Pinneberg
Brandstiftung

Beim Flexen Halle abgefackelt: Mann vor Gericht

Ausgebrannte Autowracks und eine zerstörte Werkstatthalle: Nach dem Großfeuer vom 9. September 2015 blieb am Gerlingweg ein großes Trümmerfeld zurück

Foto: Anne Dewitz / HA

Ausgebrannte Autowracks und eine zerstörte Werkstatthalle: Nach dem Großfeuer vom 9. September 2015 blieb am Gerlingweg ein großes Trümmerfeld zurück

Anton N. steht wegen fahrlässiger Brandstiftung vor dem Landgericht Itzehoe. Er soll in Elmshorn ein Großfeuer ausgelöst haben.

Elmshorn/Itzehoe.  Anton N. ist gelernter Kfz-Mechaniker. Also einer, der sich auskennt. Als er am 9. September 2015 in einer Elmshorner Werkstatt am Gerlingweg an seinem eigenen Wagen rumwerkelte, vergaß er offenbar alles zuvor Gelernte. Es folgte eines der größten Feuer in der Krückaustadt seit Jahren – und eine Anklage gegen den 32-Jährigen wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Bereits im Juli vergangenen Jahres sprach das Amtsgericht der Stadt den gebürtigen Ukrainer für schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 1000 Euro. Ein Urteil, mit dem Anton N. nicht leben kann und gegen das er in Berufung ging. Seit Donnerstag wird das Verfahren vor dem Landgericht Itzehoe komplett neu aufgerollt.

"Ich weiß nicht, wie es zu dem Brand gekommen ist", beteuert der Angeklagte. Dass die Arbeiten, die er an diesem Vormittag an seinem Skoda
Octavia Kombi vornahm, das spätere Flammenmeer auslösten, bestreitet der Elmshorner nicht. Ein Verschulden seinerseits sieht er allerdings nicht.

Genau das wirft ihm die Anklage vor. Demnach habe der Angeklagte, der kurz vor dem Brandausbruch mit einer Flex die Anhängerkupplung des Fahrzeugs abtrennen wollte, feuergefährliche Arbeiten vorgenommen und Sicherheitsmaßnahmen verletzt. So hätte er brennbare Materialien in der Nähe entfernen, einen Feuerlöscher bereitlegen und eine zweite Person hinzuziehen müssen.

"Ich wollte den Wagen ausschlachten, die Einzelteile im Internet verkaufen", berichtet Anton N. Die Werkstatt gehörte einem seiner Bekannten, den er Jahre zuvor in einem Deutschkursus kennenlernte. "Er hat mir erlaubt, dort an meinem Wagen zu arbeiten." Als Vorbereitung habe er alle Betriebsstoffe des Fahrzeugs abgelassen. Motoröl und Bremsflüssigkeit sammelte er in einem großen Behälter, den er ein Stück hinter dem Wagen abstellte. Das Benzin will der 32-Jährige mit einer Kraftstoffpumpe in einen Kanister gepumpt und diesen nach draußen vor die Werkstatt gebracht haben.

"Ich wollte die Anhängerkupplung abschrauben, doch das ging nicht", so der Angeklagte. Daraufhin habe er zur Flex gegriffen. "Plötzlich habe ich etwas gerochen und dann den Brand entdeckt." Dieser sei unter dem Auto entstanden. Dort hatte Anton N. eine zwei mal zwei Meter große Lkw-Plane ausgelegt. "Die Halle war neu, ich wollte Dreck vermeiden." Er habe versucht, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu ersticken. "Leider ohne Erfolg." Von einer "schwarzen Rauchwolke am Himmel über Elmshorn" sprach Olaf B. (43), der als einer der ersten Feuerwehrleute vor Ort war. "Die Halle stand im Vollbrand, ein Betreten war nicht mehr möglich." 150 Einsatzkräfte kämpften sieben Stunden gegen die Flammen. "Vor Ort war ein Riesendurcheinander", so Polizist Felix H. (29). Trotz großer Bemühungen habe er nicht klären können, wem Halle und Grundstück gehören.

Das versuchte Zeuge Garik M. (33). Ein litauischer Geschäftsmann habe das Areal von einem Abschleppunternehmer erworben und die Halle bauen lassen. "Wir wollten einen Autoteilehandel aufmachen." Die fast fertige Halle sei ebenso zerstört worden wie zwei Hebebühnen, zwei Gabelstapler, 15 Autos und drei Container mit Autoteilen. "Die Halle war nicht versichert, das wollten wir erst, wenn sie fertig ist." Auch die private Haftpflichtversicherung des Angeklagten hat eine Schadenübernahme abgelehnt. "Das Gelände ist leer. Wir haben fast 250.000 Euro investiert, alles ist weg", so der Zeuge, der Anton N. die Sache aber nicht krumm nimmt. "Die Hauptsache ist doch, dass er sich nicht verletzt hat." Der Prozess wird in der zweiten Juni-Hälfte fortgesetzt.

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