Konzert

Schenefelder Chor ist beim Pop-Oratorium „Luther“ dabei

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Mirjam Rüscher
Der Dortmunder Projektchor bei der Welturaufführung des Pop-Oratoriums „Luther“. In Hamburg dürfte es ähnlich aussehen

Der Dortmunder Projektchor bei der Welturaufführung des Pop-Oratoriums „Luther“. In Hamburg dürfte es ähnlich aussehen

Foto: Stiftung Creative Kirche / HA

„Ein echtes Gänsehautgefühl“, sagen die Sänger des Chors der Paulskirche. Bei der Hauptprobe bekamen sie einen Vorgeschmack.

Mirjam Rüscher

Es sind nur noch wenige Stunden. An diesem Sonnabend werden 1500 Sänger das erste Mal gemeinsam singen. Am Mittag treffen sie sich zur Generalprobe, am Abend schon ist der Auftritt. Mittendrin ist eine Gruppe Schenefelder Sänger. Der Chor der Paulskirche ist einer von 27, die sich gemeinsam mit 519 Einzelsängern aus der Region für den Projekt-Chor des Pop-Oratoriums „Luther“ angemeldet haben.

Vor zwei Wochen gab es für die Schenefelder Gruppe um Chorleiterin Ji-Hyun Park einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Sonnabendabend passieren wird. In Harburg standen die Hauptproben an. Schon im Foyer der Friedrich-Ebert-Halle werden die Dimensionen dieses Musikprojektes sichtbar. Hunderte Männer und Frauen, Alte und Junge tummeln sich hier. Es wird geredet, gelacht. Überall sind rote Farbtupfer zu sehen, jeder hat an der Tür ein Programmheft in die Hand bekommen.

Bei der Probe ist alles anders als sonst

Auch Chorleiterin Park und ein Teil ihrer Sänger treffen sich dort. Es gibt eine Begrüßung, ein bisschen Smalltalk. Wer hat wo geparkt? Wer ist alles da? „Wisst ihr, wo ihr hinmüsst?“, fragt Park kurz vor Probenbeginn. Ein Nicken geht durch die Runde, dann trennt sich die Gruppe. Denn im Gegensatz zu sonst stehen die Schenefelder während der Probe nicht dicht beieinander. Im Saal verteilen sich etwa 600 Sänger nach Stimmlagen im Raum. Tenor und Bass sitzen vorn vor der Bühne, Alt und Sopran dahinter. Ein rot-weißes Flatterband ist quer durch den Saal gespannt und trennt die Stimmen. Helfer des Organisationsteams spielen Platzanweiser. Während Park sich mit ein paar anderen in den Sopran setzt, steuert Gerlinde Sorensen mit einer Gruppe auf den Alt zu. Von hier hinten sind die Männer vor der Bühne kaum auszumachen.

Mit jedem Sänger, der in den Saal kommt, wird das Stimmengewirr lauter – ein Summen, wie in einem Bienenstock. Einige begrüßen sich, doch die meisten sind füreinander noch Fremde. Manch einer wirft einen nervösen Blick in die Noten. Als um 13 Uhr die beiden Dirigenten Doris Vetter und Micha Keding die Bühne betreten, brandet Applaus auf. Die Vorfreude ist fast greifbar. Nach einer kurzen Begrüßung und ein paar erklärenden Worten beginnt das Einsingen. Schnauben, prusten, gähnen, die ersten Töne und Tonleitern werden angestimmt. Es geht los mit dem Eingangschor. „Luther, Luther, wer ist Luther“ hallt es in einer irren Lautstärke durch den Saal. Zum ersten Mal sind die versammelten 600 Sänger in ihren verschiedenen Stimmlagen gemeinsam zu hören. „Ein echtes Gänsehautgefühl“, beschreibt Gerlinde Sorensen. Wie wird es erst mit mehr als doppelt so vielen Sängern klingen?

Schwierige Passagen lassen die Dirigenten mehrfach wiederholen, zwischendurch müssen die Stimmen einzeln ran. „Gut, dass unsere Chorleiterin uns so professionell auf die Probe vorbereitet hat. Wir waren recht fit und sangessicher“, sagt Gerlinde Sorensen. Die Dirigenten achten auf die Aussprache und die Einhaltung der Pausen. „Ich zeige an, wie lang ihr den Ton halten müsst, achtet darauf“, ruft Dirigent Keding. Die Sänger sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie er und seine Kollegin dirigieren, bei der Aufführung leitet jeder eine Hälfte des Chores an.

Die Vorfreude auf die Aufführung ist riesig

Mit und ohne Playback geht es durch die einzelnen Stücke des Oratoriums. Nach zweieinhalb Stunden ist Pause. Durchatmen, ein paar Schritte gehen, etwas essen. Schirmherrin Bischöfin Kirsten Fehrs spricht ein paar Worte, dann geht es weiter.

Nach sechs Stunden ist Feierabend. Chorleiterin Park ist zufrieden. „Meine Kollegen haben das gut gemacht. Ein paar Dinge hätte ich selbst anders gemacht, aber es sind nur Kleinigkeiten. Die beiden sind echte Profis“, so Park. „Das war toll. Die Probe hat uns viel gebracht“, schwärmt Gerlinde Sorensen. Die Vorfreude auf die Aufführung ist riesig. „Immerhin haben wir noch nicht mit dem gesamten Ensemble gesunden. Das wird mit Sicherheit ein Riesenerlebnis – einmalig und unvergessen“, so Sorensen. Das Warten auf den großen Auftritt hat heute ein Ende. Nur wenige Stunden bleiben alle Beteiligten, um sich aneinander zu gewöhnen und aufeinander einzuspielen. Dann wird es ernst.

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