Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wedels Krankenhaus verliert 77 Klinikbetten

Das Klinikum Wedel verliert 77 Betten und die Abteilung für Chirurgie. Operationen sind in dem Krankenhaus künftig nicht mehr vorgesehen

Das Klinikum Wedel verliert 77 Betten und die Abteilung für Chirurgie. Operationen sind in dem Krankenhaus künftig nicht mehr vorgesehen

Foto: Ingo Röhrbein

Neuer Krankenhausplan des Landes: Nur noch 904 statt 999 Plätze in den drei Regio Kliniken in Elmshorn, Wedel und Pinneberg.

Wedel/Elmshorn.  Der Kreis Pinneberg ist der große Verlierer beim jetzt von Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) vorgestellten und ab 1. Januar gültigen Krankenhausplan. So kürzt die Landesregierung die sogenannten Planbetten für die Regio Kliniken um etwa zehn Prozent. Statt der zurzeit 999 Krankenhausplätzen in Pinneberg (349), Elmshorn (472) und Wedel (178) wird künftig nur noch von 904 Plätzen ausgegangen – davon 98 in der Tagesklinik. Das bedeutet zwar nicht, dass in den Kliniken zum Jahreswechsel im großen Stil Betten in die Keller transportiert oder verschrottet werden, hat aber beispielsweise Auswirkungen auf Fördermittel (siehe Infokasten).

Das Krankenhaus Wedel verliert laut Landesplanung sogar fast die Hälfte seiner vollstationären Plätze, die von 173 auf 96 sinken sollen. „Das ist bedauerlich“, sagt Kliniksprecher Sebastian Kimstädt. Auf die Krankenhausversorgung im Kreis Pinneberg hätten die Kürzungen aber quasi keine Auswirkungen. Rein rechnerisch würden die Regio Kliniken allerdings etwa 70.000 Euro an Fördergeldern pro Jahr vom Land Schleswig-Holstein weniger bekommen.

Der neue Krankenhausplan passe sich in vielen Bereichen der tatsächlichen Entwicklung an, meint Regio-Sprecher Kimstädt. Zwar stieg in den ersten neun Monaten dieses Jahres die Zahl der behandelten Patienten an den drei Standorten um 2,5 Prozent auf 25.000. Die Verweildauer von Patienten ist in den vergangenen Jahren allerdings erheblich kürzer geworden. In Schleswig-Holstein waren die Patienten 2015 im Durchschnitt nur noch 6,9 Tage im Krankenhaus. 1992 mussten sie noch doppelt so lange bleiben. Seit der Einführung der Fallpauschalen im Jahr 2003 habe sich diese Entwicklung beschleunigt, erklärt Kimstädt. Der medizinische Fortschritt habe ebenfalls mitgewirkt. So würden acht von zehn Operationen heute in den Regio Kliniken minimalinvasiv, also mit erheblich weniger Eingriffen und kleineren Schnitten durchgeführt.

Die Planung stimme zudem mit der Strategie der Regio Kliniken überein, medizinische Schwerpunkte auf einzelne Standorte zu konzentrieren. So ist das Klinikum Pinneberg auf die Unfallchirurgie, Wirbelsäulenerkrankungen, Neurologie und das Geburtszentrum spezialisiert. In Elmshorn lägen die Schwerpunkte auf Gefäßchirurgie, Psychiatrie und der Urologie. Und in Wedel würden vordringlich geriatrische und lungenkranke Patienten behandelt.

Die Wirbelsäulen-Fälle waren schon vor einem Jahr von Wedel nach Pinneberg verlagert worden. Zum 1. Januar wird auch die Urologie-Abteilung mit zurzeit noch 28 Betten dichtgemacht und nach Elmshorn verlagert. Und auch die bisherigen 35 Chirurgie-Plätze tauchen im neuen Bedarfsplan für Wedel nicht mehr auf. „Wir wollen Wedel zu einem Krankenhaus mit rein konservativen Behandlungsmethoden ausbauen“, erklärt Kimstädt. Ein Nachteil für den Standort sei dies auf keinen Fall. Im Gegenteil. Durch die Konzentration sei das Krankenhaus Wedel für die Zukunft besser gerüstet, versichert der Regio-Sprecher.

Auch Bürgermeister Niels Schmidt erklärte, er habe trotz des Rückgangs bei den Planbetten keine Sorge um den Klinikstandort Wedel. „Es ist schade, dass Wedel Krankenhausbetten verliert. Wir sind sehr daran interessiert, dass der Klinikstandort als Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber erhalten bleibt.“ Unter den heutigen Rahmenbedingungen sei es wichtig, medizinische Spezialisierungen zu setzen, wie das mit der Geriatrie und der Pneumologie (Lungenheilkunde) in Wedel der Fall sei. Angesichts der demografischen Entwicklung dürfte der Bedarf an Alterspatienten weiter steigen.

Dass auch die Geriatrie in Elmshorn auf 20 Plätze ausgebaut wird, während Wedel hier elf von 60 Plätzen verliert, sei ebenfalls kein Nachteil für den Standort an der Elbe, sagt Kimstädt. „Bei Bedarf können wir die Geriatrie in Wedel ausweiten.“ Der neue Krankenhausplan bildet auch bestimmte Felder ab, auf denen die Regio Kliniken sehr gute Arbeit leisteten. So wird die Neurologie in Pinneberg um vier auf 39 Plätze ausgebaut.

Nicht betroffen von der neuen Planung ist die Paracelsus-Nordseeklinik auf Helgoland, die weiterhin 34 Plätze, davon 30 in der Neurologie, aufweist. Und auch die Fachklinik Bokholt-Hanredder der Therapiehilfe behält ihre 13 Plätze in der Psychiatrie und Psychotherapie.