Pinneberg
ADFC Fahrradklima Test

„Radwege in Pinneberg werden schlecht geplant“

Ulf Brüggmann, Sprecher des ADFC Pinneberg, fährt auf seinem Fahrrad über den Parkplatz am Bahnhof – einen Radweg gibt es hier nicht

Ulf Brüggmann, Sprecher des ADFC Pinneberg, fährt auf seinem Fahrrad über den Parkplatz am Bahnhof – einen Radweg gibt es hier nicht

Foto: Mirjam Rüscher / HA

Kreisstadt schneidet beim Fahrradklima Test sehr schlecht ab. ADFC-Sprecher kritisiert Planung und Ausführung von Maßnahmen.

Pinneberg.  Ortstermin auf dem Parkplatz am Pinneberger Bahnhof. Ein Auto rollt rückwärts aus einer Parklücke. Ein Fahrrad nähert sich. Bremslichter leuchten auf, der Wagen stoppt abrupt. Das Fahrrad fährt vorbei. Gerade noch rechtzeitig hat der Fahrer des Wagens den Radfahrer gesehen. Situationen wie diese gibt es hier mehrfach täglich. „Der Radverkehr wurde beim Bau des Parkplatzes einfach vergessen“, sagt Ulf Brüggmann. Und nicht nur hier. An vielen Orten in der Stadt werde der Radverkehr nicht ausreichend berücksichtigt, sagt der Sprecher des ADFC Pinneberg.

Das zeigt auch das Ergebnis des ADFC Fahrradklima Tests 2016. Die Kreisstadt belegt in ihrer Stadtgrößenklasse deutschlandweit nur Platz 355 von 364. In Schleswig-Holstein ist Pinneberg mit Platz 29 sogar Schlusslicht. Ein Blick in die Befragung zeigt: Die Radwege sind zu unsicher, zu eng, in schlechtem baulichen Zustand, Ampelschaltungen sind nicht gut abgestimmt, und an Baustellen müssen Radfahrer häufig absteigen – um nur ein paar der Antworten zu nennen.

„Die Stadt hat kein Geld, das wissen wir. Das Schlimme ist, wenn etwas investiert wird, dann wird die Situation immer noch schlechter“, sagt Brüggmann. Der Parkplatz am Bahnhof sei dafür ein gutes Beispiel oder auch die Mühlenstraße. Beim Neubau der Straße habe man nur einen Radweg gebaut. „Der wurde anfangs für beide Richtungen ausgeschildert, dann hat man festgestellt, dass er die Anforderungen dafür nicht erfüllt und die Schilder wurden wieder abgebaut“, betont Brüggmann.

Die Stadtverwaltung mache beim Radverkehr einfach keinen guten Job. „Das ist schlechtes Handwerk“, so Brüggmann. Aktuelles Beispiel: der Thesdorfer Weg an der Theodor-Heuss-Schule. „Der Radweg wird hier direkt in den Busverkehr geleitet und endet da. Ich bin gespannt, wie das beschildert werden soll“, sagt der ADFC-Sprecher.

Die Ergebnisse des Tests kommen für ihn nicht überraschend. „Das ist das, was an uns herangetragen wird. Es spiegelt den Eindruck der Radfahrer wider, dass sich hier nichts bewegt“, so Brüggmann. Er wolle nicht überall in der Stadt neue Radwege bauen, aber das, was gemacht werde, „soll vernünftig und richtig ausgeführt werden“.

Im Rahmen ihrer durch den Haushalt gesetzten Grenzen habe die Stadt in den vergangenen Jahren im Zuge von Straßenausbauten neue Radwege gebaut, erklärt Maren Uschkurat, Sprecherin der Stadt Pinneberg. Darüber hinaus wurden jährlich 50.000 Euro für kleinere Verbesserungen und Maßnahmen für den Radverkehr im Straßennetz bereitgestallt.

Förderung des Radverkehrs soll ausgeweitet werden

„Die Stadt fördert den Radverkehr damit mit etwa 1,20 Euro pro Einwohner im Jahr“, so Uschkurat. Der Bund habe im nationalen Radwegeverkehrsplan mindestens 7,70 Euro pro Einwohner und Jahr als angemessene Radverkehrsförderung erklärt. „Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat daher in seiner Sitzung im Mai beschlossen, die Radverkehrsförderung in Pinneberg auszuweiten. Ein Konzept mit Maßnahmen soll den zuständigen Gremien spätestens nach der Sommerpause vorgelegt werden“, sagt Uschkurat.

Der ADFC begrüßt das. Die Pinneberger Ortsgruppe hat eine Unterschriftenkampagne mit dem Namen „5 statt 50“ gestartet. „Von den 1,20 Euro werden effektiv nur 50 Cent investiert, wir wollen, dass es 5 Euro pro Kopf sind und die dann auch wirklich in den Radverkehr fließen“, so Brüggmann. Andere Städte in der Umgebung seien da deutlich besser aufgestellt. „In Norderstedt sind es zwölf Euro pro Kopf, in Elmshorn acht Euro“, erklärt der ADFC-Sprecher. Das erkläre auch, warum Elmshorn in dem Test deutlich besser abschneide.

In einer Hinsicht ist Pinneberg in Relation zur Umgebung wirklich ganz vorn: Beim „Fahrbahnradeln“, wie es Brüggmann nennt. An vielen Stellen findet der Radverkehr auf der Fahrbahn statt und nicht auf gesonderten Radwegen. „Leider wurden da aber nur die Schilder abgebaut und sonst nichts unternommen“, so Brüggmann. Und auch Uschkurat gibt zu: „Da kommt es auf die Fahrradfreundlichkeit des gesamten Straßennetzes an. Diese ist zugegebenermaßen noch steigerungsfähig in Pinneberg.“