Pinneberg
Bokholt-Hanredder

Bei ihnen ist die Jagd Familienangelegenheit

Foto: Mirjam Rüscher / HA

Susanne und Jens Hackländer teilen mit ihren Töchtern die gleiche Leidenschaft. Ihre Revierpacht bedeutet auch große Verantwortung.

Bokholt-Hanredder.  Bei Mondlicht nachts allein auf dem Hochsitz – das macht Susanne Hackländer keine Angst. Sicher, in sehr finsteren Nächten sei es schon etwas unheimlich, einmal hat ein Dachs, der im Gebüsch raschelte, sie ganz fürchterlich erschreckt. "Aber eigentlich habe ich mehr Angst vor Menschen, wenn ich zum Auto gehe, als vor den Tieren", sagt Susanne Hackländer. Sie ist Jägerin. Viele Nächte im Jahr verbringt sie draußen. Stunden über Stunden liegt sie auf der Lauer und wartet. Jagen ist ein Geduldsspiel. Erst wenn alle Bedingungen passen, gibt Susanne Hackländer ihren Schuss ab. "Das Tier hat keine Angst in dem Moment, es muss nicht leiden. Wenn der Knall kommt, bricht es tot zusammen", sagt die 48-Jährige aus Bokholt-Hanredder.

Die richtige Arbeit beginnt erst nach dem Warten, nach dem Schuss. Dann muss das Tier geborgen und zerlegt werden. Da ist Susanne Hackländer froh, wenn ihr Mann Jens hilft. "Das würde ich allein kaum hinbekommen", sagt sie.

Die beiden jagen bereits seit 18 Jahren gemeinsam in dem Revier, das sie in der Nähe von Eutin gepachtet haben. Das bedeutet für das Paar viel Arbeit. Die 340 Hektar müssen regelmäßig kontrolliert, Zäune müssen aufgestellt werden, Wildschäden im Revier müssen sie als Pächter bezahlen. Dass sie sich ein Revier so weit weg von zu Hause gesucht haben, lag an den Tieren. "Im Kreis Pinneberg gab es vor 20 Jahren kein Rot- und kein Schwarzwild", sagt Jens Hackländer.

Die Töchter haben sich von der Begeisterung anstecken lassen

Mittlerweile haben die Hackländers ihr Revier einfach liebgewonnen. Außerdem sind die Jagdausflüge längst eine Familienangelegenheit geworden. Ihre beiden Töchter Julia und Deborah fahren immer mit nach Ostholstein, die Familie verbringt dort gemeinsam die Wochenenden und auch Teile der Ferien. Kein Wunder, dass die beiden Mädchen sich vom Jagdfieber haben anstecken lassen. Die 17-jährige Julia hat ihren Jungjäger-Jagdschein bereits in der Tasche, ihre 14-jährige Schwester bereitet sich gerade darauf vor. "Wenn wir unseren Freunden erklären, warum die Jagd nötig ist, verstehen es eigentlich alle. Viele haben uns schon gefragt, ob sie mal mit dürfen. Und die Jungs finden das ohnehin cool", sagt Julia. Im vergangenen Jahr hat sie ihren ersten Rehbock erlegt.

Jens Hackländer ist sichtlich stolz, dass seine Töchter Jägerinnen werden. "Manche Jagdfreunde fragen mich, wie ich das geschafft habe. Die können ihre Söhne dafür nicht begeistern", sagt der 63-Jährige. Frauen, die auf die Jagd gehen – ungewöhnlich findet die Familie das nicht. Es gebe immer mehr weibliche Jäger auch im Kreis Pinneberg. Julia und Deborah sieht man ihre Begeisterung an. Wenn sie über die Jagd sprechen, wird gleich das dicke Handbuch aus dem Regal geholt. "Für einen Jagdschein muss man unglaublich viel lernen. Man nennt den Schein auch das grüne Abitur", erzählt Deborah.

Dass Jagd mehr als Schießen bedeutet, ist den beiden früh klar geworden. Als Pächter des Reviers sind ihre Eltern verpflichtet, den Abschussplan für Damwild zu erfüllen. Um einer Seuchenausbreitung vorzubeugen und Schäden im Revier zu minimieren, müssen Wildschweine regelmäßig geschossen werden. Ausreden gibt es nicht.
"Es ist eine verdammte Verpflichtung, auch gerade im Winter, das ist häufig sehr ungemütlich. Da hilft nur warm einpacken", sagt Susanne Hackländer.

Jagen bedeute Verantwortung. "Eine Lizenz zum Töten bedeutet auch eine Lizenz zum Lebenlassen", sagt Susanne Hackländer. Alles sei streng reguliert, es werde nicht einfach alles geschossen. Manchmal sei der Schuss für die Tiere eine Erlösung. Und manchmal bietet sich der Jägerin so ein bewegender Anblick, dass sie nicht abdrückt, sondern den Moment verstreichen lässt.

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