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Barmstedt

Stadt Barmstedt plant neue Bücherei

Gutachten: Platzverhältnisse sind unzumutbar. Politik sieht Handlungsbedarf

Barmstedt.  Die Barmstedter Politik hat jetzt einstimmig die Verwaltung beauftragt, einen Neu- oder Anbau der Stadtbücherei zu prüfen. Hintergrund ist ein sicherheitstechnisches Gutachten der Elmshorner Fachfirma Regomed, das die derzeitigen Arbeitsbedingungen für die vier Mitarbeiterinnen in dem etwa
50 Jahre alten Gebäude für nicht mehr zumutbar erachtet. So sei die räumliche Enge in dem 260 Quadratmeter großen Flachdachgebäude am Holstenring nicht mit den Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung zu vereinbaren, heißt es in der Studie. Mögliche Folgen: "Ein verdrehtes Sitzen führt zu erhebliche Belastungen von Wirbelsäule und Gelenken. Gesundheitliche Beeinträchtigungen der Mitarbeitenden werden vom Arbeitgeber somit in Kauf genommen."

Auch die engen Verhältnisse in der einen Toilette, die sowohl die Mitarbeiter wie die Kunden der Bücherei nutzen müssen und die keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern macht, werden als nicht mehr zeitgemäß angeprangert. Zudem fehlten Sozialräume. Darum schlägt das Gutachten vor, mit einem Anbau mehr Platz für die Bücherei zu schaffen, oder die Bücherei in größere Räumlichkeiten umziehen zu lassen. "In jedem Fall besteht dringender Handlungsbedarf, um gesundheitliche Beeinträchtigungen und Gefährdungen zu reduzieren", urteilt die Arbeitssicherheitsexpertin Anja Steinmüller nach ihrer Begehung in Barmstedt.

Das decke sich auch mit den Empfehlungen des Landes-Büchereivereins, der für 1000 auszuleihende Medien 30 Quadratmeter Raumfläche für angemessen hält, erklärt Büchereileiterin Sabine Jülich. "Das würde für unsere 22.500 Medien einen Platzbedarf von 675 Quadratmeter bedeuten." Auch eine aktuelle Befragung unter den 1919 Lesern der Bücherei kommt zu dem Ergebnis, dass die Enge als größter Kritikpunkt angesehen wird. "Eine räumliche Vergrößerung ist mit Abstand der Punkt, den die Kunden sich nicht nur wünschen, sondern als erstes in Angriff nehmen würden", fasst Jülich das Ergebnis der 208 ausgefüllten Fragebögen zusammen. Den Kunden fehle es an Gemütlichkeit, es gebe keine Sitzecken zum Lesen und Stöbern, Rollstuhlfahrer könnten sich kaum frei bewegen, lauten weitere Kritikpunkte.

Dabei entwickelten sich die Büchereien immer mehr zu regelrechten Treffpunkten, wo die Menschen eines Ortes zusammenkommen können, ohne etwas konsumieren zu müssen, beschreibt Büchereileiterin Jülich den Trend in anderen Städten. Die Nachfrage nach einem öffentlichen Raum zum Lesen, Musik hören oder Internetsurfen steigt auch in Barmstedt. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der Kunden um elf Prozent zugenommen. Fachbereichsleiter Hinnerk Goos kündigt an; "Bis Mai werden wir dem Kulturausschuss Ergebnisse liefern, welche Alternativen es zu welchen Kosten geben kann."

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