Pinneberg
Kreis Pinneberg

Anmelderekord an den Gemeinschaftsschulen

Schulleiter Michael Bülck (rechts) und sein Stellvertreter Thomas Schilling leiten das Elsensee-Gymnasium in Quickborn

Schulleiter Michael Bülck (rechts) und sein Stellvertreter Thomas Schilling leiten das Elsensee-Gymnasium in Quickborn

Foto: Hamburger Abendblatt / Andreas Laible

Die Einrichtungen mit Oberstufe müssen 193 Schüler ablehnen. Die Gymnasien im Kreis büßen stark an Beliebtheit ein.

Kreis Pinneberg.  Gemeinschaftsschulen sind in, Gymnasien verlieren stark an Beliebtheit: Dieser Trend zeichnet sich für das kommende Schuljahr bei der Wahl der weiterführenden Schule im Kreis Pinneberg ab. 1493 Schüler (2016: 1363) wechseln nach den Sommerferien in die fünfte Klasse einer Gemeinschaftsschule. Dagegen stehen 1243 Schüler, die ab August die fünfte Klasse eines Gymnasiums besuchen – das sind 93 weniger als noch 2016.

Als besonders beliebt erweisen sich die Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe. 650 Eltern schicken ihre Sprösslinge auf eine derartige Einrichtung – ein Plus von 79 Schülern. „Viele Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine durchgehende Laufbahn bis zum Abitur. Daher weisen Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe, wo die Schüler nach neun Jahren ihre Abiturprüfung ablegen können, eine hohe Akzeptanz auf“, sagt Kreis-Schulrätin Adelia Schuldt.

Vier der fünf Gemeinschaftsschulen im Kreis konnten nicht alle Anmeldewünsche erfüllen. Die KGSE in Elmshorn musste sogar 94 Kinder ablehnen. Allein die Klaus-Groth-Schule in Tornesch konnte alle 188 Aufnahmewünsche erfüllen – nach 114 Fünftklässlern im vorigen Schuljahr wurde die Kapazität dort um 74 Kinder erhöht.

Auch Schulen ohne Oberstufe profitieren vom Trend

Einen Anmeldeboom erlebt auch die Caspar-Voght-Schule in Rellingen-Egenbüttel, die im kommenden Schuljahr erstmals mit einem Oberstufenzweig an den Start geht. 136 Eltern hatten dort um einen Platz für ihre Kinder in der fünften Klasse nachgesucht – die Kapazität ist jedoch auf 120 Schüler begrenzt. „Es ist das erste Mal, dass wir Kindern eine Absage erteilen mussten“, sagt Unterstufenleiter Gunnar Petersen. Die letzten Plätze seien per Losverfahren vergeben worden. Doch nicht nur in der fünften Klasse, wo die Zahl der Neuanmeldungen um 41 anstieg, sondern auch in den übrigen Jahrgängen strömen immer mehr Kinder an die Schule. „Wir erleben zurzeit ein starkes Interesse von Schülern, die zu uns kommen wollen. Das stellt uns vor Herausforderungen“, sagt Petersen. So seien mehrere Jahrgänge inzwischen am Rande ihrer Aufnahmekapazitäten angelangt.

193 Schüler fanden laut Zahlen des Bildungsministeriums keinen Platz an den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe im Kreis. „Sie sind alle an anderen Schulen untergekommen“, sagt Thomas Schunck, Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel, das die Schulaufsicht für alle Einrichtungen mit Oberstufe ausübt. An den zwölf Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe wurden 843 Schüler neu angemeldet. Im Jahr 2016 waren es 792 (plus 51). Einige wie die Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule in Elmshorn (112 Neuaufnahmen, plus 21) oder die Anne-Frank-Gemeinschaftsschule (auch Elmshorn, 65 Fünftklässler, plus sieben) profitieren von Schülern, die keinen Platz an einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe finden. Andere wie etwa die Rosenstadtschule in Uetersen (63 Neuaufnahmen, minus 18) oder die Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule in Wedel (70 Fünftklässler, minus 21) verlieren dagegen deutlich in der Schülergunst.

Verlierer sind auch die Gymnasien. Beispiel: das Elsensee-Gymnasium in Quickborn, das 2016 noch 147 Schüler in die fünfte Klasse aufnahm. Dieses Jahr lag die Zahl der Neuanmeldungen bei 97. „Dabei wurde unser Infoabend von deutlich mehr Eltern besucht als voriges Jahr“, sagt Direktor Michael Bülck. Er glaubt, dass viele Eltern ihre Kinder nicht an seiner Schule angemeldet haben, weil sie eine Ablehnung befürchteten. Dies sei in den Vorjahren regelmäßig vorgekommen – und seit vorigem Schuljahr habe die Politik zudem die Aufnahmekapazität der Schule aus Platzmangel begrenzt. „Wir hätten jetzt maximal 120 Kinder aufnehmen können.“ Inklusive dreier Nachzügler werden es nun 100 Schüler. Macht vier Klassen à 25 Schüler.

Das Elsensee-Gymnasium und das Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium in Barmstedt bieten nach dem Y-Modell G 8 und G 9 an. Allerdings: Eine G-8-Klasse kam 2017 in Quickborn nicht zustande – das dritte Jahr in Folge. Und auch in Barmstedt fehlte es an Anmeldungen. „Wir hätten drei riesige G-9-Klassen und eine sehr kleine G-8-Klasse bilden müssen“, sagt die kommissarische Vize-Schulleiterin Angela Kopp. Weil dies nicht vertretbar gewesen sei, starte die Einrichtung wie schon im vorigen Jahr nur mit G-9-Klassen.