Pinneberg
Kreis Pinneberg

Gewerbliche Großanleger müssen Strafzinsen zahlen

Die Vorstandsmitglieder der Sparkasse Südholstein, (v. l.) Martin Deertz, Andreas Fohrmann und Eduard Schlet, sind zufrieden mit dem Geschäft im Jahr 2016

Die Vorstandsmitglieder der Sparkasse Südholstein, (v. l.) Martin Deertz, Andreas Fohrmann und Eduard Schlet, sind zufrieden mit dem Geschäft im Jahr 2016

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Die Sparkasse Südholstein nimmt seit Anfang 2017 ab 500.000 Euro Vermögen 0,4 Prozent. Vorstand sagt: „Wir sind raus aus der Krise“.

Kreis Pinneberg.  Die anhaltende Niedrigzinsphase macht auch der Sparkasse Südholstein das Geldverdienen schwer. Gerwerbliche Großanleger müssen seit Anfang des Jahres Strafzinsen auf ihr Vermögen zahlen, wie Vorstand Martin Deertz sagt. Der Satz liege bei 0,4 Prozent ab einem Betrag von einer halben Million Euro. „Das betrifft mehr als 100 Personen. Wir sprechen aber vorher mit den betroffenen Kunden darüber. Die erwarten das auch“, so Deertz. Dies mache die Sparkasse vor allem, „um die Sparer zu schützen, die so lange wie möglich keine Negativzinsen zahlen“ sollten.

Und: Die Sparkasse hat an der Schraube der Kontoführungsgebühren gedreht. Diese hätten sich, je nach Modell, um 90 Cent bis zwei Euro auf bis zu 9,50 Euro im Monat verteuert, so der Vorstandsvorsitzende Andreas Fohrmann bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag.

Für Normalverdiener plant das Kreditinstitut bis auf Weiteres keine sogenannten Negativzinsen. Auch müssten die Kunden keine Gebühren fürs Geldabheben zahlen, wie sie etliche andere Sparkassen auch in Schleswig-Holstein eingeführt haben, versichert Fohrmann. Und fügt zufrieden hinzu: „Wir sind raus aus der Krise und wieder eine ganz normale Sparkasse.“

Massiv Personal abgebaut und Filialen geschlossen

Im dritten Jahr in Folge konnte die ehemals größte Sparkasse des Landes, die 2009 und 2014 mit rund 160 Millionen Euro vom Giroverband und der Haspa-Holding gestützt werden musste, wieder einen Gewinn (34,3 Millionen Euro) erwirtschaften. „Wir haben jetzt in drei Jahren unser Eigenkapital um 60 Millionen auf 480 Millionen Euro erhöht“, sagt Fohrmann. „Die Krise ist beendet.“ Das Kreditinstitut werde sogar versuchen, einen Großteil der noch etwa 100 Millionen Euro Stützungsgeld, das zum Teil ohnehin 2019 ausläuft, vorzeitig zurückzuzahlen.

Auch die vier Gewährsträger der Sparkasse, die Kreise Pinneberg und Segeberg sowie die Städte Uetersen und Neumünster, könnten sich auf
4,5 Millionen Euro Steuern freuen. Bis 2015 führte die Sparkasse jahrelang keine Steuern an die Kommunen ab. Das Kreditinstitut war unter dem damaligen Vorstandschef Mario Porten vor allem wegen notleidender Kredite ins Straucheln geraten. Porten musste 2009 gehen. Auch unter seinem Nachfolger Ralph Schmieder konnte das notwendige Eigenkapital nur mit fremder Hilfe erreicht werden. Seit Fohrmann 2014 das Ruder übernommen hat, geht es geschäftlich wieder aufwärts.

Allerdings ist das nur mit einem erheblichen personellen Aderlass gelungen: 200 Arbeitsplätze seien in seiner Amtszeit abgebaut und elf Filialen geschlossen worden, sagt Fohrmann.
Auf diese Weise konnte das Kosten-Einkommen-Verhältnis von 0,9 auf 0,7 verbessert werden. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen rund 900 Mitarbeiter und 66 Auszubildende. Das sind
50 Stellen weniger als noch vor einem Jahr. Bei der Fusion der beiden Kreissparkassen Pinneberg und Segeberg vor 15 Jahren waren es noch 400 Mitarbeiter mehr. Die Zahl der Geschäftsstellen wurde seitdem von 51 auf 36 Filialen abgebaut.

Aktueller Wachstumsmotor sei das Onlinebanking, führt Fohrmann aus. 70.000 Kunden würden ihre Bankgeschäfte inzwischen online erledigen. 2200 Produkte seien über das Internet verkauft worden. Und das Personal in der erst vor einem Jahr geschaffenen Online-Filiale musste bereits auf vier Mitarbeiter verdoppelt werden, weil monatlich 700 Kunden diese Beratungsmöglichkeit per Videochat wünschten, bei der sie nicht extra in die Filiale kommen müssen – und die montags bis sonnabends 65 Stunden pro Woche geöffnet ist. Fohrmann: „Diese Videoberatung hat wunderbar eingeschlagen.“

Das Kreditgeschäft kurbelten vor allem die Baufinanzierungen an. Fohrmann: „Wir haben voriges Jahr 1600 Familien auf dem Weg in die eigenen vier Wände begleitet und ihnen in 190 Fällen auch gleich noch eine Immobilie vermittelt.“