Pinneberg
Kultur

Spielfreude pur in der Uetersener Stadthalle

Die Alabama Hot Six mit Gunnar Thielemann (l.) und Jörg Hohmann

Die Alabama Hot Six mit Gunnar Thielemann (l.) und Jörg Hohmann

Foto: Elvira Nickmann / HA

Kritik der Woche: Formationen Alabama Hot Six und Matthias Schlechter/Jochen Reich begeistern das Publikum bei „Dixie meets Boogie“.

Uetersen.  Ohne großes Hallo kommen die Musiker der Dixieland-Kapelle Alabama Hot Six als Erste am Sonnabend auf die Bühne der Kleinen Stadthalle in Uetersen. Sie beginnen sofort mit ihrer Erkennungsmelodie, die „Undecided“ betitelt ist. Erster Applaus brandet auf, als Horst Pantel sein Solo auf dem Banjo spielt. Die Halle ist mit etwa 150 Zuschauern gut besetzt – kein Wunder, sind die Konzerte der Reihe „Dixie meets Boogie“ in ihrem fünften Jahr inzwischen ein Selbstgänger.

Das liegt nicht allein daran, dass hier zwei unterschiedliche Musikrichtungen aufeinander treffen, sondern auch an der Kombination zweier Musikergenerationen. Im Wechsel mit den Alabama Hot Six stehen der Hamburger Boogie Man Matthias Schlechter und Schlagzeuger Jochen Reich auf der Bühne. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern fordert auch die Zuschauer, sich immer wieder neu einzustimmen und einzulassen.

Dass sowohl Publikum als auch Musiker davon profitieren, zeigt die gute Stimmung im Saal genauso wie die offensichtliche Spielfreude der Künstler. So gesellt sich zum schwungvollen und routinierten Auftritt der Alabamas das fingerflinke und sich bis in virtuose Höhen aufschwingende Pianospiel Matthias Schlechters, der Drummer Jochen Reich trotzdem genügend Raum lässt, seine eigenen Akzente zu setzen.

„Das gemeinsame künstlerische Wirken mit den Alabama Hot Six ist dadurch geprägt, dass unsere Musikrichtungen sehr viele Parallelen aufweisen“, erklärt Schlechter dazu. Auf beiden Seiten stehe die Liebe zur Musik im Vordergrund, die trotz der Anzahl der Auftritte und Musikerdienstjahre nicht zur Routine geworden sei.

Das zeigt sich auch immer wieder beim hingebungsvollen Zusammenspiel von Alabama-Trompeter und Bandleader Gunnar Thielemann und Posaunist Jörg Hohmann. Bei dem Titel „That’s a Plenty“ beeindrucken besonders die mitreißenden Bläserpassagen. Die Sechs-Mann-Kapelle legt Wert darauf, viele gesetzte Teile in die Stücke einzubauen und sie durch Riffs, Intros und Breaks anzureichern. Soli geben jedem Bandmitglied die Möglichkeit, sein eigenes Profil zu Gehör zu bringen.

Das Duo Schlechter/Reich spielt auch längere Stücke, die teilweise ineinander übergehen, darunter Gospel, Blues oder Jazz. Improvisation macht einen bedeutenden Part seines Auftritts aus und zeigt, wie gut die Musiker aufeinander abgestimmt sind und wie perfekt sie sich die Einsätze zuspielen. Dabei bebt die Bühne, wackelt das Piano, spielt Schlechter sich tatsächlich die Finger blutig, wie er selbst überrascht feststellt.

So viel Einsatz von allen Seiten findet einen krönenden Abschluss in der Session, zu der sich alle acht Musiker zuletzt zusammenfinden. Ein lohnender Abend, dessen Konzept absolut überzeugt.

Nächster Auftritt der Alabama Hot Six: Freitag, 24. März, Sellhorns Gasthof, Dorfstraße 118, Tangstedt, Info/Reservierung unter 04101/373 70