Pinneberg
Pinneberg

Diese Männer kämpfen für ein Kulturzentrum

Foto: Andreas Daebeler / HA

Jahrelange Hängepartie in Pinneberg soll beendet werden. Die SPD will einen Förderverein gründen – und hat die Paasch-Halle im Blick.

Pinneberg.  Geht es ums Theater, ist Pinneberg ganz weit vorn. Gleich vier Ensembles gibt es im Stadtgebiet. Einen festen Spielort kann die Stadt den Schauspielern jedoch nicht bieten. Seit vielen Jahren schon wird darüber diskutiert, die historische Ernst-Paasch-Halle zum Kulturzentrum umzugestalten.

Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Eine Initiative der SPD könnte endlich den Weg zu einem Kulturzentrum ebnen. Die Sozialdemokraten wollen einen Förderverein auf den Weg bringen. Zudem wurden 100.000 Euro als Anschubfinanzierung in den städtischen Etat eingeplant.

Ortstermin mit Herbert Hoffmann und Reinhard Matthies, beide Sozialdemokraten und Theaterfans, in der offenkundig baufälligen Halle. Matthies steht gern selbst auf der Bühne. „Erstmals seit 2013 bewegt sich tatsächlich etwas“, sagt Hoffmann. Für Anfang 2017 habe die Stadtverwaltung zugesagt, endlich belastbare Zahlen für den Umbau der Paasch-Halle zu präsentieren. „Bislang gibt es nur grobe Schätzungen, die sich zwischen 400.000 und 800.000 Euro bewegen.“

Wichtig sei Klarheit, ob das Dach erneuert werden muss – zweifellos der größte Brocken. Die Heizung hat auch schon bessere Tage gesehen. „Der Brenner muss ausgetauscht werden“, sagt Matthies.

Im Jahr 2011 hatte das Abendblatt erstmals über den Traum vom Kulturzentrum an der Lindenstraße berichtet. Seinerzeit hatte die Politik eine Umwidmung der 1891 vom Industriellen Herman Wupperman erbauten Ernst-Paasch-Halle zugestimmt. In den folgenden Jahren wurde schnell klar, dass sich die angeschlagene und unter finanzpolitischer Aufsicht des Landes stehende Kreisstadt einen Umbau der Halle kaum würde leisten können. So setzte man in Pinneberg auf Investoren, die jedoch fernblieben.

Während einer Bürgerversammlung wurden Ideen diskutiert, Kosten erörtert. Alles ohne Ergebnis. Die Theatervereine hangeln sich von Saison zu Saison. Immer wieder muss gebettelt werden, die Stadt verlängert im Gegenzug die Ausnahmegenehmigungen für die Nutzung der Paasch-Halle sowie des Jugendzentrums an der Bahnhofstraße als Spielstätten – wohlgemerkt befristet. Planungssicherheit sieht anders aus.

Für Herbert Hoffmann Grund genug, jetzt einen anderen Weg zu gehen. Er regt an, einen Förderverein aus der Taufe zu heben. Die Stadt Pinneberg soll zunächst Eigentümerin der Paasch-Halle bleiben und den Unterhalt und die Bewirtschaftung des künftigen Kulturzentrums organisieren. „Wir können uns vieles vorstellen, aber eben wenig leisten“, so Hoffmann. Privatpersonen und Unternehmen seien gefragt, sich für ihre Heimatstadt in einem Förderverein finanziell zu engagieren. Allein aus Reihen der Theatervereine sei mit reichlich Zuspruch zu rechnen, so Matthies. Und nicht nur das: „Da wird auch mal der Pinsel in die Hand genommen.“

Es ist beileibe nicht alles schlecht in der Ernst-Paasch-Halle. So verfügt das Gebäude bereits jetzt über die für eine Besucherzahl von bis zu 199 Menschen notwendige Anzahl an Rettungswegen. Zudem sind die sanitären Einrichtungen in einem guten Zustand. Womöglich kann ohne großen finanziellen Aufwand für zusätzliches Flair gesorgt werde, indem der Sporthallenboden herausgerissen wird. Reinhard Matthies glaubt zu wissen, dass darunter ein wahrer Schatz schlummert – ein schöner alter Holzfußboden.

„Es muss endlich sichtbar etwas in Bewegung geraten, dann wird das Geld freigegeben“, sagt Hoffmann mit Blick auf den Sperrvermerk im Etat für die 100.000 Euro. „Wenn diese Halle erstmal fit gemacht wurde, wird sie für viele Anbieter aus dem kulturellen Bereich attraktiv sein.“ Auch der Summerjazz-Förderverein, in dessen Vorstand Hoffmann sitzt, werde sich nicht sperren, das Kulturzentrum mit seinen Konzerten zu füllen. „Und es muss möglich sein, Theater für Gastspiele zu gewinnen, das funktioniert in Elmshorn schließlich auch“, so der 69-Jährige.