Pinneberg
Wedel

Dieser Mann vermietet kultige Retro-Camper

Daniel Hofmann, genannt Hansen, in einem T2, den er derzeit auf Vordermann bringt und dann vermieten wird

Foto: Anna-Lena Oltersdorf / HA

Daniel Hofmann, genannt Hansen, in einem T2, den er derzeit auf Vordermann bringt und dann vermieten wird

Entschleunigung auf vier Rädern: Der "VW Bulli" prägt das Leben des Wedelers Daniel Hofmann. Sowohl privat als auch beruflich.

Wedel.  Dass Daniel Hofmann seinem ersten eigenen Bulli zunächst skeptisch gegenüberstand, kann man sich heute kaum noch vorstellen, wenn man ihn in seiner Werkstatt auf einem Hinterhof im Wedeler Industriegebiet besucht. Auf dem Gelände parken der VW T3 "Hein", der rot lackierte Bus "Klaas" und die große Schwester "Hertha", ein weißer VW LT 35 mit Hochdach – allesamt liebevoll restauriert.

Ursprünglich schwebte dem Oldtimer-Fan, den alle nur "Hansen" nennen, ein Ford Mustang vor. Als Freundin Jenny eines Tages mit der Idee um die Ecke kam, einen alten VW-Bus zu kaufen, war er jedenfalls nicht überzeugt. Modellreihe T2, Baujahr 1978, 50 PS, vier Gänge, blau-weiß lackiert. Vielleicht lag es auch an der Farbe: "Die hat zu sehr an einen Fußballverein in Hamburg erinnert, den ich nicht hundertprozentig unterstütze", sagt der 35-Jährige und lacht.

Der Bus hatte weder ein Aufstelldach, noch anderen Camping-Luxus, dafür fürchterliche Gardinen und nikotingelbe Möbel. Mittlerweile gehört der zur Familie, ist mit "Hansen", Jenny und dem gemeinsamen Hund unterwegs. Der Innenraum ist umgestaltet – die Lackierung geblieben. "Ich könnte sie jetzt nicht mehr ändern, der ist blau-weiß und so bleibt er auch".

Den Anstoß, einen Bulli-Verleih aufzumachen, gibt im Sommer 2014 ein Urlaub in Frankreich. Drei Wochen lang Atlantik-Küste, Sonne und Natur – ein Abenteuer nach Geschmack des Wedelers. Ein befreundetes Pärchen, das den zum Bulli-Liebhaber gewordenen Mann und seine Freundin begleiten will, benötigt einen Miet-Bus.

Doch fündig werden die beiden bei ihrer Internet-Recherche nicht. "Hansen", der bei der Suche unterstützt, wundert sich, wie wenig kundenorientiert die Angebote sind und denkt sich: "Das könnte ich bestimmt besser machen".

Daniel Hofmanns Business-Plan ging überhaupt nicht auf

Die Idee packt ihn, er fängt an, einen Business-Plan zu schreiben, sagt sich: "Ich ziehe das jetzt durch, ab zum Steuerberater". Es folgt ein Sprung ins kalte Wasser: "Um ehrlich zu sein, der Business-Plan ist überhaupt nicht aufgegangen".

Davon lässt sich der heute 35-Jährige aber nicht demotivieren: "Ich sach' mir einfach, dann dauert es halt zwei Jahre länger, bis ich schwarze Zahlen schreibe". Er geht die Dinge an, so wie er selbst ist und auch auf Reisen geht: entspannt und locker.

Ein Fünf-Sterne-Campingplatz? Nicht "Hansens" Ding. Beim Campen Muße fürs Kochen zu finden, hingegen schon. "In der Hinsicht bin ich vielleicht doch ein kleiner Luxus-Camper". Als Vorspeise gibt es trotz der einfachen Küchenausstattung im Bulli in Zitronenwasser gekochte Artischocken mit Aioli-Dip, als Hauptspeise Spaghetti aglio e olio.

