze Zeit ein. Sie vermessen und beringen die kleinen Vögel. „Über die Ringe bekommen wir viele Informationen zu den Tieren“, erklärt Dierschke. Der 48 Jahre alte Biologe leitet die Außenstelle des Instituts für Vogelforschung, das seinen Hauptsitz in Wilhelmshaven hat, inzwischen seit fünf Jahren.

Trottellummen brüten vor allem an Felsküsten – auch etwa in Norwegen oder Schottland. „In Deutschland gibt es die Trottellumme als Brutvogel aber nur auf Helgoland“, betont Dierschke. Das Besondere an Helgoland sei, dass die Vogelkolonie so gut zugänglich sei. „Man steht direkt über den Vögeln, auf öffentlichen Wegen.“

( dpa )

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