Gastronomie

Wann schlägt endlich Pinnebergs Sternstunde?

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Katy Krause
Fein dinieren lässt es sich im Restaurant Rolin in Pinneberg, das zu den besten Restaurants im Kreis Pinneberg zählt

Fein dinieren lässt es sich im Restaurant Rolin in Pinneberg, das zu den besten Restaurants im Kreis Pinneberg zählt

Foto: Hotel Cap Polonio

Michelin vergibt deutschlandweit so viele Sterne wie nie zuvor. Nur die hiesige regionale Gastroszene geht leer aus – mal wieder.

Kreis Pinneberg.  So viele ausgezeichnete Restaurants gab es noch nie. Insgesamt führt der jetzt erschienene neue Michelin-Guide 292 Gourmet-Tempel auf, die deutschlandweit die Tester von ihrer Küche überzeugen konnten. Im Vorjahr waren es zwei Sterne-Restaurants weniger. Der Zuwachs an gekürten Restaurants in den vergangenen fünf Jahren beträgt sogar 17 Prozent. Damit muss sich Deutschland im europäischen Vergleich nur den Franzosen geschlagen geben. „Die Entwicklung der deutschen Spitzengastronomie bleibt dank zahlreicher junger, innovations-freudiger Köche auf sehr hohem Niveau“, erklärt auch Michael Ellis, internationaler Direktor des Guide Michelin. „Damit tragen sie maßgeblich dazu bei, dass die deutsche Gastro-Szene zu den besten in Europa und der Welt zählt.“

Nur im Kreis Pinneberg sieht’s am Sternenhimmel dunkel aus. Dabei gibt es in der Region durchaus preisverdächtige Küche. Zu den besten Adressen zählt das Rolin, das zum Hotelbetrieb Cap Polonio gehört. In zahlreichen Gourmet-Guides findet das Pinneberger Restaurant am Fahltskamp lobende Erwähnung. Am Herd zaubert Marc Ostermann mit einem zwölfköpfigen Team. „Wir werden in dem Michelin-Guide erwähnt, aber leider ohne Stern“, sagt der Küchenchef. Natürlich sei es eine tolle Auszeichnung, aber sie wäre auch mit Verpflichtungen verbunden. Das hohe Niveau müsse man kontinuierlich halten können. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Das ist besser, als mit Macht nun einen Stern zu erringen und ihn dann nicht halten zu können“, gibt Ostermann zu bedenken.

Dass er sich aber durchaus Chancen auf einen Stern einräumen kann, zeigt die gute Bewertung, die das Restaurant beim Gourmet-Portal restaurant-ranglisten.de inne hat. So reiht sich das Rolin in der Online-Rangliste hinter den Nobeladressen auf Sylt bereits auf Platz 18. der besten Restaurants in Schleswig-Holstein ein. Im Jahr zuvor war es noch Platz 24.

Das Portal fasst Resultate zahlreicher nationaler und internationaler Gastronomieführer zusammen und lässt diese Bewertungen in das Ranking einfließen. „Wir sind sehr glücklich über diese Platzierung“, so Ostermann. Immerhin schließe sich das Rolin direkt hinter Sternerestaurants an. Was zur Auszeichnung mit dem Stern noch fehlt, weiß der Küchenchef aber nicht. Die Testessen finden ohne Ankündigung, anonym und ohne Auswertung statt.

Geht es nach der zusammenfassenden Auswertung des Gourmet-Portals, dann hat der Kreis Pinneberg, kulinarisch gesehen, im vergangenen Jahr kräftig zugelegt.

Um galaktische 57 Plätze hat sich das Lay´s Loft in Barmstedt verbessert. Es wird nun auf Platz 27 der besten Restaurants in Schleswig-Holstein aufgeführt. Dabei ist dieser Gourmet-Tempel noch relativ jung. Ende 2013 eröffneten Fritz Lay und Angela Lantow-Petersen das Restaurant in einer alten Wachsfabrik, die sie zuvor gekauft und komplett saniert hatten. Am Herd steht hier Martin Gers. Zusammen mussten sie den Standort als neues Restaurant überhaupt erst etablieren. Eine schwere Aufgabe, die sie – wenn man den Kritiken und Bewertungen der Gourmet-Guides glauben darf – sehr gut bewerkstelligen.

Verbessern konnte sich auch das Jagdhaus Waldfrieden in Quickborn. Von Platz 43 auf 38 schob sich das Restaurant laut dem Portal restaurant-ranglisten.de nach vorn, während andere im Norden an Stellung verloren. Das Restaurant gehört zum gleichnamigen Privathotel mit Park, gelegen an der Kieler Straße 84.

Dass es ländliche Spitzenküche vergleichsweise schwerer hat, die Experten, aber auch die Gäste von sich zu überzeugen, davon weiß Marc Ostermann zu berichten. Besonders die Nähe zu Hamburg und der dortigen Konkurrenz mache es den Küchenchefs im Kreis Pinneberg nicht gerade leicht. Deshalb wurde unter anderem auch das Gourmet-Festival ins Leben gerufen. Bereits gekürte Sterneköche fahren dafür aufs Land, um beispielsweise im Rolin oder im Schulauer Fährhaus die Feinschmecker zu bekochen.

„Es ist eine mühsame und langfristige Arbeit. Aber wir haben in den vergangenen Jahre viele Hamburger überzeugen können“, sagt Küchenchef Ostermann stolz. Und am Ende sei doch die Bewertung durch den Gast die viel wichtigere als die der Experten mit ihren Sternen und ihren Gourmet-Führern.

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