Pinneberg
Wedel

Die nächste Klage gegen den Businesspark

Foto: Stadt Wedel

Auch Wedeler Anwohner wehrt sich gegen den Lärm. Der Bürgermeister vermutet, dass das Projekt torpediert werden soll.

Wedel.  Eine Bombe wurde am Tinsdaler Weg noch am Wochenende erfolgreich entschärft. So reibungslos lassen sich ansonsten die Probleme mit dem Wedeler Businesspark allerdings nicht lösen. In Zusammenhang mit dem größten Zukunftsprojekt der Stadt ist jetzt eine weitere Klage eingereicht worden. Am Freitag, genau mit Ablauf der Frist, hat ein Anwohner seine Einwände gegen den Bebauungsplan für den Businesspark bei Gericht geltend gemacht. Bislang kam die juristische Gegenwehr aus dem benachbarten Rissen. Dort hat ebenfalls ein Anwohner geklagt und bereits einen Baustopp erwirkt. Jetzt kommt von der anderen Seite die Gegenwehr – aus Wedel.

„Ich habe als Vertreter der Nachbarschaft am Wedeler Elbhochufer einen weiteren Normenkontrollantrag gegen den Bebauungsplan beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig eingereicht“, erklärt Rolf Schmersahl. Warum die Wedeler nun auch klagen, obwohl doch schon von Rissener Seite aus, der Bebauungsplan erfolgreich angegriffen und jegliche Bebauung gestoppt wurde? „Weil die Stadt Wedel nun nichts anderes macht, als den Lärm von Rissen nach Wedel zu verlagern“, erklärt Schmersahl.

Die Stadtverwaltung hatte nach der jüngsten Pleite vor Gericht angekündigt, den Bebauungsplan zu ändern und etwas an den vom Gericht bemängelten zu hohen Lärmobergrenzen zu schrauben. Doch die Wedeler Anwohner fürchten nun, dass allein die Lärmreduzierung gegenüber dem Rissener Wohngebiet im Fokus steht und die ebenfalls betroffenen Belange auf Wedeler Seite in Vergessenheit geraten oder sogar zugunsten der klagenden Rissener lärmendes Gewerbe weiter gen Wedeler Wohngebiet verschoben wird.

Die Nachricht von einer weiteren Klage gegen Wedels Prestigeprojekt erwischte Bürgermeister Niels Schmidt am Montag eiskalt. Er erfuhr durchs Abendblatt davon, eine Klageschrift lag ihm noch nicht vor. „Das überrascht mich sehr“, so Schmidt. Er hatte Anfang Februar erstmals das Gespräch mit dem Rissener Kläger gesucht. Das Treffen schilderte er als sehr konstruktiv und angenehm. Schmidt hatte deshalb auf eine einvernehmliche Lösung gehofft. Klagen von beiden Seiten: „Das ist wohl nur schwer im Dialog zu lösen“, räumt Schmidt ein. Generell habe er den Eindruck, dass es den Anwohnern auch um etwas anderes ginge als um Lärm. „Man will wohl das Projekt generell torpedieren“, vermutet Wedels Bürgermeister.

Löst die Stadt Planungsfehler auf Rücken der Anwohner?

Dem widerspricht Kläger Schmersahl. Die Wedeler Anwohner hätten auf vielfältige Weise versucht, für ihre Belange zu kämpfen. Das Gerichtsverfahren sei der letzte Ausweg gewesen, weil sie kein Gehör im Rathaus gefunden hätten. „Es gibt klare gesetzliche Vorgaben, wie hoch die Lärmwerte sein dürfen. Wir wollen nur, dass das eingehalten wird“, erklärt Schmersahl. Aus seiner Sicht versuche die Stadt Wedel grundlegende Planungsfehler auf dem Rücken der Anwohner zu lösen.

Klar ist eines: Wedels schöne Pläne von einem florierenden Gewerbepark an der Grenze zu Hamburg gehen nicht auf. Der Streit mit den Anwohnern um den zukünftigen Lärm hat der Stadt einen Baustopp beschert. Mit dem Wedeler Unternehmen Solarnova gibt es bereits einen Interessenten, der wegen der damit einhergehenden Zeitverzögerungen vom Umzug ins Gewerbegebiet abspringen könnte. Auch der Investor, der die Büro-Cubes an der Elbe bauen will, drängt auf eine schnelle Realisierung.

Das 18 Hektar große Areal für den Businesspark hatte die Stadt vom Mineralölkonzern Exxon-Mobil erworben. Da es sich um ein Sanierungsgebiet handelt, wurde kein großer Kaufpreis fällig.