Pinneberg
Hetlingen

„Malen ist manchmal wie ein Zwang für mich“

Manchmal malt Ute Farr auch zu Hause: Im Wintergarten-Atelier setzt sie die letzten Wellenstriche, im Hintergrund stapeln sich die fertigen Werke

Manchmal malt Ute Farr auch zu Hause: Im Wintergarten-Atelier setzt sie die letzten Wellenstriche, im Hintergrund stapeln sich die fertigen Werke

Foto: Fabian Wieczorek / HA

Ute Farr liebt es, idyllische Momente festzuhalten. Ihre Staffelei hat sie dafür bereits an zahlreichen Ecken im Kreis aufgebaut.

Hetlingen.  Wenn Ute Farr draußen in der Natur ihr mobiles Atelier aufbaut, fühlt sie sich so richtig wohl. Sobald sie ein besonderes Plätzchen ins Auge gefasst hat, lädt sie ihre Malsachen aufs Fahrrad: ihre zusammenlegbare Kofferstaffelei, den Pinselkasten, den Holzkasten mit Farben und ganz wichtig – eine Leinwand.

Der Elbstrand ist so ein besonderes Plätzchen, von ihrem Wohnhaus in Hetlingen ist dieses zehn Minuten entfernt. Mit einigen gekonnten Handgriffen baut die 53-Jährige die Staffelei dort auf, klemmt die Leinwand auf und bereitet die Farbpalette vor. Während sie dann wie immer damit beginnt, den Himmel zu malen, nutzt Farrs treue Begleitung die Zeit für ein Bad in der Elbe: Crazy, ein Golden Retriever, genießt diesen ruhigen Ort ebenso wie ihr Frauchen.

Den Moment in zwei bis drei Stunden so auf die Leinwand zu bringen, wie sie ihn vor Ort fühlt und schmeckt, das ist Ute Farrs große Leidenschaft. „Abenteuermalen“ nennt sie diesen impressionistischen Stil; ständig ändere sich das Licht, mal klebe eine Fliege am Bild. „Manchmal bin ich so sehr auf ein Detail fokussiert, dass ich gar nicht bemerke, dass die Flut kommt.“ Bislang konnte sie ihr Equipment aber immer rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Besonders beim Abmalen von Schiffen muss sich die Malerin beeilen. Segelboote wie auch Containerschiffe sind in kurzer Zeit wieder von der Bildfläche verschwunden. Als der Frachter „CSCL Indian Ocean“ Anfang Februar bei der Anfahrt des Hamburger Hafens auf Höhe der Hetlinger Schanze auf Grund lief, bot sich Farr eine einmalige Gelegenheit: „Da hatte ich endlich mal mehr Zeit zum Abmalen. Allerdings war es schrecklich kalt“, erinnert sie sich.

Ungemütliche Wetterbedingungen sind für die Künstlerin kein Grund, zu Hause zu bleiben. „Wenn es zum Beispiel nass ist, ist es besser, mit Öl anstatt mit Pastell zu malen“, gibt sich Farr pragmatisch. Im diesjährigen Urlaub in Sri Lanka hat sie es auf einem brennend heißen Stein ausgehalten - die Aussicht auf die Brandung des Indischen Ozeans ließ sie auf ihrem Sitzplatz bis zum letzten Pinselstrich ausharren.

Wenn Ute Farr die idyllischen Orte im Kreis Pinneberg abmalt, weckt sie regelmäßig das Interesse von Spaziergängern, die ihr meist mit Bewunderung über die Schultern schauen. Der Künstlerin gefällt diese Form der Anerkennung. „Mein erstes Bild vom Elbstrand hat einer Passantin so gut gefallen, dass sie es direkt erworben hat“, berichtet Farr mit erkennbarem Stolz.

Farr möchte mit ihren Kunstwerken begeistern. „Am liebsten sollen mir die Leute um den Hals fallen“, gibt sie ungeniert zu. Nicht nur ihren Ehemann hat sie mit einem Porträt bereits zu Tränen gerührt. Für konkrete Aufträge von Kunden malt sie immer wieder von Fotos ab, auch wenn ihr dies eigentlich zu starr ist. Man könne ihr alles hinstellen, egal ob naturalistisch oder surreal. Auch in der Maltechnik ist Farr grundsätzlich flexibel, am häufigsten verwendet sie Pastell.

Ute Farrs Werke werden schon mal mit Monet verglichen

Wie ist eine solch große Verbundenheit zur Malerei entstanden, die für die Hetlingerin seit über 30 Jahren nicht bloß Hobby, sondern Lebensinhalt ist? In der Vita der gelernten Arzthelferin findet sich kein Kunststudium. Die Lehrerin eines Malkurses hat als Schülerin nie einen solchen besucht. Doch mit dem Stift auf Papier etwas Ausdrucksstarkes zu schaffen, hat sie schon als Kind mehr fasziniert als andere. Als Jugendliche, im Alter von 16 Jahren, besuchte sie mit ihrer Schulklasse den Louvre in Paris. Während ihre Klassenkameraden von einem Ausstellungsraum zum nächsten huschen, hätte die Teenagerin schon in der Eingangshalle zwei Stunden verweilen können. „Ich wollte damals so malen wie die Maler der dort ausgestellten Bilder. Heute kann ich es“, sagt Farr.

Ein Satz, der überheblich erscheinen mag, aus dem Mund von Ute Farr aber nicht arrogant klingt. Vielmehr drückt er eine Entwicklung aus, die durch eine üppige Portion Begabung sowie ein sehr hohes Maß Erfahrung geprägt ist. Ihre Momentaufnahmen aus der Natur habe schon manch einer mit den Malereien des französischen Impressionisten Claude Monet verglichen. Wie viele farblose Flächen sie über die Jahre mit Leben gefüllt hat, weiß Farr nicht, allein in ihrem Haus hängen über 100 Eigenwerke.

Viele der Bilder haben eine besondere Entstehungsgeschichte. So wie ein Hafenbild, das Ute Farr aus dem 15. Stockwerk des Altonaer Krankenhauses – unmittelbar nach einer Operation – gemalt hat. Zeitschriften lesen kam für die Patientin auch in dieser Situation nicht infrage: „Zu malen ist manchmal wie ein Zwang für mich. Wenn mich bestimmte Dinge ansprechen, kann ich es kaum aushalten, nicht zum Pinsel zu greifen.“ Fast alle Utensilien hatte Farr dabei, nur ein Lappen fehlte ihr. Das Krankenbett blieb dennoch kleckerfrei, die Pfleger bestaunten die auf dem Fensterbalken stehende Malerei.

Auch wenn Ute Farr immer wieder Bilder in Auftrag bekommt, könnte ihre freiberufliche Tätigkeit noch auf mehr Gegenliebe stoßen. Neben einigen Ausstellungen und Versteigerungsaktionen im Jahr versucht die Künstlerin vor allem, über Anzeigen im Internet auf sich aufmerksam zu machen. Dass Leute ihre hauseigene Galerie besuchen, kommt nicht so häufig vor. „Hetlingen ist dafür natürlich auch kein guter Standort“, sagt die Künstlerin. Ansonsten fühlen sich Farr und ihr Ehemann Klaus in der Gemeinde, die sie seit 20 Jahren ihre Heimat nennen, aber sehr wohl. „In unserer Umgebung habe ich jede schöne Ecke gemalt“, sagt Farr Deswegen plane ich inzwischen gerne auch Ausflüge in andere Gegenden.“

Mehr Informationen über die Bilder der Künstlerin: www.farrbtraeume.de, Telefon 04103/8 67 20