Ein Swimming-Pool? Wer braucht den schon, wenn er das Meer direkt vor der Frontscheibe hat. "Wenn ich baden gehe, dann möchte ich in die Wellen vom Atlantik springen und von denen umhergewirbelt werden". Und wenn das Wetter nicht mitspielt? "Es gibt nichts Gemütlicheres als einen Regentag im Bus. Ich komme so selten zum Lesen und ich würde es wahrscheinlich auch beim Campen nicht schaffen, wenn nur die Sonne scheint".

Ein reservierter Stellplatz? Nö. "Ich sach' immer, das wird schon alles gut gehen". So hält "Hansen" es auch beim Bulli-Fahren: "Ich fahr' los und ich lass mich nicht stressen. Wenn du eine Woche im Bulli unterwegs bist, merkst du schon die Entschleunigung. Man ist einfach ein bisschen gelassener und geerdeter." "Hansen" sagt von sich selbst, er könne nur seine eigene Einstellung verändern, nicht die äußeren Einflüsse. "Ich habe keine Lust, mich über irgendetwas aufzuregen, was es einfach nicht wert ist, Energie zu verschwenden".

Dass man es schaffen kann, das "Lebensgefühl Bulli" in den Alltag zu übertragen – und in den Beruf –, dafür ist seine Geschichte der Beweis. Nach der Schule studiert er zunächst BWL, merkt schon während des Studiums, dass es nicht zu ihm passt. Durchgezogen hat er das Studium trotzdem, fängt dann an, in einer jungen Agentur als Unternehmensberater zu arbeiten.

Je größer die Agentur wurde, desto starrer wurden die Strukturen. "Es ging immer nur ums Geld, immer nur um den eigenen Vorteil". Er spürt: "Ich brauche ein Projekt" mit klarem Start- und Endpunkt, bei dem es um mehr geht als um Profit.

Er beginnt, sich im Projektmanagement zu bewerben, doch die Vorstellungsgespräche scheitern daran, dass er nicht bereit ist, für den neuen Job aus der Heimat Wedel wegzuziehen: "Ich bin hier verwurzelt, meine Familie ist hier, meine Freunde". An einmal eingegangen Bindungen hält "Hansen" fest – nicht nur beim Kauf seines ersten eigenen Bullis. Als bei ihm ein Hirntumor festgestellt wird, der sich glücklicherweise als gutartig erweisen sollte, denkt er: "Hätte auch ein bösartiger sein können". Kurze Zeit darauf stirbt plötzlich der Vater eines guten Freundes. Er sieht, wie schnell es gehen kann und zieht seine Konsequenzen: "Ich habe gut verdient, aber mir ist es wichtiger, mal Freitagmittag sagen zu können 'Jetzt treffe ich mich mit meinen Freunden, wir grillen und genießen einfach das Leben', anstatt die Sicherheit auf dem Bankkonto zu haben."

AufBulli-Urlaub muss der Gründer verzichten

Auch durch weitere Einschränkungen, die die Selbstständigkeit mit sich bringt, lässt sich "Hansen" nicht von seinem Projekt abbringen: "Gerade in der Hauptsaison, wenn man selber Bulli-Urlaub machen möchte, muss ich arbeiten", berichtet er. Aber er nimmt es, wie es kommt. "Ich glaube, bei jeder Selbstständigkeit ist es so, dass man in den Anfangsjahren irgendwelche Einschränkungen hinnehmen muss und das muss ich jetzt nun mal auch machen". In diesem Jahr verzichtet Daniel sogar komplett auf seinen Bulli-Urlaub. "Ist halt so", sagt er dazu nur.

Umso mehr freue er sich, wenn die Leute mit einem strahlenden Gesicht zurückkommen, von ihrem Urlaub erzählen und seine Wagen, die er zu Preisen ab 75 Euro pro Nacht vermietet, gar nicht zurückgeben wollen. Dann wisse er, wofür er gearbeitet hat und spüre, dass er auf dem richtigen Weg ist.

Wo dieser Weg hinführen wird? Weitreichende Zukunftspläne sind nicht sein Ding. Der Bulli-Fan hat es "spontan am liebsten", geht eins nach dem anderen an. Als nächstes kommt der Umzug in eine neue Halle, in der er endlich genug Platz zum Schrauben haben wird. Sie befindet sich noch im Bau. Derzeit muss noch ein Schuppen dafür herhalten.

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