Pinneberg
Wedel

Einigung: Kraftwerks-Ausstoß wird untersucht

Das Heizkraftwerk Wedel von Osten aus gesehen. Im Wohngebiet dahinter regnet es oft Partikel

Das Heizkraftwerk Wedel von Osten aus gesehen. Im Wohngebiet dahinter regnet es oft Partikel

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Die Bürgerinitiative und das Land verständigen sich auf Messungen am Kraftwerk Wedel. Doch viele Fragen sind noch offen.

Wedel.  Der Partikelregen, der seit einiger Zeit mit einer gewissen Regelmäßigkeit über der Nachbarschaft des Kohlekraftwerks in Wedel niedergeht, kommt auf den Prüfstand. Geplant ist, vier Messpunkte einzurichten, die im 14-täglichen Rhythmus kontrolliert werden – und das ein Jahr lang. Etwaiger Auswurf aus dem Schornstein soll auf Schadstoffe hin untersucht werden. Auf dieses Vorgehen haben sich nun Vertreter der Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk in Wedel“, des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sowie des Kraftwerksbetreibers Vattenfall an einem Tisch mit Umweltminister Robert Habeck (Grüne) geeinigt.

Diese Verständigung ist ein Meilenstein in der Aufarbeitung des Partikelniederschlags, denn das Verhältnis zwischen BI und LLUR gilt seit Längerem als äußerst angespannt: Die Kraftwerksnachbarn werfen der Aufsichtsbehörde einen allzu laxen Umgang mit dem aus ihrer Sicht bestehenden Problem vor. Ist der Auswurf aus dem Schlot, der auch schon Autolack und Fensterscheiben beschädigt hat, ätzend? Kann er womöglich sogar gesundheitsschädlich sein? Auf derlei drängende Fragen haben die Anwohner bislang keine Antworten erhalten, die sie befriedigt hätten.

Das könnte sich nun ändern, wenn es eine „gemeinsam akzeptierte Basis“ gibt, wie Umweltministeriumssprecherin Nicola Kabel es nennt. Sie sagt: „Wichtig ist, dass das Vorgehen von allen gemeinsam getragen wird.“ Petra Kärgel (Grüne), Wedeler Ratsfrau und beim Gespräch in Kiel mit dabei, formuliert es folgendermaßen: „Es soll so gearbeitet werden, dass Gutachten nicht mehr infrage gestellt werden können. Am Ende werden die Ergebnisse dann zeigen, ob wir sorgenfrei am Kraftwerk leben können, oder ob es das Aus für die Anlage bedeutet.“

So weit das Grundsätzliche. Nun geht es an die Details. Zunächst müsse ein „Untersuchungsdesign“ entworfen werden, wie es Ministeriumssprecherin Kabel formuliert. Konkret heißt das: Welches sind überhaupt die Stoffe, auf die der Partikelniederschlag untersucht werden soll – und auf die sich alle Beteiligten einigen können? Der für die BI tätige Gutachter Christian Tebert spricht sich für Arsen, Chrom, Cadmium, Kobalt, Nickel, Blei und Vanadium aus. Als Prüfungsgesellschaft schlägt er die Dekra vor.

Eine weitere Frage ist die des Untersuchungsbeginns. „Wir müssen schnell starten“, sagt BI-Sprecherin Kerstin Lueckow auch vor dem Hintergrund, dass das Kraftwerk über die Sommermonate für eine Revision heruntergefahren wird; in dieser Zeit ist Partikelregen ausgeschlossen, sind also auch keine erhellenden Messergebnisse zu erwarten. Begönnen die Messungen erst im Mai, wäre das zu spät, so Lueckow weiter. Nicola Kabel meint indes, dass es jetzt noch zu früh sei, einen genauen Zeitpunkt zu nennen. „Es wird allerdings keine Frage von Monaten sein, sondern von Wochen“, sagt sie.

Ferner wird noch darüber zu sprechen sein, wer für die Kosten der Untersuchung aufkommt. „Minister Habeck möchte, dass Vattenfall zahlt“, berichtet Kerstin Lueckow. „Wir werden dazu noch Gespräche führen“, sagt Nicola Kabel.

Offen ist zurzeit auch, ob und inwieweit sich die Wedeler Politik in die ganze Angelegenheit einschalten möchte. Der Vorsitzende des Bau- und Umweltausschusses, Thomas Grabau (Grüne), kündigte während der Ratsversammlung am Donnerstagabend an, das Thema auf die Tagesordnung der Ausschusssitzung am 30. März nehmen zu wollen. BI-Sprecherin Lueckow hofft indes, dass sich die Lokalpolitiker raushalten – auch deshalb, weil deren Engagement das Verfahren weiter verzögern könnte. Trotz aller zurzeit noch vorhandenen Unwägbarkeiten ist sie grundsätzlich zufrieden mit der aktuellen Entwicklung. Die Reaktionen aus der Wedeler Politik fallen auch durchweg positiv aus. „Es gibt zwar noch keine Einigung. Es sieht aber so aus, als ob man sich einigen könnte“, sagt Lothar Barop (SPD). „Jetzt sprechen die richtigen Stellen miteinander“, sagt sein Ratskollege Stephan Schwartz (CDU).

Die anderen am Verfahren Beteiligten zeigen sich weitaus weniger zufrieden. Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow sagt: „Wir waren bei dem Gespräch zwar vertreten, werden aber keine Bewertung abgeben.“ Und die Mitarbeiter im LLUR wirken regelrecht verschnupft. Eine Stellungnahme gibt es nicht – unter dem Hinweis, dass sich das Ministerium eingeschaltet hat, sodass das Ganze nun auf politischer Ebene gesehen werden müsse.