Pinneberg
Prisdorf

Von der Nervenklinik zum Golfparadies

Margot Dorsch (v.l) und Elisabeth Voss vorm alten Herrenhaus. Margot Dorsch ist Vorsitzende des Heimatvereines und kennt sich mit der Geschichte des Hofes aus

Margot Dorsch (v.l) und Elisabeth Voss vorm alten Herrenhaus. Margot Dorsch ist Vorsitzende des Heimatvereines und kennt sich mit der Geschichte des Hofes aus

Foto: Sarah Stolten

In unserer Abendblatt-Serie stellen wir jede Woche die ältesten Gebäude der Kommunen vor. Heute: der Peiner Hof in Prisdorf

Prisdorf.  So alt der Peiner Hof ist, so alt sind auch die Gerüchte und Legenden, die über Prisdorfs älteste Hofanlage von 1588 kursieren. So soll es einen unterirdischen Gang zum ehemaligen Pinneberger Schloss geben, dessen Ein- oder Ausgang jedoch noch nie jemand gesehen hat. Oder die Geschichte von Klaus Störtebeker und den Vitalienbrüdern, die den Peiner Hof angeblich als Versteck genutzt haben sollen. Dann gibt es noch die Erzählungen über die alte Eiche. Der Jahrhunderte alte Baum steht hinter dem Herrenhaus von 1800, dem ältesten Gebäude des Areals und gleichzeitig das älteste Bauwerk von Prisdorf.

Erzählungen zufolge soll schon der Feldherr Wallenstein seine Pferde an diesen Baum gebunden haben. Elisabeth Voss, die zusammen mit ihrem Mann Hans-Detlef seit 1987 im Besitz des Peiner Hofes ist, kennt die Geschichten. „Die Eiche stand wohl bereits im Dreißigjährigen Krieg hier“, sagt Elisabeth Voss. „Ich kenne auch die Überlieferung, dass Napoleon an der Eiche gerastet haben soll.“ Ob das stimmt, das weiß auch die heutige Eigentümerin nicht.

Ob Napoleon oder Wallenstein – im Laufe der Jahrhunderte sind viele Leute auf dem Peiner Hof ein- und ausgegangen. Häufig wechselten auch die Besitzer. Einer von ihnen sollte die Hofanlage nachhaltig prägen: Doktor Arnold Lienau. Der bereits verstorbene Gründer des Prisdorfer Heimatvereins Friedrich Rogge hat anhand von Erzählungen seines Vaters, der seit 1904 über 40 Jahre auf dem Peiner Hof als Jagdaufseher und Gärtner gearbeitet hat, die Geschichte der Lienaus auf dem Hof aufgeschrieben.

Lienau, Nervenarzt und Besitzer einer Hamburger Nervenheilanstalt, hat 1909 den damals 50 Hektar großen Peiner Hof gekauft. Mit dem Erwerb und dem Kauf angrenzender Ländereien wollte der wohlhabende Arzt die Nervenheilanstalt auf den Peiner Hof verlegen. „Dr. Lienau hatte eine revolutionäre Theorie entwickelt“, sagt Elisabeth Voss. „Er wollte die Nervenkranken, die damals als Verrückte abgestempelt und eingesperrt worden sind, mit Arbeit an der frischen Luft heilen.“ Der Arzt ließ die Patienten auf dem Hof mitwirken. Zu tun gab es vieles: 60 Milchkühe, 10 Arbeitspferde, eine große Schweinezucht und viel Federvieh mussten versorgt werden. „Die Hamburger Nervenanstalt wurde mit Lebensmittel von hier beliefert“, sagt die 71-Jährige. Zweimal in der Woche wurden Lebensmittel mit Pferdewagen von Prisdorf nach Hamburg transportiert.

1987 kam Familie Voss auf den Peiner Hof

Im Februar 1941 starb Arnold Lienau. Sein zweitältester Sohn Walter Lienau war Diplomlandwirt und übernahm den Peiner Hof. Doch kurz darauf fiel der Hoferbe im Krieg. Er ließ seine Ehefrau mit den gemeinsamen drei kleinen Kindern zurück. „Frau Lienau hat später im alten Herrenhaus einen Kindergarten aufgemacht und Prisdorfer Kinder betreut“, sagt Margot Dorsch, die heutige Vorsitzende des Heimatvereins im Dorf. „Die Leute reden noch heute von ihr.“

1987 kam Familie Voss auf den Peiner Hof. „Nach der Grenzöffnung entschlossen mein Mann und ich nicht weiter in die Landwirtschaft, sondern in Golfanlagen zu investieren“, so die heutige Eigentümerin. Hans-Detlef Voss hat schon als Kind die ersten Bälle geschlagen und ist bis heute begeisterter Golfer.

Fünf Jahre nach der Hof-Übernahme wurden auf der Prisdorfer Golfanlage die ersten Bälle geschlagen. Das historische Herrenhaus diente fortan als Büro. Im Erdgeschoss wurde ein Restaurant eröffnet. „Zunächst gab es nur eine kleine Kantine für die Golfer“, so Elisabeth Voss. „Dann haben wir die Gastronomie peu à peu vergrößert.“

Zudem ließen die neuen Besitzer den Wintergarten des Herrenhauses, das vom Architekten des Klassizismus Christian Frederik Hansen entworfen wurde, neu decken und haben eine Terrasse anbauen lassen. Die Zimmer sind in ihrem Grundriss erhalten geblieben. „Das Haus ist wunderschön gerade und harmonisch.“

Herrenhaus und alte Scheune sind denkmalgeschützt

Elisabeth Voss weiß was es bedeutet, Altes zu bewahren. Im Herrenhaus gebe es wohl die einzige gewölbte Tür im norddeutschen Raum“, so die Eigentümerin. „Die wollte ich unbedingt behalten.“ Doch die Konzessionsbehörde stellte sich quer, denn Türen von Gastronomieräumen müssen aus Sicherheitsgründen nach außen aufgehen, die gewölbte Tür auf dem Peiner Hof öffnet sich jedoch nach innen. „Dank des Engagements der Denkmalschutzbehörde durften wir dieses Zeugnis der Vergangenheit behalten.“

Zum Peiner Hof, der jetzt gut 100 Hektar groß ist, gehören heute neben der Golfanlage das Herrenhaus, ein alter Kuhstall, der Betriebshof, eine Gärtnerei sowie ein Reetdachhaus, eine Eventscheune und ein Verwaltungsgebäude. Sowohl das Herrenhaus als auch die alte Scheune sind denkmalgeschützt.