Pinneberg
Klein Nordende

Überfüllte Kästen: Nachbarn finden Post auf Straße

Am 5. Mai abgestempelt, am 9. Mai zugestellt: Burghard Schallhorn ist schon froh, wenn die Briefe überhaupt ankommen

Am 5. Mai abgestempelt, am 9. Mai zugestellt: Burghard Schallhorn ist schon froh, wenn die Briefe überhaupt ankommen

Foto: Anne Dewitz / HA

Weil in Klein Nordende die Lagerplätze der Briefträger voll waren, blieben Karten offen liegen – ein Verstoß gegen das Postgeheimnis.

Klein Nordende.  Was ist nur aus der guten alten Deutschen Post geworden, die täglich verlässlich Briefe zustellte? Das fragt sich Burghard Schalhorn aus Klein Nordende nicht zum ersten Mal. Dass er immer länger auf die Zustellung warten muss, daran hat er sich schon fast gewöhnt. Doch was sich die Zusteller diesmal erlaubt haben, lässt ihn nur noch ungläubig den Kopf schütteln. „Die Post lag offen und für jeden zugänglich herum“, sagt er. Jeder Mensch mache mal Fehler, aber so etwas ginge wirklich nicht. „Das verstößt ganz klar gegen das Post- und Fernmeldegeheimnis.“

Ereignet hatte sich der Vorfall von Freitag auf Sonnabend. Der Zulieferer, der die Briefsendungen zu sogenannten Verteilerkästen in Klein Nordende fährt, hatte sich verspätet. Der Postbote, eine Vertretung, hatte vor Ort zwei Stunden auf den Fahrer gewartet – vergeblich.

Jeder Spaziergänger hätte sich Briefe einstecken können

Als dieser dann endlich am Verteilerkasten ankam, war der Postbote längst weg. Der Fahrer schloss die Post in dem grauen Kasten ein. Das Ergebnis: Am nächsten Tag war der Verteilerkasten bereits voll, als er die tägliche Ladung Briefe und Werbeblätter anlieferte. So stellte er kurzerhand die Post einfach davor. An anderer Stelle ließ er die sonst abgeschlossenen Verteilerkästen offen stehen.

„Nachbarn hatten die achtlos abgestellten Briefe gefunden und fotografiert“, sagt Schalhorn. Als Kreistagspolitiker der Wählergemeinschaft KWGP wollte er es damit nicht auf sich beruhen lassen und machte den Fall öffentlich. „Jeder hätte sich dort bedienen und die Briefe mitnehmen können“, sagt Schalhorn, der selbst auf die Zustellung seiner Ausschussunterlagen gewartet hatte. Er und seine Nachbarn seien entsetzt, wie leichtfertig bei der Deutschen Post mit vertraulichen Informationen umgegangen wird.

Schalhorn versuchte zunächst jemanden bei der Post zu erreichen. Weil er keine Telefonnummer finden konnte, informierte er die Polizei, die sich allerdings nicht in der Verantwortung sah. „Immerhin wurde dann aber die Post abends noch sichergestellt.“ Von wem, das kann er nicht sagen. „Als ich gegen 18 Uhr nachschaute, standen nur noch die leeren gelben Boxen hinter dem Verteilerkasten, und der war abgeschlossen“, so der Kreispolitiker.

Die Post räumt Fehler ein und entschuldigt sich dafür

Schalhorn suchte auch das Gespräch mit dem Postboten, der nur in Vertretung die Briefe auslieferte. „Der konnte die Aufregung gar nicht verstehen und meinte, er habe doch Werbung über die Briefe gelegt zur Tarnung“, sagt Schalhorn. Er weiß um die hohe Arbeitsbelastung der Postboten und sieht die Schuldigen weiter oben. „Die Deutsche Post sollte ihr Personal vernünftig ausbilden und angemessen bezahlen“, sagt Burghard Schalhorn .

Die Deutsche Post räumt den Fehler ein, spricht aber von einem Einzelfall. „Was in Klein Nordende passiert ist, darf nicht sein“, sagt Postsprecher Martin Grundler. Der Zusteller und der Fahrer hätten Fehler gemacht, mit beiden hätte man gesprochen. Beide hätten sich verpasst und die Post offen stehen lassen. „Wir nehmen das sehr ernst und können uns nur dafür entschuldigen“, so Grundler. Auch der Fahrer, der bei einem Subunternehmen beschäftigt ist, sei entsprechend angewiesen gewesen, das Postgeheimnis zu wahren.

Unterdessen ist Schalhorn überaus erfreut, dass sein „alter“ Postbote zurück im Dienst ist. Der sei äußerst zuverlässig, freundlich und fleißig.