Pinneberg
Elmshorn

Geldstrafe für Tod eines Motorradfahrers

Statue Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude (Symbolbild)

Statue Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude (Symbolbild)

Foto: Michael Rauhe

Angeklagter Jan-Philipp K. übersah einen 38-Jährigen an Elmshorner Kreuzung. Der war auf seiner Harley Davidson viel zu schnell.

Elmshorn.  Es war ein Augenblicksversagen mit tragischen Folgen – und es brachte Jan-Philipp K. (26) einen Platz auf der Anklagebank des Amtsgerichts Elmshorn ein. Fahrlässige Tötung warf Staatsanwalt Klaus Dwenger dem Bundeswehrsoldaten aus Klein Offenseth-Sparrieshoop vor. Der 26-Jährige hatte am 17. August 2016 an der Kreuzung Sibirien/Wittenberger Straße mit seinem VW Golf einen Motorradfahrer übersehen, der nach der Kollision verstarb.

„Es tut mir von Herzen leid. Ich kann mir nicht erklären, warum ich ihn nicht gesehen habe“, so der Angeklagte. Er kam gegen 22.30 Uhr von seiner Freundin und wollte die Kreuzung geradeaus in Richtung Sibirien überqueren. Die Ampel war schon aus. „Ich habe an der Stopp-Linie gehalten und nach links gesehen. Dann bin ich ein Stück bis zur Kreuzung vorgefahren und habe nach rechts geguckt. Als ich nichts gesehen habe, bin ich losgefahren.“

Genau zu diesem Zeitpunkt befuhr Sebastian G. mit seiner Harley Davidson die vorfahrtberechtigte Wittenberger Straße – und zwar deutlich zu schnell. Unfallsachverständiger Thomas Hilker errechnete für den Motorradfahrer eine Geschwindigkeit von 105 bis 113 Stundenkilometern. Erlaubt war Tempo 70.

Motorradfahrer hätte den Unfall verhindern können

„Als der Golf in die Kreuzung einfuhr, hat der Motorradfahrer eine massive Bremsung eingeleitet“, so Hilker. Motorrad und Fahrer prallten laut seiner Berechnung mit einer Aufschlaggeschwindigkeit von 85 bis 92 Stundenkilometer auf den viel langsameren VW Golf.

„Plötzlich habe ich einen Lichtstrahl von rechts gesehen, dann hat es laut gescheppert und mein Wagen ist regelrecht abgehoben“, so beschreibt es Jan-Philipp K.. Sein Wagen wurde zur Seite geschleudert, rasierte ein Verkehrsschild ab und prallte gegen einen Ampelmast. „Ich bin dann ausgestiegen und habe ihn dort liegen sehen. Ich versuchte ihn anzusprechen, aber das ging nicht mehr.“

Sebastian G. erlitt schwere Kopfverletzungen und wurde 30 Minuten nach dem Unfall für tot erklärt. „Wäre der Motorradfahrer mit Tempo 70 gefahren, hätte er rechtzeitig sturzfrei zum Stillstand kommen können“, urteilt Unfallsachverständiger Hilker. Für das Opfer sei der Unfall problemlos vermeidbar gewesen, urteilt Hilker. Das gleiche gelte jedoch für den Angeklagten. „Die Straße ist nach rechts bis zu einer Brücke auf 270 Metern einsehbar. Bei sorgfältiger Blickzuwendung hätte er das beleuchtete Motorrad sehen müssen.“

Eine Mitverantwortung seines Mandanten räumte Verteidiger Gerhard Hillebrand ein. Seiner Anregung, das Verfahren wegen geringer Schuld einzustellen oder alternativ eine Geldstrafe zur Bewährung auszusetzen, mochte der Staatsanwalt nicht folgen. „Der Motorradfahrer war ohne weiteres zu sehen. Entweder der Angeklagte hat nicht oder nur flüchtig nach rechts gesehen oder er hat gedacht, dass er es noch vor dem Motorrad über die Kreuzung schafft.“ Opferanwalt Götz Glasenapp, der die Mutter des Motorradfahrers als Nebenkläger vertrat, forderte eine Verurteilung des Angeklagten. „Meiner Mandantin kommt es nicht auf die Höhe der Strafe, sondern auf einen Schuldspruch an.“

Dem folgte Amtsrichterin Renate Päschke-Jensen, die wie vom Staatsanwalt beantragt eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen á 60 Euro verhängte. „Es war ein Augenblicksversagen, wie es jedem mal passiert. Meistens geht es gut, diesmal hatte es tragische Folgen.“ Staatsanwalt und der Angeklagte nahmen das Urteil an.