Pinneberg
Appen

„Ich bin kein Freund von Schnellschüssen“

Oberst Michael Skamel am Tor der Appener Marseille-Kaserne. Seit 22. September steht er an der Spitze der Unteroffizierschule der Luftwaffe

Oberst Michael Skamel am Tor der Appener Marseille-Kaserne. Seit 22. September steht er an der Spitze der Unteroffizierschule der Luftwaffe

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Michael Skamel ist neuer Kommandeur in Appen. Im Interview spricht er über Veränderungen – für die Soldaten und seine eigene Familie.

Appen.  Oberst Michael Skamel steht seit Ende September an der Spitze der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen. In der Abendblatt-Regionalausgabe Pinneberg nimmt er Stellung zu seinen ersten Eindrücken, seinen Zielen und den Herausforderungen, die auf die Einrichtung zukommen.

Herr Skamel, Was unterscheidet Ihre neue Aufgabe in Appen von Ihrer bisherigen Tätigkeit?

Oberst Michael Skamel: Vor meiner Verwendung als Kommandeur war ich als Unterabteilungsleiter im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr eingesetzt. Neben meiner Führungsaufgabe hatte ich insbesondere die Einhaltung der Grundsätze und rechtlichen Vorgaben für das Personalmanagement der Offiziere zu verantworten. Hier in der Unteroffizierschule liegt der Kernauftrag in der Ausbildung des künftigen Führungspersonals auf der Ebene der Unteroffiziere und Feldwebel.

Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Endlich wieder etwas öfter vom Schreibtisch wegzukommen, um das Gespräch mit den Lehrgangsteilnehmern und dem Stammpersonal suchen zu können. Mein Bestreben ist es, in den Inspektionen präsent zu sein. Doch so gern man militärischer Führer ist, so sehr ist man gerade in der Anfangsphase an den Schreibtisch gebunden. Aber in erster Linie geht es darum, mein Personal und die Vielfalt der Schule kennenzulernen.

Sie übernehmen eine funktionierende Einheit. Wie groß ist Ihr Gestaltungsspielraum überhaupt?

Betrachtet man die geltenden Vorschriften und Lehrpläne, ist dieser zunächst einmal gering. Auch organisatorische Änderungen können wir nicht eigenständig umsetzen. Dies steht auch nicht im Vordergrund. Mir geht es darum, unsere anerkannt gute Ausbildung weiterzuentwickeln. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Lerninhalte, sondern um erwachsenenorientierte Vermittlung derselben. Da haben wir bereits sehr viel zu bieten und integrieren zunehmend die moderne Ausbildungstechnologie. Smartboards und Laptops finden bei uns zunehmend Eingang in die Ausbildung.

Gibt es noch andere Aufgaben, die für Sie anstehen?

Wir haben zwei Standorte: in Appen das Mutterhaus und eine abgesetzte Lehrgruppe in Heide. Als ehemaliger Kommandeur in Heide kenne ich die Besonderheiten eines abgesetzten Standortes. Hier ist stets der richtige Mittelweg zwischen Selbstständigkeit und Zusammengehörigkeit zu finden. Der Austausch zwischen dem Führungspersonal und dem Ausbildungspersonal beider Standorte ist schon deutlich besser geworden. Ich lege sehr viel Wert auf eine gemeinsame Identität der gesamten Unteroffizierschule, und da können wir noch besser werden.

Gibt es Dinge, die Sie konkret verändern wollen?

Ich bin kein Freund von Schnellschüssen, sondern eher von einer besonnenen Vorgehensweise. Ich habe die Unteroffizierschule als sehr professionell kennengelernt. Sowohl aus den Heimatverbänden, wie von den ausgebildeten Lehrgangsteilnehmern, höre ich sehr viel Lob und Zufriedenheit. Vor Veränderungen sollte man ein Stück von der Karte zurücktreten und gegebenenfalls identifizierte Problembereiche beim Namen nennen.

Heute denken Menschen anders als vor
20 Jahren. Wie reagiert die Ausbildung an der Unteroffizierschule darauf?

Heute geht es nicht so sehr um einzelne Lerninhalte, sondern um Kompetenzen. Bei uns, wie auch in der Bildungslandschaft um uns herum, gilt es, die Ausbildung kompetenzorientiert auszurichten. Es geht nicht darum, nur Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln und diese anhand von starren Ausbildungsmustern zu erläutern. Für die Bundeswehr ist der Gradmesser die Einsatzorientierung. Diese erfordert Handlungssicherheit, die durch Handlungsfelder bestimmt wird. Unser Ziel ist es, künftige Vorgesetzte für zu erwartende Situationen zu trainieren.

