Tierschutz

Das Schicksal der Ebay-Hunde von Elmshorn

Tierpflegerin Pamela Popp kümmert sich im Tierheim Elmshorn um Paco, der innerhalb kurzer Zeit mehrmals den Besitzer wechselte und nur an sehr erfahrene Hundehalter abgegeben werden kann

Tierpflegerin Pamela Popp kümmert sich im Tierheim Elmshorn um Paco, der innerhalb kurzer Zeit mehrmals den Besitzer wechselte und nur an sehr erfahrene Hundehalter abgegeben werden kann

Foto: Anne Dewitz / HA

Im Internet werden von unseriösen Geschäftemachern immer wieder Tiere verkauft: Doch am Ende landen sie alle im Tierheim.

Elmshorn.  Ein Anblick zum Verlieben: Das Foto auf Ebay-Kleinanzeigen zeigt einen Zwergpinscher-Welpen, der mit treuen Augen in die Kamera blickt. Der private Anbieter aus Elmshorn erläutert, dass es sich um ein reinrassiges Tier handelt – Verhandlungsbasis 690 Euro. Sobald der Käufer die Anzeige anklickt, öffnet sich ein Fenster mit dem Hinweis, wie er sich vor unseriösem Welpenhandel schützt. Offensichtlich hat auch Ebay das Problem erkannt.

Denn die Inserate, mit denen Tierliebhaber gelockt werden, sind häufig unseriös. Immer wieder folgen auf den Kauf dramatische Wochen, weil der Hund kränkelt oder gar stirbt. „Schuld daran sind die Machenschaften skrupelloser Händler, denen es allein um ihren finanziellen Vorteil geht“, sagt Anke Darius, Leiterin des Elmshorner Tierheims. Sie beobachtet seit zwei Jahren, dass die Schacherei mit Hunden und Katzen im Online-Handel stark zunimmt. „Seit dem Frühjahr durchforste ich jeden Abend die Ebay-Kleinanzeigen aus der Umgebung“, sagt die Tierschützerin, die seit 18 Jahren im Tierheim arbeitet, acht davon in leitender Position. Viele Fälle hat sie bereits zur Anzeige gebracht.

So auch den einer Landwirtin aus Lutzhorn, die unter zwei Pseudonymen diverse Rassetiere zum Verkauf anbietet, angeblich von privat. Für die Welpen verlangt sie 450 Euro. Ein Preis, der weit unter dem liegt, was seröse Züchter verlangen. „Sie kann die Tiere so günstig anbieten, weil sie keine Steuern aus ihren Verkäufen zahlen muss, wie es eingetragene Züchter müssen“, erläutert Anke Darius.

Schnellverdientes Geld also, für das die Hunde und Katzen als Gebärmaschinen ausgebeutet würden. Ein weiterer Fall ist Anke Darius aus Moorrege bekannt. Die Welpen – von Hunden und Katzen – seien weder gechipt noch geimpft, anders als in der Kleinanzeige beschrieben. „Nicht selten sterben die Tiere nach wenigen Wochen oder müssen häufig zum Tierarzt und vertragen nur medizinisches Futter. Das verursacht hohe Kosten.“ Die Lutzhornerin habe sogar mehrmals den gleichen Kater verkauft – angeblich sei ihr nicht aufgefallen, dass er blind war. Den neuen Besitzern war dieser Fakt irgendwann allerdings aufgefallen, und sie hatten das Tier zurückgebracht.

Anke Darius hat die Lutzhornerin auf ihrem Hof aufgesucht. Der Anblick einer ausrangierten Jack Russell-Zuchthündin, die sieben Jahre einen Welpenwurf nach dem anderen produzieren musste und im dunklen Stall hauste, rührte sie so sehr, dass sie das total verängstigte Tier kurzerhand abkaufte. Nun lebt die seelisch kaputte Hündin bei Anke Darius zu Hause. „Ich ärgere mich, dass ich dieser Frau Geld gegeben habe, aber ich wusste, dass ihr rechtlich kaum beizukommen ist“, sagt sie. Dennoch hat sie auch in diesem Fall Anzeige erstattet.

Die auf Ebay oder auch auf Facebook gehandelten Tiere landen in vielen Fällen am Ende im Tierheim. So auch der Kangalemischling Paco. Der junge Hund hat einen ausgeprägten Herdenschutzinstinkt. Allerdings steckt in ihm auch ein American Bulldog, der in einigen Bundesländern wegen seiner Gefährlichkeit zu den Listenhunden gehört. Eine schwierige Mischung, mit der nur sehr erfahrene Hundehalter umzugehen wissen. „Paco wurde aber einfach von einem Mann über Ebay verkauft“, sagt Anke Darius. Die Übergabe fand bereits am 7. November 2014 auf dem Bahnhof in Glückstadt (Kreis Steinburg) statt. Der Verkäufer drückte dem jungen Käuferpaar, die ein Baby dabei hatten, die Leine in die Hand und sprang rasch in den Zug.

„Da standen die jungen Leute dann mit dem 50 Kilogramm schweren Tier, das sie anknurrte“, sagt Anke Darius. Ihre Tierheimmitarbeiter wurden von der Polizei dazu geholt. Das Tierheim in Elmshorn ist nicht nur das einzige im Kreis Pinneberg, sondern nimmt auch aus der Umgebung Tiere in Not auf.

Die erfahrene Tierpflegerin Pamela Popp nahm Paco mit nach Elmshorn. Die 26-Jährige ist bislang die einzige, die er akzeptiert und die ihm einen Maulkorb anlegen darf. Denn auch Paco wechselte in seinem kurzen Leben schon mehrfach den Besitzer. „Er gehörte einem Türken aus Hamburg, der ihn an eine Frau aus Itzehoe verkaufte. Sie gab ihn nach kurzer Zeit im Tierheim Itzehoe ab mit der Begründung, sie habe ihn gefunden“, sagt Anke Darius. Kurz darauf habe sie sich als Halterin geoutet und den Hund wieder abgeholt. Danach verkaufte sie ihn auf Ebay an den Herrn, der ihn letztlich am Bahnhof in Glückstadt zurückließ.

Seit zwei Jahren lebt Paco nun im Tierheim Elmshorn. Die Vermittlung des nicht gefestigten Tieres ist überaus schwierig. Paco ist bei weitem kein Einzelfall. 65 Prozent aller Hunde dort sind kaum vermittelbar, weil sie alt, krank oder seelisch kaputt sind, so die Tierheimchefin. „Momentan leben 21 Hunde und 77 Katzen bei uns“, sagt sie. Das ist wenig. Im Sommer steigt die Zahl der Katzen erfahrungsgemäß auf 140.

Die Kosten für langfristige Unterbringungen trägt das Tierheim, das sich größtenteils aus Spenden finanziert. Die Ordnungsämter zahlen nur für die ersten 30 Tage. Einige Tiere werden ihr Dasein aber vermutlich bis ans Lebensende dort fristen. So ist Tierheim-Veteran Gonzo, ein Australian Shepherd-Riesenschnauzer, bereits seit acht Jahren dort. Ein Happy End ist unwahrscheinlich.