Pinneberg
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Sieben Menschen bei Hochhausbrand verletzt

Feuerwehrleute stehen vor dem Hochhaus an der Pinneberger Dingstätte. Ein Kellerbrand hielt sie fast sieben Stunden lang in Atem

Feuerwehrleute stehen vor dem Hochhaus an der Pinneberger Dingstätte. Ein Kellerbrand hielt sie fast sieben Stunden lang in Atem

Foto: Feuerwehr / HA

Das Feuer in einem Pinneberger Keller konnte sich wegen einer offenen Schutztür ausbreiten. Wehr fast sieben Stunden im Einsatz.

Pinneberg.  Dichter schwarzer Qualm zog durch das Treppenhaus und drang über die Lüftungsschächte in die Wohnungen ein: Bei einem Hochhausbrand in Pinneberg sind in der Nacht zu Mittwoch sieben Personen verletzt worden, drei kamen ins Krankenhaus. Insgesamt mussten 21 eingesetzte Notärzte und Rettungssanitäter 39 der 72 Hausbewohner mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung behandeln. Die Feuerwehr war die gesamte Nacht über mit einem Großaufgebot vor Ort.

„Das war sehr kräftezehrend, wir waren alle am Limit“, kommentierte Wehrführer Claus Köster den Einsatz. Gegen 22.20 Uhr war das Feuer in dem neunstöckigen Hochhaus an der Dingstätte gemeldet worden. Kurze Zeit später war das erste Polizeifahrzeug vor Ort. „Wir bekamen noch auf der Anfahrt die Meldung, dass es zu einer starken Rauchentwicklung aus dem Gebäude kommt“, so Köster weiter. Das bestätigte sich auch. Köster: „Der Rauch quoll aus dem achten Obergeschoss, sodass wir zunächst von einem Wohnungsbrand ausgingen.“

Tatsächlich jedoch brannte es im Keller des Gebäudes. Die Brandschutztür, die den Keller vom Treppenhaus trennt, stand unglücklicherweise offen und war mit Keilen festgeklemmt. Der Grund war offenbar ein defektes Türschloss. Durch die offene Tür wurde der Brandort mit Sauerstoff versorgt – und es bildete sich ein Kamineffekt, sodass der Rauch ungehindert nach oben abziehen konnte. „Es hat etwas gedauert, bis wir den Brandort lokalisieren konnten“, so der Wehrführer weiter. Im Keller sahen sich die Einsatzkräfte dann mit extremen Bedingungen konfrontiert. „Es herrschte null Sicht und eine immense Hitze, meine Leute mussten unter Atemschutz auf den Knien durch den Keller krabbeln“, so Köster. Das Feuer habe in mehreren Kellerverschlägen gewütet, wo große Mengen an Textilien, Möbeln und Unrat lagerten.

Fluchtwege waren für die Bewohner nicht passierbar

Weil den Bewohnern der Fluchtweg durch das verrauchte Treppenhaus abgeschnitten war, forderte die Feuerwehr per Lautsprecherdurchsagen alle auf, in ihren Wohnungen zu bleiben sowie Türen und Fenster geschlossen zu halten. Jedoch hielten sich viele Bewohner nicht an diese Anweisungen, warteten auf Balkonen oder an offenen Fenstern auf Hilfe.

Nach einer Stunde hatten die Feuerwehrleute den Brand zunächst gelöscht. Es folgte eine Belüftung des Treppenhauses und der Flure. Anschließend bildeten Feuerwehr und Rettungsdienst Einsatzteams, die jede Wohnung kontrollierten und alle Bewohner medizinisch unter die Lupe nahmen. Gegen 1 Uhr war der Einsatz beendet. „Wir waren 20 Minuten in der Wache, als wieder ein Feuer aus dem Hochhaus gemeldet wurde“, erläutert der Wehrführer. Im Keller sei es erneut zu einer starken Rauchentwicklung gekommen. Wieder mussten die Feuerwehrleute unter Atemschutz in den engen Verschlägen arbeiten, den glimmenden Unrat auseinanderziehen und die Brandnester löschen. Diesmal wurde der betroffene Bereich mit Druckluftschaum geflutet, um ein erneutes Aufflammen zu verhindern. Gegen 5.30 Uhr rückten die 53 Feuerwehrleute ein – mit Ausnahme der Brandwache, die bis 10 Uhr vor Ort blieb.

Im Keller entstand erheblicher Gebäudeschaden, auch Teile der Elektrik sind betroffen. Treppenhaus und Flure sind völlig verrußt. Zur genauen Schadenshöhe und der Brandursache konnte die Kripo am Mittwoch noch keine Angaben machen. Eine Brandstiftung wird nicht ausgeschlossen.