Pinneberg
Projekt

Fitnessgärtner wollen in Pinneberg ackern

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Hamburger Projekt Green Gym soll zunächst im Rosengarten verwirklicht werden. Stadt könnte auf Sicht bei der Grünpflege Geld sparen.

Pinneberg.  Nobert Nähr mag die Natur. Und er liebt Sport. Für den Stadtplaner, der Kung Fu praktiziert, passt das prima zusammen. Vor zwei Jahren hob er in Hamburg das Projekt Green Gym aus der Taufe, das seitdem sprichwörtlich floriert. Das Prinzip kommt aus England – und ist denkbar einfach: Menschen mit Lust am Gärtnern treffen sich in öffentlichen Parks, um zu graben, zu pflanzen – und nebenbei gemeinsam an der frischen Luft etwas Gymnastik zu betreiben.

„Es gibt viele Menschen mit dem Bedürfnis, anzupacken und etwas für die Allgemeinheit zu tun“, ist Nähr überzeugt. Teilhabe sei Kern des Projekts. Dass es läuft, hat Green Gym in der Hansestadt bewiesen. Dort werden gleich mehrere Parks von den Fitnessgärtnern gepflegt. Nette Begleiterscheinung: Die Stadt muss weniger Geld in die Grünpflege investieren. Da verwundert es kaum, dass etwa das Bezirksamt Mitte die Fitnessgärtner unterstützt.

Ortstermin in einem alten Kaufmannshaus im Hamburger Oberhafenquartier. Aus dem Fenster schweift der Blick über Hafen und City. Hier hat Norbert Nähr sein Büro. Superurban heißt seine Marketingagentur, die sich auf den Spielfeldern Stadtentwicklung, Immobilien und Infrastruktur tummelt. Das Projekt Green Gym leistet der 50-Jährige sich nebenbei. Es ist nur ein Aspekt der Arbeit des von ihm gegründeten Vereins Heilende Stadt, der Lebensqualität im urbanen Raum steigern will – und dabei auf Gemeinschaft in der Natur setzt. Einer Natur, die zuweilen gesucht werden muss. Das gilt auch für Pinnebergs Rosengarten, das Kleinod am Fahltrand, das immer noch weniger Beachtung erfährt, als es verdient.

Eine Ortsbegehung gab es im Rosengarten bereits

Hier will Nähr seine Fitnessgärtner einsetzen. Ein entsprechender Antrag liegt der Pinneberger Stadtverwaltung bereits vor. Eine Ortsbegehung mit Vertretern des Bauamts gab es ebenfalls schon. Die Voraussetzungen seien gut, etwa weil es öffentliche Sanitäranlagen gibt. Stimmt die Politik zu, wird Green Gym 2017 mit 13.000 Euro gefördert, im Jahr darauf mit 10.856 Euro. „Das sind Sachkosten, eine Grundausstattung muss angeschafft werden“, sagt Nähr. Zudem müssten Trainer gebucht werden. Später solle sich das aufs Ehrenamt setzende Projekt ohne öffentliches Geld tragen. Und auf weitere Grünflächen ausgeweitet werden.

Nähr ist wichtig, dass in Pinneberg niemandem ins Handwerk gepfuscht wird. Er hat nur einen Randbereich des historischen Rosengartens als Green-Gym-Spielwiese ausgeguckt. Und Nähr hofft auf enge Kooperation mit dem Verein der Rosenfreunde in Pinneberg, von dem die Fitnessgärtner viel lernen könnten. Auch Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, etwa dem Roten Kreuz oder dem Klinikum, kann sich der 50-Jährige gut vorstellen. Vernetzung sei eine wichtige Zutat fürs Gelingen.

Und wie läuft das Fitnessgärtnern so ab? „Zunächst steht eine gemeinsame Aufwärmrunde auf dem Programm“, antwortet Nähr. Anschließend folge der so genannte Tool-Talk, eine Vorbesprechung, in der sich jeder sein Projekt wähle. Nach einer Stunde Gärtnern dann ein gemeinsames Picknick, anschließend werde erneut geackert. Schlussendlich stehe eine Stretchingeinheit an. In Hamburg variiere die Größe der Green-Gym-Gruppen stark, 15 Gärtner stünden gern mal in den Beeten. Aktuell seien sie in Hamburg im Öjendorfer Park, im Wandsbeker Mühlenaupark und in einem Bahrenfelder Park aktiv. Für Nähr ist Green Gym auch ein soziales Projekt: „Es kommen Menschen zusammen.“

Die Saison der Fitnessgärtner geht von April bis September. Ziel ist es, noch in diesem Frühsommer zu starten – mit einer Auftaktveranstaltung im Rosengarten Mitte Mai. Laut Nähr geht die Idee, Green Gym nach Schleswig-Holstein zu tragen, auf die Anfrage einer für Pinneberg arbeitenden Landschaftsarchitektin zurück.

Die Politiker beraten am Donnerstag, 23. März, über den Antrag des Vereins Heilende Stadt. Norbert Nähr wird sein Projekt dann selbst vorstellen. Als möglicher Kooperationspartner wird der Regionalpark Wedeler Au ebenso genannt wie der Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland. Auch Wohnungsbaugesellschaften hat Bürgermeisterin Urte Steinberg als mögliche Partner im Auge. Für Norbert Nähr wäre das kein Neuland – in Hamburg hat er die Saga im Boot.