Pinneberg
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„Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder“

Foto: Mirjam Rüscher / HA

Einblicke in Alltag eines Pinneberger Stammes. An diesem Donnerstag wird der Thinking Day, der Weltgedenktag der Pfadfinder, gefeiert.

Pinneberg.  Das grüne Hemd ist ihr Erkennungszeichen. Dazu tragen sie ein Halstuch, aufgerollt und vorn zusammengebunden. Die Pfadfinder tragen beides mit Stolz. „Es gibt eine hohe Identifikation. Pfadfinder zu sein ist mehr als nur ein Hobby, es ist eine Lebensphilosophie“, sagt Karen Adler. Die Jugenddiakonin ist Stammesleiterin der Pfadfinder der Christuskirche Pinneberg und der Kreuzkirche Waldenau. Etwa 100 Kinder ab acht Jahre hat sie in ihrer Obhut.

Adler stammt selbst aus einer Pfadfinderfamilie, sie und ihre Schwester waren schon als Kinder dabei. „Es hat mich nie losgelassen. Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder“, sagt Adler. Die Natur zu achten, den Mitmenschen zu helfen – das werde nicht nur in der Gruppe befolgt, sondern gelebt. „Das Wertesystem und die Regeln funktionieren weltweit, unabhängig von Land und Religion“, sagt Adler.

Die Pfadfinderbewegung ist die größte Jugendbewegung der Welt. Sie geht zurück auf den Engländer Robert Baden-Powell. Ihm zu Ehren wird jedes Jahr am 22. Februar der sogenannte Thinking Day gefeiert – der Weltgedenktag der Pfadfinder. Auch in Pinneberg wird gefeiert, allerdings erst am Sonntag in einem Pfadfindergottesdienst um 10 Uhr in der Kreuzkirche Waldenau. „Wir gestalten den Gottesdienst mit, es werden Lieder aus dem Pfadfinderbuch gesungen, und in der Predigt wird es einen Brückenschlag zum Lagerleben geben“, sagt Adler.

Die Pinneberger Pfadfinder sind Teil der evangelischen Kirchenarbeit. Das spiegelt sich auch in den Grundsätzen der Gruppen wider. „Gott zu dienen“, lautet einer davon. Die Halstücher, die ein Zeichen der Zugehörigkeit sind, werden feierlich in Gottesdiensten überreicht. Außerdem helfen die Pfadfinder bei Kirchenveranstaltungen, so fahren die Großen in diesem Jahr etwa zum Kirchentag nach Wittenberg. Die Aufnahme bei den Pfadfindern ist aber unabhängig von der Religion. „Die Kinder oder ihre Eltern müssen nicht in der Kirche sein. Aber ihnen muss klar sein, dass die Kirche Thema unserer Arbeit ist“, sagt Adler.

Bibelkunde ist einer von 14 Themenbereichen der Gruppenarbeit. Der Umgang mit Feuer, Säge und Messer, das Benutzen von Karte und Kompass und Erste Hilfe sind weitere. Doch es gehe um mehr. Das Herzstück sei die Zugehörigkeit. „Es geht darum, einen Platz in der Gruppe zu haben und gemeinsam Dinge zu erleben. Mit den Pfadfindern habe ich etwas, worauf ich vertrauen kann. Jeder kennt das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Bei den Pfadfindern erleben die Kinder, dass sie hier richtig sind“, so Adler.

Außerdem haben die Kinder und Jugendlichen die Freiheit, sich auszuprobieren und ihre Stärken zu entdecken. „Der eine kann toll fotografieren, der nächste kochen. Das können sie dann einbringen“, sagt Adler.

Die Pfadfinder sind von Region zu Region unterschiedlich, da sie aber alle ihre Wurzeln bei Baden-Powell haben, gebe es mehr Verbindendes als Trennendes. „Wenn ich auf einen Pfadfinder treffe, dann bekommt er von mir immer einen Vertrauensvorschuss“, sagt Adler. Die Hemden geben Auskunft darüber, woher die Pfadfinder stammen. Auf der linken Brusttasche ist bei allen eine Fahne aufgenäht. Die beiden Pinneberger Stämme haben zusätzlich eine Lutherrose auf dem Hemd – das Erkennungszeichen des Ring evangelischer Gemeindepfadfinder (REGP). Darin sind etwa 6500 Kinder und Jugendliche in 116 Kirchengemeinden der Nordkirche zusammengeschlossen.

Einmal in der Woche treffen sich die Pinneberger Pfadfinder. Nach dem gemeinsamen Singen geht es in die Gruppenarbeit. Bei den Acht- bis Zwölf-Jährigen, den Wölflingen, geht es deutlich spielerischer zu als bei den Älteren, den Sipplingen. Knoten üben, ein Feuer machen oder essbare Pflanzen kennenlernen steht dann auf dem Programm. Bei der Pfadfinderprüfung und im Ferienlager können sie ihr Können dann unter Beweis stellen.