Pinneberg
Serie Steinalt

Aus der Räucherkate wurde ein Alterssitz

Hilde und Willi Möller: Das Ehepaar lebt seit 15 Jahren in der ältesten Kate von Heede an der Hoffnunger Chaussee

Hilde und Willi Möller: Das Ehepaar lebt seit 15 Jahren in der ältesten Kate von Heede an der Hoffnunger Chaussee

Foto: Sarah Stolten

In der unserer Serie stellen wir die ältesten Gebäude der Kommunen vor. Heute: Heedes alte Kate, die 1710 erbaut wurde.

Heede.  Hilde Möller kann sich noch genau an den Geruch in der alten Kate ihrer Großmutter erinnern. Rauch, Rauch, Rauch – das ist alles, wonach ihre Klamotten nach einem Besuch rochen. „Man kann sich schwer vorstellen, wie wir gestunken haben“, sagt Hilde Möller. „Na, warst du wieder bei Oma?“, wurde die heute 77-Jährige immer gefragt. „Jeder wusste genau, von wo wir gekommen sind.“ Gestört hat das die junge Deern damals nicht. „Viele kamen ja damals vom Bauernhof, da rochen alle etwas komisch“, erzählt sie.

Die junge Hilde ist immer gern zu Großmutter in die Räucherkate gegangen. Sie ist in dem historischen Gebäude von 1710 quasi aufgewachsen. Es ist Heedes ältestes Haus. „Oma hat viel mit uns Enkelkinder gemacht“, sagt Möller. Und schließlich war es damals selbstverständlich, dass die Enkel, als sie größer wurden, der Oma bei der Arbeit halfen. „Sie wurde ja auch nicht jünger.“

Die Arbeit in der Räucherkate war nicht ohne. „Oma war sehr pingelig“, sagt die 77-Jährige. „Meine Großmutter war im Dorf bekannt für ihre Räuchersachen.“ Die Heeder kamen in die Hoffnunger Chaussee und brachten ihr Fleisch zum Räuchern vorbei. Es waren so viele, dass die Oma Namensschilder an das jeweilige Räucherstück hängen musste, erinnert sich Hilde Möller. Schinken und Mettwurst hingen in der Diele zur Haltbarmachung, und im zweiten Vorgang wurde das Fleisch dann eine Etage höher gelegt, direkt unter das Reetdach.

Möllers Großvater hat im Wald gearbeitet. „Oma hat sich mit dem Räuchern was dazu verdient“, so die heutige Eigentümerin des alten Hauses. Die Familie konnte sich immer selbst mit Lebensmittel versorgen. Auf der einen Seite der Diele standen Kühe, auf der anderen Schweine. „Hier hat keiner gehungert“, sagt Möller. „Man hatte nicht viel, aber immer etwas.“ Zu Kriegszeiten kamen die Leute aus der Stadt und tauschten ihre Uhren gegen ein Stück Fleisch, erinnert sich Hildes Ehemann Willi Möller.

Trotzdem gab es damals am Essenstisch kein Erbarmen. „Nichts mit Teller oder so, da wurde der Topf auf ein Dreifuß gestellt und los“, sagt die Seniorin. „Jeder aß so schnell er konnte, sonst war alles weg, und man hat nichts mehr abbekommen.“ Und was auf den Tisch kam, wurde auch gegessen. „Da wurde nicht groß diskutiert.“

Seit gut 35 Jahren gehört Hilde Möller und ihrem Mann Willi die Räucherkate. Doch erst seit 15 Jahren lebt das Ehepaar dort. Nachdem die Großeltern verstorben waren, zog erst einmal ein Nachbar in die Räucherkate ein. „Wir hatten unser eigenes Haus in Voßloch, für uns kam es zu der Zeit, nicht in Frage nach Heede zu ziehen.“

Der Nachbar begann damit, das Haus umzubauen. Geräuchert wurde in der Kate nicht mehr. Eine Stube wurde mit einem Fußboden ausgelegt, die Diele blieb so wie sie war. Wenig später zog der Nachbar wieder aus, und Möllers Sohn Rolf übernahm die Nachfolge. Dann hat Familie Möller selbst Hand angelegt und das Haus auf den neuesten Stand gebracht. „Das hat gut zehn Jahre gedauert“, so Willi Möller. Als alles schick war, tauschte das Ehepaar mit dem Sohn die Häuser. „Mein Sohn wollte nicht in Heede sesshaft werden, weil er in Voßloch bei der Feuerwehr war“, sagt die Seniorin. Jetzt verbringt Hilde Möller wieder ihre Zeit in der alten Räucherkate.

Alte Bauweise des Hauses bewährt sich noch heute

Das historische Bauwerk ist sogar seniorengerecht. Zur Freude der Möllers. „Es ist super für das Alter“, sagt die Eigentümerin. „Wir wohnen im Erdgeschoss, hier spielt sich das Leben ab. Man kann auf den Boden gehen, muss aber nicht.“ Auch Willi Möller gefällt das Leben in seiner historischen Kate. Die alte Bauweise des Hauses bewährt sich heute noch. Dank des Daches sei die Temperatur im Haus immer genau richtig. „Es ist nicht schlecht unter so einem Strohdach“, sagt Willi Möller. „Im Sommer ist es kühl hier drin, und im Winter ist es gut isoliert.“

Mit 28 Jahren lernte Willi Möller seine Hilde im Voßlocher Tanzlokal „Grüner Wald“ kennen. Damals kamen sogar Leute aus Hamburg zum Tanzen dort hin. „Das war was hier im Dorf“, sagt er. Zum Glück war seine Hilde auch dort – sonst würde Willi Möller die Vorzüge des ältesten Gebäudes von Heede heute wohl nicht genießen können.