Pinneberg
Stadtentwicklung

Pinneberg nimmt Kurs auf 50.000 Einwohner

So soll es auf dem Ilo-Gelände an Pinnebergs Bahnhof aussehen

So soll es auf dem Ilo-Gelände an Pinnebergs Bahnhof aussehen

Foto: Moka_studio / HA

Deutliches Wachstum seit der Jahrtausendwende – und es geht weiter. Ab 2018 auch an der Bahnlinie ein neuer Stadtteil entstehen.

Pinneberg.  In Pinneberg wird gebaut. Viel. Und schnell. Ein Blick aufs Areal der ehemaligen Eggerstedt-Kaserne spricht Bände. Dort entsteht in rasantem Tempo ein neuer Stadtteil mit 250 Wohneinheiten. Viele der Stadtvillen sind bereits bezogen. Das gilt auch für einige der 119 Wohnungen, die der Rendsburger Investor Michael Demandt für rund 20 Millionen Euro auf dem früheren Kreishausareal an der Lindenstraße hochzieht. Damit nicht genug: In Pinneberg wird fleißig weitergeplant.

So soll ab 2018 auch an der Bahnlinie ein neuer Stadtteil entstehen. Die Verträge für das so genannte Mühlenauquartier wurden kürzlich unterzeichnet. Ein weiterer Schluck aus der Pulle. Und zwar ein kräftiger: 360 Wohnungen plant der Hamburger Investor Matrix. Dass Pinneberg seit dem Jahrtausendwechsel auf Wachstumskurs ist, belegt eine Statistik aus dem Rathaus.

Die Zahlen: Lebten im Jahr 2000 noch 41.408 Menschen in der Stadt, werden aktuell bereits 44.393 Einwohner gezählt. Einen großen Sprung hatte es Anfang des neuen Jahrtausends gegeben, als das Neubaugebiet Rosenfeld ausgewiesen wurde. Stagnierte der Bevölkerungszuwachs zwischen 2007 und 2013, geht es inzwischen wieder in Richtung der magischen 50.000er-Marke.

Neben der anstehenden Bebauung des bis 1990 von den Ilo-Motorenwerken genutztem Geländes, auf dem das Mühlenauquartier hochgezogen wird, gibt es mit dem Rehmenfeld eine weitere Potenzialfläche, deren Entwicklung seit Jahren ins Auge gefasst wird. Die Planungen für einen Mix aus Wohnen und Gewerbe laufen. 49 Hektar Fläche stehen zwischen Fahlt und Thesdorf zur Verfügung. In Rellingen schaut man ganz genau hin, denn ein weiteres Großprojekt der Pinneberger könnte dem nicht weit entfernten Ortskern der Nachbargemeinde jede Menge Verkehr bescheren.

Pinneberg ist Kreisstadt. Die größte Stadt im Kreis ist jedoch immer noch Elmshorn mit rund 51.000 Einwohnern. Die Frage, ob diese Position mittelfristig angegriffen werden soll, lässt die Pinneberger Bürgermeisterin kalt: „Eine steigende Einwohnerzahl und damit Quantität steht für mich absolut im Hintergrund. Mein Ziel ist, Pinneberg als qualitativ hochwertige Stadt erlebbar zu machen“, sagt Urte Steinberg. Sanierte Schulen, bedarfsgerechtes Wohnen, adäquate Straßen, neue lukrative und rentable Firmen sowie ein städtisches Kulturzentrum und bürgergerechte Sportstätten stünden in ihrem Fokus. „Frei nach dem Motto: Qualität vor Quantität oder bürgergerechte Angebote in allen Bereichen und Pinneberg als attraktivste Stadt im Westen von Hamburg“, ergänzt eine selbstbewusste Rathauschefin.

Nicht zu bestreiten ist, dass in Pinneberg auch in die Infrastruktur investiert wird. Ein neuer Busbahnhof wird bereits gebaut. Der marode und nicht behindertengerechte Bahnhof soll für 3,7 Millionen Euro umgestaltet werden. Auch die Westumgehung wächst – eine 30 Millionen Euro teure Straße, die die City entlasten und neue Firmen in die Stadt locken soll. Apropos Gewerbe: Auch auf diesem Feld hat die Stadt in den vergangenen Jahren zugelegt, wie aus dem Abendblatt vorliegenden Zahlen hervorgeht. Waren 2006 nur 2686 Betriebe in der Stadt gemeldet, zählt man im Rathaus nunmehr 3184 Unternehmen. Wachstum, das anhalten soll: Die Politik hat bereits die Erweiterung des Gewerbegebiets Gehrstücken an der A 23 auf den Weg gebracht, auf rund 16 Hektar, die bislang landwirtschaftlich genutzt wurden, könnten Firmen ein Zuhause finden. Auch an der Müssentwiete im Norden ist noch viel Platz.

Pinneberg wächst. Doch es gibt auch Kritiker. Vor allem die Grünen werden nicht müde, zusätzliche Versiegelung zu hinterfragen – und angebliche Bauwut zu geißeln. „Wir haben die Einwohnerzahl von 43.000 als strategisches Ziel festgeschrieben“, sagt Fraktionschef Joachim Dreher. „Daran sollten wir festhalten, wir verzetteln uns.“ Vor allem die Tatsache, dass die Stadt auf Infrastrukturkosten sitzen bleibt, ist Dreher ein Dorn im Auge. Er verweist darauf, dass es Pinneberg schon heute nicht schafft, seine Schulen instand zu halten. „Wir können nicht immer nur größer werden“, fordert er Augenmaß.