Pinneberg
Rellingen

Baumberater

Rolf-Rüdiger Schmidt (l.) und Hans Günther Reinke beraten Rellinger, wenn es um Bäume geht. Deyke Zorn aus dem Bauamt freut's

Rolf-Rüdiger Schmidt (l.) und Hans Günther Reinke beraten Rellinger, wenn es um Bäume geht. Deyke Zorn aus dem Bauamt freut's

Foto: Andreas Daebeler / HA

Ziel des Projektes ist mehr Grün im Ort: Experten beraten Bürger kostenlos. Auch eine 2015 gestartete Pflanzaktion schreitet voran.

Rellingen.  Rolf-Rüdiger Schmidt ist politisch ein Schwarzer. Seit vielen Jahren macht er für die CDU Politik in Rellingens Gemeinderat. Geht es jedoch um Bäume, entdeckt der Diplom-Ingenieur den Grünen in sich. Einst Geschäftsführer eines Natursteinbetriebs, ist Schmidt gemeinsam mit seinem Parteikollegen Hans-Günther Reinke als Baumberater im Einsatz – und zwar ehrenamtlich. Das sucht im Kreis Pinneberg seinesgleichen.

Grundstückseigner, die nicht wissen, wie sie mit einem Gewächs in ihrem Garten umgehen sollen und sich in ihrer Not ans Rathaus wenden, werden an Schmidt und den früheren Baumschuler Reinke weitervermittelt. Die schauen sich den Fall an. Und verhindern so auch mal, dass uralte Bäume voreilig gefällt werden. „Das ist ein tolles Engagement“, lobt Bürgermeister Marc Trampe den Einsatz der beiden Ruheständler, die sich als ehrenamtliche Kommunalpolitiker für die CDU in Sitzungen auch noch manchen Abend im Dienst der Allgemeinheit um die Ohren schlagen. Reinke und Schmidt sitzen unter anderem in dem Gremium, das sich um Bauwesen und Umwelt kümmert.

Nach seinen Beweggründen für den Einsatz als Baumberater befragt, muss Schmidt nicht lang überlegen. „Für mich sind Pflanzen zweifellos ein Stück Lebensqualität“, sagt er. Wer auf seinem Grundstück ohne groß zu überlegen mit der Motorsäge anrücke, vernichte häufig ein Vermögen – auch und gerade für die Nachwelt. Das gelte es zu verhindern. „In der Öffentlichkeit wird ständig von Neubauprojekten gesprochen“, so Schmidt.

Die gärtnerische Gestaltung gerate dabei häufig in Vergessenheit, obwohl sie das Ortsbild entscheidend mit präge. Auch müsse Unkenntnis von Bauherren entgegengewirkt werden. Die würden zuweilen ahnungslos pflanzen, anstatt sich zuvor bei Experten zu Infomieren. „da wird dann etwas Erde auf Bauschutt gekippt und fertig.“ Teuer gekaufte Gewächse seien so von Anfang an dem Eingehen geweiht. „Das investierte Geld könnte man auch verbrennen“, sagt Schmidt.

Dutzende Bäume und Hunderte Sträucher wurden gepflanzt

Die Gemeinde Rellingen arbeitet derzeit daran, ihr „grünes Vermögen“ noch zu steigern. Und dabei helfen spendenwillige Einwohner kräftig mit. So konnte kürzlich anlässlich der Neupflanzung von 15 Pyramiden-Hainbuchen Zwischenbilanz einer 2015 gestarteten Aktion gezogen werden. Unter dem Motto „Mehr Grün für Rellingen“ wurden im Ort bereits 89 neue Bäume und 850 weitere Pflanzen gesetzt. Rund um einen Spielplatz im Neubaugebiet Moorkampsring werden im Frühling die Knospen sprießen – weil die Rellinger Gisela und Jürgen Wilkens 1400 Euro gesammelt und für das Projekt gespendet haben. Eine von der Gemeinde aufgestellte Stehle weist auf das Ehepaar als Spender hin. „Menschen sammeln anlässlich von Geburten oder Hochzeiten für das Projekt“, weiß Reinke. Auch Firmenjubiläen seien ein willkommener Anlass, den grünen Weg auszubauen. Bei der Anschaffung von Sträuchern und Bäumen werde penibel darauf geachtet, dass Betriebe aus der Baumschulregion Kreis Pinneberg zum Zuge kämen.

Besonders ist an der Initiative auch, dass die Gemeinde Rellingen voll mitzieht. So hat die Politik festgelegt, dass bis ins Jahr 2020 jede von Bürgern eingehende Spende zumindest verdoppelt wird. „Zu diesem Zweck haben wir pro Jahr einen Etat von 50.000 Euro zur Verfügung“, bestätigt Deyke Zorn, die im Rellinger Bauamt arbeitet.

Als problematisch habe sich allerdings die Standortsuche herausgestellt. Abwasser, Glasfaser, Telefon – im Untergrund verlaufen Abertausende von Leitungen. „Die dürfen nicht überpflanzt werden“, weiß Baumberater Reinke.

Neue Bäume gibt es mittlerweile nicht nur am Moorkampsring. Auch am Grünen Weg, an der Mühlenstraße sowie am Halstenbeker Weg wurde gepflanzt. „Wir freuen uns über jeden Erfolg, der erzielt werden kann“, sagt Rolf-Rüdiger Schmidt, der die Initiative „Mehr Grün für Rellingen“ Mitte 2014 mit Kollegen aus seiner CDU-Fraktion angeschoben hatte. „Die Aktion wird von allen anderen politischen Fraktionen mitgetragen“, sagt Bürgermeister Trampe. „Mit Parteipolitik hat das überhaupt nichts zu tun.“ Gehe es ums Grün, zögen alle an einem Strang.