Die Außendarstellung wird immer wichtiger. Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Region. Veranstaltungen, wie der Tag unter Freunden im September dieses Jahres, geben dafür immer wieder Zeugnis und dafür bin ich sehr dankbar. Mit den Appener Gesprächen haben wir ein bewährtes Format, in dem wir aktuelle Themen mit der Öffentlichkeit diskutieren. Das abgelaufene Themenjahr „GegenGewalt“ hat dabei sehr gute Zeichen gesetzt. Mir ist es sehr wichtig, dass wir die Kasernentore öffnen und im Gespräch bleiben. Die Bundeswehr ist ein Teil der Gesellschaft, dafür steht jeder von uns.

Die Bundeswehr hat sich verändert, vom Kalten Krieg bis zum Engagement in
Afghanistan. Was prägt aktuell die Bundeswehr ?

Aktuell sind natürlich die Diskussionen über einen Einsatz im Inneren oder noch viel mehr die zunehmend europäische Ausrichtung der Bundeswehr. Wir sind eine Parlamentsarmee. Dort wird über die zukünftigen Aufträge der Bundeswehr entschieden.

Worin sehen Sie die Aufgabe der Unteroffizierschule in der Luftwaffe beziehungsweise in der Bundeswehr?

Der Schule kommt der Auftrag zu, die ganz Jungen an die Bundeswehr heranzuführen, sie zu infizieren, was es heißt, Soldat zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Die Vermittlung der Werte der freiheitlich demokratischen Grundordnung unter dem Motto „Wir.Dienen.Deutschland“ steht im Mittelpunkt unserer gesamten Ausbildung. Wir schlagen dabei den Bogen zu den berufs- und lebenserfahrenen Unteroffizieren, die schon viele Jahre im Dienst sind. Der Ruf der Unteroffizierschule ist in der Luftwaffe und darüber hinaus sehr gut. Ungefähr ein Viertel unserer Unteroffiziere und Feld­webel werden ihre Verwendung nicht in der Luftwaffe unmittelbar finden, sondern in anderen Teilen der Bundeswehr. Daher kommt es für uns immer darauf an, über den Zaun der Luftwaffe hinwegzuschauen.

Sie wohnen seit einigen Jahren in Hennef. Wie gestaltet sich Ihr Leben zwischen
Appen und Nordrhein-Westfalen?

Wir haben zeitgleich zur Versetzung eine große Veränderung in der Familie. Wir haben drei erwachsene Kinder, die mittlerweile alle flügge geworden sind, sodass in der Tat für meine Frau die Woche über das Haus leer ist. Da sie berufstätig ist und Teile der Familie auch hier in der Region wohnen, ist unser Modell, dass wir in beide Richtungen pendeln werden. Die Wohnung ist gefunden, sodass wir künftig zwei Standbeine haben werden.

Es gibt zwei große Bereiche, in denen Sie eingesetzt wurden: Schleswig-Holstein und Hamburg sowie der Raum Köln/Bonn. Ist das Zufall oder Planung?

Mit der Einschulung unseres Sohnes kam auch meine erste Verwendung im Raum Köln/Bonn. Dort war ich im Ministerium, aber auch in mehreren anderen Dienststellen eingesetzt. Trotz verschiedener Verwendungen war es für die Familie möglich, an einem Ort zu bleiben. In den letzten 14 Jahren bin ich nur zwei Jahre nach Heide gependelt. Dies hat sich für uns als problemlos herausgestellt. Insofern steckte schon ein Plan dahinter, der Karriere und Familie bestmöglich harmonisiert hat.

Haben Sie auch Möglichkeiten, den Soldaten, die hier Dienst tun, ihre Tätigkeit zu erleichtern oder im Sinne der Familie zu gestalten?

Wir bieten die Möglichkeiten eines Eltern-und-Kind-Arbeitszimmers, sodass man das zeitlich begrenzt miteinander verbinden kann. Am Standort gibt es einen Info-Punkt, an dem Familien alle Informationen erhalten, die für sie im Vorgriff auf eine Versetzung zu uns wichtig sind. Hier können wir Kontakte zu den Kommunen, zum lokalen Bündnis sowie zu den Trägern von Kindergärten und Schulen vermitteln. So versuchen wir Hilfestellung zu geben.

Bleibt noch eine Frage: Wird es weiter den beliebten Salvatorabend geben?

Ja, klar. Der Salvatorabend ist eine Institution über Jahrzehnte. Das ist eine
feste Veranstaltung im regionalen Veranstaltungskalender.