Pinneberg
Helgoland

Die Insel kämpft für schulfreien Nikolaus

Foto: C3464 Rainer Jensen / dpa

Am 6. Dezember durften die Inselkinder traditionell zu Hause bleiben – nicht rechtmäßig, meint das Schulamt des Kreises jetzt.

Helgoland.  Der Heilige Nikolaus ist der Schutzpatron der Seefahrer, Kinder und auch der Insel Helgoland. Auch die Kirche ist nach ihm benannt. Aus diesem Grund ist der 6. Dezember auf der Nordseeinsel ein ganz besonderer Tag, an dem die Kinder schulfrei haben – bislang zumindest. Denn das zuständige Schulamt im Kreis Pinneberg will das mit sofortiger Wirkung ändern. Den schulfreien Tag wollen die Helgoländer aber nicht kampflos hergeben.

„Der zusätzliche freie Tag ist nie genehmigt worden“, sagt Schulrätin Adelia Schuldt. Zwölf Wochen Ferien im Jahr in Schleswig-Holstein seien ausreichend. „Uns war bislang nicht bekannt, dass der Nikolaustag auf Helgoland schulfrei war. Das ist nicht rechtens.“

Kinder holen gefüllte Teller von Verwandten ab

Aufgefallen war das Ganze erst, als die neue Schulleiterin der James-Krüss-Schule eine entsprechende Nachfrage an das Schulamt stellte. Die Rheinland-Pfälzerin war ebenfalls nicht mit der Helgoländer Tradition vertraut. Das sei auch ihr gutes Recht, sagt Heiko Ederleh, Mitglied des Elternbeirates. Ihr macht er keinen Vorwurf. Doch dass der Schulrat Dirk Janssen, an den er im Namen des Elternbeirats einen Protestbrief schrieb, an seiner Linie festhält, das versteht er nicht.

„Dieser Tag hat Tradition. Schon mein Großvater, der 1927 geboren wurde, hatte am Nikolaustag frei“, sagt der Helgoländer. Die Kinder würden seit 100 Jahren schon am Vorabend mit einem Teller zu Verwandten und Bekannten gehen und an deren Türen klopfen, um Süßigkeiten zu erbitten. „Am 6. Dezember holen sie die gefüllten Teller dann vormittags wieder ab“, sagt Ederleh, der auch Wehrführer auf Helgoland ist. Auch wenn heutzutage die Kinder vermehrt in den Geschäften vorstellig werden, werde die Tradition lebendig gehalten.

„Die Huldigung des Heiligen Nikolauses soll auch nicht infrage gestellt werden“, sagt Schulrätin Schuldt. Allerdings soll künftig einer der beweglichen Ferientage dafür genutzt werden. Das könne die Helgoländer Schulkonferenz festlegen. Ein weiterer Vorschlag aus dem Schulamt: Den Nikolaustag themenbezogen zu einem Projekttag in der Schule umzuwandeln. Davon halten Heiko Ederleh und andere Eltern auf Helgoland wenig.

Und das aus mehreren Gründen. So hätten Inselkinder in Deutschland generell eine Woche weniger Sommerferien, denn dann herrsche Hochsaison im Tourismus, von dem die Inselbewohner abhängig seien. „Die Woche wird dann vor die Herbstferien gehängt“, sagt Heiko Ederleh. Oft falle dies auf den Tag der Deutschen Einheit – und der als freier Tag somit weg.

Die Linke: „Vorgehen des Schulrats unverständlich“

Ein Argument, das Adelia Schuldt nicht gelten lassen möchte. „Die kommenden Herbstferien beginnen am 16. Oktober, und 2018 fallen die Herbstferien für alle Schleswig-Holsteiner regulär auf den 3. Oktober.“ Ob das Fest tatsächlich die ganze Insel bewegt oder es ein Tag ist, an dem die Kinder einfach ausschlafen, möchte sie nicht beurteilen. Die Tradition sieht sie so oder so nicht gefährdet.

Heiko Ederleh allerdings schon. „Regionale Kultur von Minderheiten soll auch nach dem Willen von EU und Landespolitik gefördert und erhalten werden. Wir wollen uns das nicht von außen diktieren lassen“, sagt er. Ederleh verweist auf eine vergleichbare Tradition, den Sylter Petritag. Das ist der Tag nach dem Biikebrennen, also der 22. Februar. Freudentag für Kinder und Jugendliche, haben sie doch an diesem Tag schulfrei, und es wird überall gefeiert. Nun hoffen er und seine Mitstreiter auf die Unterstützung seitens der Landespolitik. „Wir haben unser Anliegen auch schon in Kiel vorgetragen.“ Erste Schützenhilfe kommt auch auf Kreisebene. Die Linke zeigt wenig Verständnis für die Entscheidung des Schulrats. Dass die Kinder am Nikolaustag frei hätten, gehöre zu der seit rund 100 Jahren gelebten Tradition des „Oomlooperdai“, wie der Tag auf Friesisch heißt.

„Herr Janssen hat bewiesen, dass er rechnen kann, und das als erster Schulrat Pinnebergs“, spottet Klaus-Dieter Brügmann, Sprecher der Linken im Kreis Pinneberg und Vorsitzender der Kreistagsfraktion Linke & Piraten im Hinblick auf dessen Anmerkung, Helgoland habe mit dem Nikolaustag einen schulfreien Tag mehr als der Rest Schleswig-Holsteins. „Er sollte besser die Pflege regionaler Kultur unterstützen, anstatt ihr kleingeistig und bürokratisch im Wege zu stehen.“