Pinneberg
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Bei den Töpfers unterm Weihnachtsbaum

Wir öffnen 24 Türen im Kreis Pinneberg. Heute: Wie eine neunköpfige XL-Familie in einem Pinneberger Haus mit 17 Zimmern das Fest feiert

Pinneberg. Wenn der Weihnachtsmann Heiligabend so gegen
17 Uhr die Heimat von Familie Töpfer am Haidkamp in Pinneberg ansteuert, schleppt er sicher schwer. Denn das Haus, in dem auf ihn gewartet wird, ist voll. Sieben Kinder, zehn Tiere und jede Menge Trubel gehören zum Alltag der XL-Familie.

Kein Wunder, dass auch zu Weihnachten einiges los ist in diesem nicht ganz gewöhnlichen Haus, in dem eigentlich gleich mehrere Familien leben könnten. Sage und schreibe 17 Zimmer zählt der staunende Besucher. Die werden allerdings auch dringend gebraucht – bei so vielen Menschen, drei Hunden und zwei Katzen am Haidkamp.

Unerträglich eng ist es meist trotzdem nicht, man steht sich selten mal auf den Füßen, lassen entspannte Eltern vernehmen. Außer morgens, so gegen
7 Uhr. Da herrscht Stoßzeit, Vollbelegung in den Bädern. Ein alltäglicher Kampf um Waschbecken, Föhn und Zahnpastatube. „Da kann die Enge dann schon für Komplikationen sorgen, dann knallt es natürlich auch mal zwischen uns“, sagt Mama Stefanie. Ein bisschen Zoff bei den Töpfers – für den XL-Vater überhaupt kein Problem. „Alles andere wäre doch wohl nicht normal“, sagt Papa Frank, der als Bäcker arbeitet, entspannt. Abgesehen von den kritischen Minuten am Morgen verlaufe sich alles ganz gut in dem großen Haus.

Als Neunter im Familienbunde wurde dem jüngsten Sprössling Theo übrigens unlängst eine ganz besondere Ehre zuteil. Sein Patenonkel ist kein Geringerer als Bundespräsident Joachim Gauck, der so kinderreiche Familien würdigt. Im November erhielt die Familie von Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk die entsprechende Urkunde, ein Bild des Staatsoberhauptes sowie einen Scheck – angesichts des nahenden Weihnachtsfests eine willkommene 500-Euro-Spritze für die Haushaltskasse der XL-Familie.

Apropos Weihnachten: Während der Feiertage gibt es im Hause Töpfer Traditionen wie in kleineren Familien auch. „Der Weihnachtsbaum steht wirklich immer vor dem rechten Wohnzimmerfenster“, erklärt der zwölfjährige Paul. Und der Festschmaus an Heiligabend? Die Töpfers schwören auf Gänsekeulen. Das hat nicht zuletzt pragmatische Gründe. Eine Küche setzt Grenzen: „Ganze Gänse könnten wir wohl kaum zubereiten , wie viele wären das überhaupt?“, überlegt Mama Stefanie.

Zum Fest gehören bei den Töpfers, die auch noch zwei Kaninchen beherbergen, natürlich auch die Geschenke. Für die Eltern kann das bei sieben Kindern selbstredend ziemlich kostspielig werden. Da gilt es, sich zu beschränken, so weit das möglich ist. „Die Kinder haben Verständnis, jeder ist mal mit einem größeren Teil an der Reihe“, sagt Stefanie. „Bei uns bleibt niemand auf der Strecke.“

Und was stehen in diesem Jahr für Weihnachtswünsche auf den Zetteln? „Videospiele für die Playstation“, sagt der 14-jährige Yannis ohne lange überlegen zu müssen. „Und ich ein Smartphone“, ergänzt sein Bruder Paul. „Wir Kinder schenken uns untereinander nur Kleinigkeiten“, setzt der schnell nach. „Sonst würden wir ja auch arm werden“, schickt die 17-jährige Nele hinterher. Was sollen denn da bloß die Eltern sagen? „Irgendwann“, hofft Mama Stefanie, „zahlt es sich für uns aus.“ Sie guckt in die Runde. „Wenn ihr nämlich alle mal selbst Geld verdient.“

Für die meisten der Kinder ist das noch weit entfernt. Und bei den Töpfers sind teure Präsente auch nicht alles. Andere Dinge sind wichtiger – vor allem der Zusammenhalt unter den Geschwistern. Eine kann davon gar nicht genug bekommen – die achtjährige Josefine. Finchen, wie der Rest der Familie das Mädchen liebevoll nennt, wünscht sich sogar noch weitere Geschwister: „Ich will noch drei“, ruft sie in die Runde. Die Grundschülerin war bis zu Theos Geburt noch das Küken bei den Töpfers. Sie hat klare Vorstellungen, was die Familienplanung angeht. „Mindestens zwei müssen Mädchen sein. Los geht’s, Mama und Papa.“ Mal ein Wunsch zum Fest der Liebe, den kein Weihnachtsmann erfüllen kann. Stefanie Töpfer lacht nur: „Daraus wird eher nichts.“