Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wo die Feuerwehr es besonders schwer hat

Immer bereit zu helfen: Pinnebergs Wehrführer Claus Köster (v. l.), Christoph Supthut und Kai Halle vor der Wache

Immer bereit zu helfen: Pinnebergs Wehrführer Claus Köster (v. l.), Christoph Supthut und Kai Halle vor der Wache

Foto: Andreas Daebeler / HA

Baustellen, Gaffer, Personalnot: Einsatzkräfte stoßen auf Hindernisse. In Halstenbek werden verstärkt Falschparker aufs Korn genommen.

Kreis Pinneberg.  2700 Freiwillige engagieren sich in 53 Feuerwehren im Kreis Pinneberg. Stets bereit zu helfen. Auch zu später Stunde, wie in der Nacht zu Mittwoch, als Sturmtief „Axel“ über die Region hinwegzog. Wenn Alarm ausgelöst wird, muss es schnell gehen. Doch nicht selten hat die Wehr es schwer – wenn der Weg zur Rettung mit Hindernissen gespickt ist. Baustellen, zugeparkte Straßen, Gaffer mit Fotohandy in der Hand gehören zum Alltag. Kreis-Wehrführer Frank Homrich wünscht sich „mehr Verständnis und mehr Menschlichkeit“. Ein Wunsch, den seine Kollegen vor Ort teilen.

Nein, einen Vorfall wie im niedersächsischen Salzgitter-Thiede, wo Silvester ein Feuerwehrmann im Einsatz verprügelt wurde, muss Homrich bislang nicht beklagen. Wenn auch in Pinneberg zum Jahreswechsel manch Böller auf Einsatzfahrzeuge geworfen wurde. „Von tätlichen Angriffen bei uns ist mir nichts zu Ohren gekommen“, so Homrich. „Aber Gaffer, die bei der Arbeit behindern, gibt es auch bei uns.“ Probleme tauchten zuweilen schon vor der Ankunft am Einsatzort auf. „Es kommt nicht selten vor, dass unser Martinshorn ignoriert wird“, so Homrich. „Leute drehen ihr Autoradio so laut auf, dass sie uns nicht hören.“

Apropos Anfahrt: Gebaut wird immer irgendwo. Claus Köster weiß das. Er ist Wehrführer in Pinneberg. Chef einer Truppe von Freiwilligen, die die Kreisstadt an 365 Tagen rund um die Uhr sicherer macht. Ein ehrenamtlicher Job, der nicht immer reibungslos läuft. Zwischen Alarmierung und getaner Arbeit lauert manches Hindernis, etwa wenn die Stadtwerke mal wieder eine Straße aufreißen, um einen Rohrbruch zu beheben. Grund genug, mal bei Köster nachzufragen, wie in der Kreisstadt gewährleistet wird, dass die Retter auch rechtzeitig kommen, wenn es brennt. Erste Erkenntnis: Aufs Navi verzichtet die Wehr komplett.

Statt sich auf GPS-Signale zu verlassen, setzt man in Pinneberg auf Menschenverstand und Ortskenntnis. Zwei Wachhabende haben stets ein Auge auf die Verkehrssituation. Sie werden von der Stadt Pinneberg über aktuelle Sperrungen und Baustellen auf dem Laufenden gehalten. „Das klappt eigentlich gut“, so Köster. Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten könne noch weitgehend eingehalten werden. Allerdings werde derzeit an einem Feuerwehrbedarfsplan gearbeitet, der die Situation grundsätzlich untersuche. Am Ende könnte sogar die Nachricht stehen, dass ein neuer Standort für die Feuerwache gesucht werden muss, um weiterhin das gesamte Stadtgebiet versorgen zu können. „Der Plan wird voraussichtlich im Mai vorliegen“, so Köster.

Aktuell setzt die Pinneberger Wehr auf regelmäßige Trainingstouren im Stadtgebiet. „Wir fahren durch die Straßen“, sagt Christoph Supthut, der in Claus Kösters Team für die Pressearbeit zuständig ist. „Dabei geht es zum einen darum, die Fahrzeuge zu beherrschen, aber eben auch darum, die Wege zu Einsatzorten besser kennenzulernen.“ Dass die Anfahrt nicht immer frei von Tücken ist, bestätigt Kai Halle, seit Jahren stellvertretender Wehrführer in Pinneberg. Rund um den Kirchhofsweg etwa gebe es kleine Straßen, in denen das Manövrieren auch ohne Baustelle schon zur Herausforderung werde. „Und es gibt eine fortschreitende Wohnraumverdichtung“, wie Halle ergänzt. Gerade Grundstücke in zweiter Baureihe seien manchmal schwierig zu erreichen. Auch in Halstenbek gibt es Straßen, die erst nach langer Fahrt erreicht werden. „Das äußerste Ende des Heidewegs etwa“, so Kai Semmelhack, stellvertretender Wehrführer einer
80 Mitglieder zählenden Truppe.

In Halstenbek rückte zuletzt ein weiteres Problem in den Fokus: zugeparkte Straßen. Laut Semmelhack verstellen vor allem nachts und am Wochenende illegal abgestellte Fahrzeuge den Weg. Das kann wertvolle Zeit und im schlimmsten Fall sogar Menschenleben kosten. Halstenbeks Wehr hat reagiert, fährt gemeinsam mit dem Ordnungsamt Straßen ab. „Da werden dann auch Strafzettel verteilt“, so Semmelhack. Er wünscht sich, dass die Anwohner mehr mitdenken. „Es kann schließlich jeder mal auf unsere Hilfe angewiesen sein, man sollte sich stets den Spiegel vorhalten.“

Aktuell kämpft die Pinneberger Wehr noch mit einem weiteren Problem. Es fehlt den Rettern an Personal. Vor allem tagsüber werde es immer schwieriger, die Truppe zusammenzubekommen, bestätigt Köster. Das gelte für viele Truppen in der Region. „Die Bereitschaft, sich für die Allgemeinheit einzusetzen, sinkt“, vermutet Pinnebergs Feuerwehrchef.